Internet "mehr als nur vierte Mediensäule":
"Zeit"-Onlinechef Blau bei Rundfunkforum

"Neue Medien nicht durch Brille der alten sehen!" Sieht Tageszeitungen als Magazine von morgen

Internet "mehr als nur vierte Mediensäule":
"Zeit"-Onlinechef Blau bei Rundfunkforum © Bild: Reuters

Das Internet ist für "herkömmliche" Medienhäuser ein schwer berechenbarer und daher bedrohlicher Konkurrent, findet Wolfgang Blau, Chefredakteur der Onlineausgabe der deutschen Wochenzeitung "Zeit". Es sei "mehr als nur die vierte Mediensäule", es eröffne den traditionellen Medienmachern vielmehr ungekannte Möglichkeiten, so Blau bei einem Vortrag im Rahmen des vierten Österreichischen Rundfunkforums.

Es gelte, die Zeichen der Zeit zu erkennen, und nicht den Fehler zu machen, "die neuen Medien durch die Brille der alten zu sehen", warnte Blau. Er ortet in den traditionellen Medienhäusern Mentalitätsfallen, wie etwa, die "Offline-Sichtweise eins zu eins auf das Netz zu übertragen". Medienmacher und Regulatoren, dürften nicht versuchen, ein Phänomen, das nicht mehr aufzuhalten ist, bremsen oder regulieren zu wollen. Man müsse das Internet vielmehr zunehmend als das "Betriebssystem unserer Wirtschaft und Demokratie" betrachten und es als solches nutzen.

Wochenzeitungen von morgen
Die heutigen Tageszeitungen hält Blau für Wochenzeitungen von morgen. "Blätter, die versuchen, mit dem Internet in punkto Aktualität in Konkurrenz zu treten, werden es schwer haben", meinte der Online-Chefredakteur. Aufgabe von Tageszeitungen in der Zukunft sei, Hintergründe und Analysen zu den Nachrichten zu liefern. Das Radio befinde sich "im Moment noch in einer Art Schonzeit". Das Radio werde vor allem im Auto genutzt. Hier sei das Internet noch nicht präsent - Radiomacher müssten sich aber darauf einstellen, dass das Internet auch seinen Weg ins Auto finden werde. Noch in den Kinderschuhen sieht Blau die Online-Videos, weil sie noch nicht interaktiv sind. "Onlinevideos sind der Nachbau der eichernen Fernsehschrankwand im Internet und werden nicht viel Zukunft haben", glaubt der "Zeit"-Onlinechef.

(apa/red)