Interview von

Natascha Kampusch: "So hart bin ich mittlerweile geworden "

Interview - Natascha Kampusch: "So hart bin ich mittlerweile geworden " © Bild: Ricardo Herrgott/News

Natascha Kampusch denkt darüber nach, weshalb man ihr Hass entgegenbringt. Auf die Frage, ob sie irgendeinem Menschen voll vertraue, sagt sie noch 13 Jahre nach ihrer Flucht aus dem Keller: "Nein"

News: Frau Kampusch, Sie haben "Cyberneider", ein Buch über Neid im Internet, geschrieben. Wann haben Sie als ehemaliges "Opfer der Nation" zum ersten Mal so etwas wie Neid gespürt?
Natascha Kampusch: Kampusch, das Neidobjekt, gibt es, seit es Kampusch, die öffentliche Figur, gibt. Eine Woche nach meiner Selbstbefreiung sagte mir ein Journalist ins Gesicht: "Ich glaube Ihnen nicht, Sie sind kein Opfer." Es gab auch gleich neidige Krankenschwestern und Ärztinnen. Eine hat mir gesagt, ich bräuchte mir nicht so viel auf meine Intelligenz einzubilden, ich wäre nicht der erste intelligente Mensch, den sie behandelt.

Aber worauf ist man denn konkret neidisch?
Ich weiß es nicht.

Was, meinen Sie, prädestiniert Sie zum Neidobjekt?
Es ist wohl einfach so, dass ich etwas ausstrahle, das viele als Selbstbewusstsein bezeichnen würden, und das mögen sie nicht. Sie wollen lieber jemanden, der ein bisschen angepasster ist -ich weiß allerdings nicht, weshalb sie das erwarten. Vielleicht wegen meines Äußeren?

Was ist damit?
Ich bin klein, deswegen bin ich öfter etwas mädchenhaft rübergekommen. Kontrastierend dazu glaube ich, dass ich etwas Konkretes, Klares ausstrahle. Die Leute würden sich aber wen wünschen, der irgendwie zerflossen wirkt. Zerflossen durch Schmerz. Und das hätte ja zugegebenermaßen auch eine gewisse Leidensästhetik, jene einer romantische Dichterin - aber so bin ich halt nicht.

Und aus dieser Diskrepanz wächst der Neid?
Er kommt daher, dass viele Leute in ihrer eigenen Biografie zutiefst verletzt sind. Ich glaube, sie denken, ich würde meine Probleme nicht so tief spüren wie sie ihre. Sonst müsste ich ja beispielsweise schon längst Alkoholikerin sein. Und dass ich das nicht bin, können die Leute nicht verkraften. Wenn ich hier jetzt in ein schönes Glas Rotwein hineinseufzen würde, das wäre doch nett, oder? Viele können es nicht verkraften, dass sie es selber nicht geschafft haben, ihr eigenes Schicksal auszuhalten und zu ertragen.

Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen News-Ausgabe Nr. 41/19