Interview von

Heino: "Ich habe
nie gelogen"

Interview - Heino: "Ich habe
nie gelogen" © Bild: APA/dpa/Daniel Reinhardt

Heino sagt (leise) Tschüss. In Linz wird der Schlagerstar sein letztes großes Konzert geben. Danach bleibt mehr Zeit für seine Frau Hannelore. News sprach mit dem Ehepaar ganz offen über die Karriere, den Mann hinter der Sonnenbrille und Abschied.

Heino ist Kult. Die blonden Haare, die Sonnenbrille - von denen er übrigens 20 bis 25 hat - und die unverwechselbare Bariton-Stimme. Es ist auch diese Stimme, die den ganzen Raum erfüllt, als Heino, gemeinsam mit seiner Ehefrau Hannelore, vor die Mikros tritt - zur Pressekonferenz in Linz.

Der erfolgreiche Schlager- und Volksmusikstar, der mit bürgerlichem Namen Heinz Georg Kramm heißt, wird in der oberösterreichischen Landeshauptstadt sein letztes großes Konzert geben. In der TipsArena und, wie Hannelore stolz betont, "am österreichischen Nationalfeiertag!", dem 26. Oktober. Später will er dann nur noch im kleinen Rahmen sein Können unter Beweis stellen, zum Beispiel bei Benefiz-Veranstaltungen oder Betriebsfeiern.

»Wenn schon ein Abschiedskonzert, dann auf jeden Fall in Österreich«

Linz sei die Idee seiner Ehefrau gewesen, so Heino. "Sie sagte, wenn schon ein Abschiedskonzert, dann auf jeden Fall in Österreich. Und warum nicht gleich in Linz. Immerhin ist Hannelore gebürtige Linzerin."

© APA/FOTOKERSCHI.AT /WERNER KERSCHBAUMMAYR Heino kündigt "Und Tschüss"-Konzert in Linz an

Ob es denn tatsächlich sein letztes Konzert sein wird, fragten die anwesenden Journalisten. "So jemand wie ich, der seit über 60 Jahre im Business ist, der kann nicht von heute auf morgen aufhören. Ich stecke ja auch noch voller Energie. Aber es wird mein letzter Auftritt auf einer großen Bühne sein."

Heinos Publikum

Der Erfolg spricht in jedem Fall für den 80-Jährigen: 50 Millionen verkaufte Platten, unzählige Auszeichnungen, jahrelange Bühnenerfahrung. Auch in Linz will er sein Publikum mit Klassikern wie "Blau blüht der Enzian", Caramba, Caracho", "Die schwarze Barbara" oder "Schwarzbraun ist die Haselnuss", aber auch neuen Hits überzeugen. Ein Publikum das, wie Heino sagt, "um 40 Jahre jünger geworden ist". Seit er vor einigen Jahren sein "Rock-Album" veröffentlicht hat, "ist das Publikum viel durchmischter. Von Alt bis jung, von Punk bis Schlager."

News sprach mit Heino und seiner Frau Hannelore über die Karriere, den Mann hinter der Sonnenbrille und Abschied.

News: Ihr aktuelles Album trägt den Titel "...Und Tschüss". Das klingt so locker dahergesagt. Fällt Ihnen der Abschied denn auch so leicht?
Heino: Ich habe immer sehr diszipliniert gelebt. Während Kollegen von damals schon gar nicht mehr sind, mache ich noch Musik. Natürlich müsste ich nicht mehr singen. Wer nach 60 Jahren noch singen muss, der hat in seiner Karriere irgendetwas falsch gemacht. Ich habe immer gesagt, solange der liebe Gott mir meine Stimme lässt, solange singe ich auch noch.
Wenn ich mir aber überlege, das mit dem Abschied auch das Alter verbunden ist, dann macht das schon etwas mit einem. Das erste Album, an dem wir ein Jahr gearbeitet haben, jetzt das letzte Album - eine Zeitspanne von 60 Jahren. Auf der einen Seite macht mich das traurig, auf der anderen Seite aber auch froh. Ich habe die 80 erreicht, ohne Komplikationen; man muss es nehmen wie es ist.

Sie haben in der Pressekonferenz auch betont, wie wichtig das hier und jetzt ist, denn, "es könnte ja auch heute oder morgen schon zu Ende sein". Ich habe gelesen, dass Sie sich auch bereits Gedanken gemacht haben, wie sie beerdigt werden wollen, in Bad Münstereifel und mit Sonnenbrille. Haben Sie eigentlich Angst vor dem Tod?
Heino: Das hat die Hannelore alles schon geplant.
Hannelore: Ich weiß überhaupt nichts. Mit Sonnenbrille?!
Heino: Doch, doch. Ob jetzt mit oder ohne Sonnenbrille…

»Ich hätte nur Angst, weil die Hannelore dann alleine wäre«

Macht Ihnen der Tod Angst?
Heino: Angst habe ich nicht. Ich hätte nur Angst, weil die Hannelore dann alleine wäre…
Hannelore: ...Ich geh doch sowieso vor Dir.
Heino: Es will ja keiner gehen. Aber es ist der Lauf des Lebens und der liebe Gott wird’s schon richten.

Was glauben Sie, was kommt danach? Werden sie sich dann wiedersehen?
Heino: Die Hannelore glaubt daran.

Sie glauben also an ein Leben nach dem Tod?
Hannelore: Ich hatte einen schweren Autounfall vor mehr als 40 Jahren, damals waren Heino und ich noch nicht verheiratet und da habe ich etwas gesehen. Ein riesiges, dunkles Loch und auf der anderen Seite war etwas Helles. Da wollte ich dann hin. Ich bin auf einem Boot hingezogen worden, war schon fast drüben, habe lauter Freunde dort gesehen und mit einem Mal wurde ich wieder zurückgezogen. Ich war direkt unglücklich, als ich aufgewacht bin. Dass ich da nicht angekommen bin.

Klingt das nicht beruhigend, Heino?
Heino: Auf der einen Seite ja..
Hannelore: ...Wir sehen uns auch wieder!
Heino: Aber ich mach mir darüber noch keinen Kopf.

»Es war ein Schlag in mein Herz«

Sie haben gemeinsam auch sehr schwierige Zeiten durchgemacht. Heino, ihre Tochter hat sich 2003 das Leben genommen. Wie geht man mit solch einer Trauer um, was macht das macht das mit einem Paar?
Heino: Meine Tochter ist nicht bei uns groß geworden. Auch wenn wir das gern gehabt hätten, sie ist bei ihrer Mutter und ihrer Großmutter aufgewachsen. In den letzten zwei Jahren, in denen wir auch wirklich guten Kontakt hatten, wollte sie aber auch nicht bei uns leben. Sie hat dann Suizid begangen.
Hannelore: Wir hatten sehr lange Gespräche mit ihr und hätten uns gewünscht, dass sie zu uns zieht. Wir wollten sie dann damals auch auf eine Schiffsreise mitnehmen…
Heino: ...Es ging ihr nicht gut und ich hatte mit den Ärzten gesprochen, ob sie mit auf diese Reise könne. Der Professor riet mir aber davon ab. So ist sie Zuhause geblieben und hat sich dann das Leben genommen, als wir unterwegs waren.
Das war natürlich ein Schlag in mein Herz. Mein Vater ist 1941 im Krieg gefallen, ihn kannte ich nicht. Meine Mutter ist 1986 gestorben, da habe ich schon sehr darunter gelitten. Aber als meine Tochter gestorben ist, obwohl wir nie engen Kontakt hatten, ist mir ihr Tod noch näher gegangen als der meiner Mutter. Das war schon heavy.

© Hermes/News Hannelore und Heino, ein unzertrennliches Paar

Sie beide sind nun schon über 40 Jahre verheiratet, sind eng miteinander verbunden, trennen Berufliches und Privates nicht. Ist das der Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung?
Hannelore: Ja, wahrscheinlich. Es fliegen aber auch schon mal die Fetzen…
Heino (lacht): Die Hannelore geht mir schon mal auf die Nerven, aber ich ihr nicht.
Hannelore: Erinnere dich! Ein einziges Mal. Wir hatten uns wegen einer Kleinigkeit gestritten, ich weiß schon gar nicht mehr, um was es ging. Auf jeden Fall habe ich so eine Wut gekriegt, bin auf den Balkon gegangen, habe einen kleinen Läufer genommen, den zusammengerollt und wollte ihn Dir auf den Kopf schmeißen. Leider hat‘s dich nicht erwischt (lacht).
Heino: Die Hannelore ist ja auch ein musischer Mensch. Sie hat bereits vor meiner Zeit erfolgreich gesungen. Darum verstehen wir uns. Als wir uns das erste Mal in Kitzbühel gesehen haben, wussten wir, dass wir zusammenbleiben werden. Wir wollten auch anfangs Kinder haben. Das war die Idee…
Hannelore: Ich hatte schon zwei Kinderzimmer eingerichtet…

Aber wieso haben Sie keine gemeinsamen Kinder?
Heino: Ich hatte ja schon zwei Kinder und dann haben wir aber gesagt, wenn jetzt noch ein Kind kommt, musst du zu Hause bleiben und ich bin alleine unterwegs. Und das wollten wir nicht.

Haben Sie diese Entscheidung je bereut?
Hannelore: Ein wenig schon.
Heino: Im Nachhinein vielleicht schon.
Hannelore: Wenn ich jetzt die Kinder sehe…Oder der Kleine, dessen Taufpatin ich bin…
Heino (lacht): ...Kleiner? Der wird jetzt auch schon 40, Hannelore!
Hannelore: Nein, nicht der! Ich bin doch auch woanders Taufpatin. Und wenn man da die Fotos sieht oder mitbekommt, wie er anfängt zu laufen - Das macht schon traurig. Wenn von einem gar nichts übrigbleibt.
Heino: Ja. Aber das Kind mit in das Musikbusiness nehmen, das wäre nicht so mein Ding gewesen. Wir vermissen aber nichts.

»Ich habe in meinem Leben nie gelogen«

Sie haben einmal gesagt „Volksmusik hat mich zu dem gemacht, was ich bin“. Ist Heino eigentlich ein und dieselbe Person wie Heinz Georg Kramm?
Heino: Ich glaube schon. Denn ich könnte mich nie verstellen und ich verstelle mich auch nicht. Auch wenn ich jetzt zurückblicke. Interviews beispielsweise von damals sind fast identisch mit Interviews, die ich heute führe. Ich habe in meinem Leben nie gelogen und deswegen bin ich heute noch authentisch und muss nicht, um Erfolg zu haben, irgendetwas vorgaukeln, was nicht ist. Das habe ich nie gemacht.

Authentisch, ehrlich sein – Sie haben sich vor wenigen Monaten in einem Interview klar Stellung bezogen zur AfD. Sie sagten, wenn Sie Politiker wären, würden Sie die Partei verbieten. Welche Rolle nehmen Künstler in gesellschaftspolitischen Diskussionen ein?
Heino: Mein ganzes Team waren Akademiker und die haben mir in jungen Jahren schon gesagt, wenn du Sänger bist, darfst du dich nie politisch beteiligen. Das habe ich auch nicht gemacht. Ich wollte singen. Ich wollte nichts anderes machen. Ich habe mich entschlossen, Volkslieder zu singen. Und dann kamen schon die Fragen: Einer der Volkslieder singt, der Schäferhunde züchtet, blaue Augen hat, der muss ein Rechter sein. Mich hat das einfach nicht interessiert. Ich wusste damals weder was ein Rechter, noch was ein Linker war. Ich habe mich nie politisch geäußert. Das habe ich von meinen Lehrherren, die mich sehr gut vorbereitet haben auf diesen Job.

»Bin der unpolitischste Mensch unter Gottes Sonne«

2014 haben Sie sich aber geäußert...
Heino: Vor einigen Jahren hat ein Sänger mich in einem Interview als Nazi bezeichnet. Den habe ich dann verklagt. Das Geld, das er mir dann zahlen musste, habe ich an zwei Behindertenwerkstätten weitergeleitet.
Aber wenn sich die Leute aufregen, oder Zuschreibungen tätigen, das stört mich nicht. Das beachte ich nicht. Ich glaube, ich bin der unpolitischste Mensch unter Gottes Sonne.

Das Heino Album "...und Tschüss" gibt es hier*

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Kommentare

Josef Krautzberger

Ein ganz Großer nimmt Abschied.
Danke, lieber Heino, für alle deine schönen Lieder,
die uns (besonders mir) viel Freude bereiteten."

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