Interview von

Madeleine Alizadeh alias DariaDaria:
"Es fehlt die Popkultur in der Politik"

Interview - Madeleine Alizadeh alias DariaDaria:
"Es fehlt die Popkultur in der Politik" © Bild: Juergen Hammerschmid News

Madeleine Alizadeh alias DariaDaria - Österreichs bekannteste Bloggerin - wagt den Schritt in die Politik.

News: Du kandidierst jetzt symbolisch für die Grünen. Was willst du mit dieser Symbolik bezwecken? Was sind deine Ziele und woher kam die Idee?
Madeleine Alizadeh (DariaDaria): Im Februar wurde ich von den Grünen kontaktiert und gefragt, ob ich mir vorstellen kann, zu kandidieren und mich dadurch solidarisch und aktiv unterstützend zu zeigen. Am Anfang war ich eher abgeneigt. Es war auch nicht der richtige Zeitpunkt für mich. Ich wurde dann nochmals gefragt und habe letztendlich zugesagt. Der Grund dafür ist, dass mir die Dringlichkeit der Situation bewusst geworden ist und wie wichtig es ist, dass wir eine Partei wie die Grünen im Parlament haben. Laut IPCC-Report (Bericht des Weltklimarats) sind die nächsten elf Jahre entscheidend und eine Zeit, in der man verbindliche Ziele und Gesetze implementieren kann, um das Ruder herumzureißen. Dazu kommt, dass der Moralkompass, an dem die grüne Partei ausgerichtet ist, eine große Schnittmenge zu meinem eigenen aufweist. Vor allem bei den Themen Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit. Deshalb habe ich mich bereiterklärt, die Grünen zu unterstützen.

Gab es auch kritische Stimmen gegen deine Kandidatur? Vielleicht sogar aus deinem persönlichen Umfeld? Wovor hat man dich gewarnt?
Aus meinem privaten Umfeld gab es kaum kritische Stimmen aber mit Augenrollen oder gehässigen Medienberichten und Kommentaren musste ich mich schon herumschlagen. Einige Medien, gerade jene aus der Boulevardecke, kramten uralte YouTube-Videos von mir aus, in denen ich mich schminkte. Die wollen nur meine „klassische“ Blogger-Vergangenheit zeigen und stellen mich als reine Lifestyle-Bloggerin dar, die nur an Oberflächlichkeit interessiert ist. Das Absurde: Ich habe nur drei Jahre konventionell gebloggt und doppelt so lange blogge ich nicht konventionell. Ich spreche seit 2013 über Nachhaltigkeit und das Thema ist mit der Zeit immer spitzer geworden. Aber diese drei Jahre des klassischen Bloggens hängen mir immer noch nach. Behauptet wurde auch, dass ich ja keinen richtigen Job hätte und nur deshalb kandidiere, weil ich Abgeordnetengehalt absahnen möchte. Und das, obwohl ich immer kommuniziert habe, dass ich nicht für ein Mandat oder eine Vorzugsstimme kandidiere.

Durch meinen Job war ich im Internet schon viel Hass ausgesetzt. Prinzipiell erfahre ich zwar mehr Liebe und Zustimmung im Internet aber ich bin ein sehr sensibler, emotionaler Mensch und diese Anfeindungen gehen mir nahe. Viele Menschen haben mir gesagt, dass das politische Pflaster noch härter ist. Und wenn ich mir die „Krone“-Kommentare so durchlese, da wird einem ja alles mögliche vorgeworfen. Generell haben Politikerinnen und Politiker ein schlechtes Image und sicher habe ich ein bisschen Angst und auch Zweifel, ob ich für dieses politische Parkett überhaupt geschaffen bin. Aber ich denke mir, gerade wenn man sensibel und emotional ist, sollte man in die Politik gehen. Und ich muss sagen, ich hatte auch Angst davor, wie meine Community auf diesen Schritt reagiert. Denn das, was ich mache, hat ja immer auch ein Stück weit davon gelebt, dass ich nicht parteizugehörig bin.

Wird man dann quasi einen Wahlkampf von dir Erwarten können? Wie sehen deine Pläne in diese Richtung aus?
Ich habe von den Grünen keine Agenda bekommen. Ich bin und bleibe sehr frei in dem, was ich mache und werde intuitiv entscheiden, wie, wann und was ich mit meiner Community teile. Ich muss auch darauf Rücksicht nehmen, schließlich ist mein Instagram-Kanal kein Grünen-Kanal. Im Laufe des Wahlkampfes werde ich mir also anschauen, ob sich meine Community mehr oder weniger Wahlkampf-Themen wünscht. Aber grundsätzlich wird sich an meinen Inhalten nicht viel ändern.

»Es muss nicht immer dieser Schwarz/Weiß-Zugang zu Politik sein«

Kannst du dir eine Karriere in der Politik vorstellen?
Es ist kein Geheimnis, dass ich demgegenüber offen bin aber ich weiß noch nicht, wie es in der Realität aussieht. Ich nutze diese Kandidatur jetzt einmal dazu, in die politische Sphäre reinzuschnuppern und zu sehen, ob ich mich dort wohlfühle und wie die Menschen darauf reagieren. Bei einer Frauenveranstaltung in Berlin mit Katarina Barley zum Thema Frauen in der Politik hatte ich einen inspirierenden Moment während der Podiumsdiskussion. Eine Diskussionsteilnehmerin meinte, dass wir Frauen uns immer Veränderung wünschen, über Quoten reden und Gender – aber welche Frauen gehen denn dann wirklich in die Politik? Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich mir denke, nur Wählen ist nicht genug Partizipation. Bestärkt hat mich auch die Reaktion von anderen Frauen aus anderen Parteien, die mir zu meiner Kandidatur gratulierten. Ich wünsche mir eine Politik der Bündnisse, bei der Frauen sich gegenseitig über die Parteigrenzen hinweg bestärken. Es dient ja der Demokratie, wenn möglichst viele Parteien die Gesamtgesellschaft repräsentieren und gut zusammenarbeiten.

Stichwort Verantwortung als Influencerin: Ist es dir auch ein Anliegen, andere Frauen für Politik zu begeistern?
Ich habe diese Haltung die letzten Jahre ohnehin verkörpert. Es muss nicht immer dieser Schwarz/Weiß-Zugang zu Politik sein: Ich versuche, die beiden Welten zu vereinen und die politisch Aktiven genau so anzusprechen wie Lifestyle-Interessierte. Aber diese Diskussion, ob man als Influencerin oder Influencer jetzt politisch sein darf oder kann, ist meiner Meinung nach irrelevant. Denn egal, ob jemand Schminkvideos dreht oder politisch auf Twitter schreibt: Durch diese Diskussion werden strukturelle Probleme nicht bearbeitet. Das ist ähnlich wie bei Feminismus. Politik ist überall, auch zwischen Lifestyle-Inhalten. Das eine schließt das andere nicht aus.

Kann man Menschen über Instagram und Social Media überhaupt für eine Wahl mobilisieren?
Absolut. Ich habe es bei der EU-Wahl gesehen. Das wurde von der EU-Kommission groß lanciert und etliche Influencerinnen und Influencer haben aus Eigeninitiative Wahlbeteiligung promotet. Die Wahlbeteiligung bei den Jungen hat bei dieser Wahl gezeigt, dass es definitiv ein Social Media-Wahlkampf war. Auch das Rezo-Video hat gezeigt, wie politisch interessiert die Jungen sind. Es ist eine Frage der Aufbereitung: Politik ist überall und leider wird genau das oft belächelt. Vorurteile, von wegen, „Es ist so schlimm, was die Jungen auf Instagram machen“ - Es scheint, als fände die Verbindung zwischen den Generationen vermehrt über Empörung statt, auch auf Twitter. Dabei sollte man sich ansehen, welche Inhalte es gibt, wie die Jungen sie konsumieren und wie man sie schmackhaft servieren kann. Eine Userin von mir hat zum Beispiel die Petition zur Freilassung von Carola Rackete gestartet, die ich dann auch geteilt habe. Am Ende hatte die Petition 466.000 Unterschriften . Identitäre, FPÖ, AfD und all die anderen nutzen Social Media doch auch für ihre Zwecke und sind damit leider gefährlich erfolgreich. Wir sollten Social Media deshalb auch gut nutzen – aber nicht für Fake News, Hetze oder Angstmache, sondern für sinnvolle Inhalte. Eine falsche Nachricht ist so schnell verbreitet und kann so viel Schaden anrichten. Dem muss man etwas entgegensetzen.

»Es fehlt die Popkultur in der Politik«

Mit 3,8 Prozent der Stimmen gingen die Grünen 2017 als Verlierer und ohne Mandat aus der Wahl hervor, innerparteilich waren sie mehr als zerrüttet, sie trennten sich von den Jungen Grünen, Peter Pilz verließ die Partei und gründete seine eigene Liste, mit der er in den Nationalrat einzog... Was ist deiner Meinung nach das Hauptproblem der Grünen, derzeit? Was müsste sich grundlegend ändern?
Ich glaube das Problem, dass es gab, dass es aber jetzt nicht mehr gibt, war definitiv die inhaltliche Ausrichtung der Partei. Die wurde nicht ordentlich kommuniziert. Das Thema der letzten Wahl, das die Menschen bewegt hat, war das Thema Migration und das wurde ganz einfach nicht ausreichend abgedeckt. Und die eigentlichen Kernthemen der Grünen, die auch Jahrzehnte lang ihre Kernthemen waren, sind heute so aktuell wie nie: Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit. Ich sehe das so, dass die neuen Grünen eine bunte Truppe sind: Viele Quereinsteigerinnen, viele kompetente Frauen aus verschiedenen Fachbereichen. Die Jüngste, Mirjam Kayer aus Pinkafeld, ist 23 Jahre alt. Und Pinkafeld ist ein Ort, in dem der Großteil Hofer gewählt hat. Da, wo alte Parteien sich spießen, nämlich an ihrem alten Apparatus, denken die Grünen neu.

Es fehlt die Popkultur in der Politik: Fridays for Future oder die früheren Bewegungen, die haben alle von Popkultur gelebt. Das eine schließt das andere nicht aus. Man kann politische Inhalte auch mit Begeisterung präsentieren und das ist eigentlich das schönste, was einer Demokratie überhaupt passieren kann. Was man anhand ihrer Wählerschaft sieht, nämlich, dass die Grünen die jungen Menschen abholen, zeigt, wohin die Reise gehen kann. In Deutschland haben sich die Grünen mittlerweile zu einer Volkspartei gemausert – mal schauen, ob wir das in Österreich auch schaffen.

Kommentare

Jetzt hat mir als die FPÖ erklärt, dass Norbert von Handel für den Adel zuständig ist. Und die GRUENEN DariaDaria für das Bloggen. Pamela Rendi-Wagner von der SPÖ für die Armutsbekämpfung. Und ich frage mich nur noch: Und welche Aufgabe bleibt dann eigentlich für die Obdachlosen in der Politik und Liberalen Boten (http://jachwe.com)

Jetzt hat mir als die FPÖ erklärt, dass Norbert von Handel für den Adel zuständig ist. Und DariaDaria für das Bloggen. Die SPÖ für die Armutsbekämpfung. Und ich frage mich nur noch: Und welche Aufgabe bleibr sann für den Liberalen Boten (http://jachwe.com)

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Roland Mösl

Die Grünen haben mit ständigen "Sparen Einschränken Verzichten" Predigten nur Stimmung gegen den Klimaschutz gemacht und dadurch den destruktiven Kult der Klimawandelleugner verursacht.
Echter Klimaschutz bedeutet hingegen Investitionslawine, Innovationslawine, Wirtschaftsboom https://Boom.PEGE.org/

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