Interview von

Marion Mitterhammer:
"Ich liebe Ottakring"

Was der TV-Star am 16. Wiener Bezirk so mag und warum sie immer die Chefin ist

Marion Mitterhammer © Bild: ORF/Petro Domenigg

Marion Mitterhammer flimmert seit fast 30 Jahren über Österreichs TV-Schirme. Die aus der Steiermark stammende Schauspielerin wirkte bei zahlreichen Filmen, Serien und Theaterproduktionen mit und mimt nun eine Staatsanwältin in den "Cop Stories". Was sie - statt den unzähligen Chefinnen - gerne spielen würde, wie sich die Situation für Frauen in Film und TV verändert und warum sie Ottakring liebt, erzählt sie im Interview mit News.at.

Sie spielen jetzt in Cop Stories eine Staatsanwältin…
Ja, komischerweise auch genau zur selben Zeit in einem anderen Krimi, der parallel in der ARD Premiere haben wird. Und die Chefinnen, die spiele ich in all den Jahren immer wieder.

Wie bereiten Sie sich auf so eine Rolle vor? Gehen Sie aufs Gericht und besuchen sie echte Staatsanwälte?
Nein. In dem Fall ist es so, dass ich mich sehr wunder, aber auch sehr freue, das es so eine große Aufmerksamkeit gibt, dass ich diese Staatsanwältin spiele, weil ich finde, das ist eher eine Gastrolle. Die kommt zwar in jeder Folge immer sehr prägnant vor, aber halt nicht wahnsinnig groß. Aber ich habe keine Notwendigkeit gefunden, mich jetzt weiß Gott wie vorzubereiten.

Sie spielen immer wieder die Chefinnen, meinten Sie eben nicht ganz so erfreut. Warum ist das so, denken Sie?
Das frage ich mich auch. Aber wahrscheinlich ist das so, wenn man einmal was gut macht, dann ist man eben in diesem Fach, aber ich weiß auch nicht. Ich bin dann oft die Chefin und sehe mich selbst aber ganz anders. Trotzdem kann mich wirklich nicht beklagen, aber es fällt mir einfach auf.

»Das mit dem Älter werden ist ja immer so eine Sache bei uns Schauspielerinnen.«

Als was würden Sie sich sehen? Was würden Sie gerne spielen?
Das mit dem Älter werden ist ja immer so eine Sache bei uns Schauspielerinnen. Wir wissen ja, dass die Rollen eher weniger werden und dass es viele tolle Kolleginnen gibt und alles immer eine Glückssache ist. Deswegen habe ich angefangen, selber Filme zu produzieren. Bei zwei Filmen habe ich mir dann selber eine Rolle maßgeschneidert. Was ich toll finde, sind ambivalente, vielschichtige Figuren. Mich faszinieren Frauen, die nach außen hin vielleicht strahlen aber nach innen sehr gebrochen sind. Aber auch genauso interessieren mich solche Menschen in echt, mich interessiert es immer da, wo nicht alles so perfekt ist, da wo es ein bisschen kracht, wo Schmerz ist.

Haben es Frauen überhaupt schwerer in Ihrer Branche?
(Seufzt). Ja. Aber jetzt ist ja auch eine Zeit, in der sich sehr viel ändert und das ist auch gut so.

Merkt man schon, dass sich etwas verändert?
Ja, das merkt man schon. Ich finde das ganz toll, dass viele Dinge angesprochen werden und sich öffnen. Wenn wir zum Beispiel von einem Schönheitsdiktat sprechen, da ist mir aufgefallen, dass man anfängt, legerer mit diesem Schönheitswahn umzugehen und dass es nicht mehr so wichtig wird. Es ändern sich Dinge, allein dadurch, dass man sie anspricht und mit dem Finger drauf zeigt.

Waren Sie vor Ihrem Engagement schon ein Fan der "Cop Stories"?
Ich lebe ja in Deutschland und da ist es nicht gelaufen, aber ich habe das schon mitbekommen, wie erfolgreich und wie besonders diese Serie ist. Es sind super Schauspieler, eine interessante Kamera, tolle Regisseure.

Marion Mitterhammer
© ORF/Petro Domenigg Cornelius Obonya (Berischer), Marion Mitterhammer (Lydia Leitner), Johannes Zeiler (Oberst Andreas Bergfeld) in "Cop Stories"

Welche Serien sehen Sie sich gerne an?
Ich gestehe, dass ich ein Netflix-Junkie bin und dass ich schon mal die Wochenenden vor dem Computer verbringe. Ich habe mir tatsächlich alles Übliche angeschaut.

Welche war die letzte Serie, von der Sie sich nicht losreißen konnten?
Sagen Sie mir etwas, ich habe das alles gesehen, aber jetzt fällt mir nichts ein.

The Crown?
Ja! Ja wunderbar. Das ist wirklich wahnsinnig gut gemacht. Wissen Sie, das ist toll für uns Schauspieler, dass es diese Möglichkeit gibt, nicht nur mehr für Sender zu arbeiten, sondern auch für Streaming-Dienste. Da gibt es einfach mehr Arbeit.

»Ich habe keine Angst zu scheitern. «

Da Sie so ein Serienfan sind: Können Sie sich vorstellen, selbst einmal eine zu produzieren?
Ganz ehrlich, so weit denke ich gar nicht. Ich habe jetzt zwei Filme produziert und jetzt mache ich einen dritten. Ich denke immer Schritt für Schritt. Mal schauen, was kommt.
Ich bin so, dass ich Dinge versuche und das auch erzähle. Es kann natürlich sein, dass es nichts wird, aber ich habe es immerhin versucht. Ich habe keine Angst zu scheitern.

Sie sind aus Bruck an der Mur. Haben Sie noch viel Bezug zu Ihrer Heimat?
Ja, meine Mutter lebt dort und ich fahre immer wieder gerne in die Steiermark, wo ich auch gerade ein Filmprojekt als Produzentin vorbereite, das dort spielen soll.

»Ich kann nicht sagen, dass es einen Ort gibt, an dem ich mich wahnsinnig zuhause fühle«

Was bedeutet diese steirische Heimat für Sie?
Heimat würde ich nicht örtlich festmachen. Ich bin jemand, der wahnsinnig gerne unterwegs ist. Ich bin auch am glücklichsten, wenn wir unterwegs sind und das Schöne ist, dass mein Mann auch so funktioniert. Wir sind Reisende. Ich kann nicht sagen, dass es einen Ort gibt, an dem ich mich wahnsinnig zuhause fühle, dafür bin ich zu oft in meinem Leben umgezogen und war zu viel unterwegs. Aber es gibt Menschen, bei denen ich mich zuhause fühle.

Mitterhammer
© APA/Kleine Zeitung Marion Mitterhammer und ihr Mann, Hans-Günther Bücking: "Wir sind Reisende"
»Mich interessiert das, wo es schmutzig ist, wo es weh tut, wo es wild ist, wo es echt ist. «

Cop Stories spielt im Wiener Bezirk Ottakring, nicht gerade das Aushängeschild Wiens...
Aber das interessiert mich! Mich interessiert immer das alles, wo man nicht sofort hinschaut. Und ich liebe Ottakring! Das muss ich mal sagen. Mich interessiert das, wo es schmutzig ist, wo es weh tut, wo es wild ist, wo es echt ist. Wie bei den Cop Stories.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Wien?
Wien ist wunderbar. Ich bin so oft wie möglich dort, ich habe viele Freunde da und Wien ist einfach schön. Ich war immer viel in der Josefstadt, aber ich mag jetzt auch gerne Ottakring.