"Interesse der Jungen am Fußball wecken": ÖFB-Boss Stickler hofft auf positive Impulse

Dämpfer: Nach EURO 2008 droht rigoroser Sparkurs Streitfall Pogatetz: "Glaube nicht, dass er allein war"

"Interesse der Jungen am Fußball wecken": ÖFB-Boss Stickler hofft auf positive Impulse

500 Tage vor Beginn der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz hat ÖFB-Präsident Friedrich Stickler eine positive Zwischenbilanz gezogen, was die aktuelle Situation im organisatorischen Bereich betrifft. In sportlichen Belangen hofft der Lotterien-Boss auf eine Steigerung und auf den Rückhalt der Fans.

APA: Liegt der ÖFB mit seinen EURO-Vorbereitungen im Zeitplan?

Stickler: "Fast alles läuft so, wie wir es uns wünschen. Nur bei einigen PR-Projekten ist die Finanzierung noch nicht gesichert, weil ein Regierungsbeschluss noch aussteht. Insgesamt sind wir aber derzeit viel weiter als es je ein EM-Veranstalter zu diesem Zeitpunkt war."

APA: Was erwarten Sie von der EURO in organisatorischer Hinsicht?

Stickler: "Ich wünsche mir, dass Österreich in der Welt als das erlebt wird, was es ist: Als gastfreundliches, schönes Land. Wir wollen mit dem Nationalteam ins Viertelfinale. Die Stimmung darf aber nicht davon abhängen, wie weit unser Nationalteam kommt. Natürlich kann man das nicht völlig entkoppeln, aber es muss klar sein, dass wir Gastgeber sind."

APA: Welche Auswirkungen könnte die Heim-EM auf den österreichischen Fußball haben?

Stickler: "Die Nationalmannschaft kann sich neu präsentieren. Abgesehen vom Team wollen wir die EURO auch dazu verwenden, um das Interesse von noch mehr Buben und Mädchen für den Fußball zu wecken. Ich erwarte auch positive Impulse für die Bundesliga, denn wenn die Infrastruktur verbessert wird, ist das ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg der Liga."

APA: Die Gefahr eines Misserfolgs sehen Sie nicht?

Stickler: "Das ist so eine große Chance, da will ich mir erst gar keine Gedanken über ein Scheitern machen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Anhänger unsere Mannschaft auf ihrem Weg positiv begleiten. Die Fans können unglaublich helfen, indem sie hinter dem Team stehen, bei aller Berechtigung zur Kritik."

APA: Waren Sie von der scharfen Kritik von Fans und Medien nach zunächst schlechten Leistungen im Jahr 2006 überrascht?

Stickler: "Ich habe sie in dieser Vehemenz nicht verstanden, weil für mich klar war, dass ein radikaler Umbau nicht reibungslos abläuft. Ich weiß, das Geschäft ist erbarmungslos, aber ich würde mir wünschen, dass es im Fußball etwas mehr Konstanz gibt und alles etwas entkrampfter abläuft."

APA: Wie wird es mit dem österreichischen Fußball nach der EURO weitergehen?

Stickler: "Mir ist völlig bewusst: Nach der EM ist vor der WM. Natürlich hört der österreichische Fußball nach der EURO nicht auf. Wir wollen versuchen, den österreichischen Weg weiterzuverfolgen. Wir haben momentan eines der besten Nachwuchskonzepte Europas. Aber das Challenge Projekt ist ein großes und aufwändiges, es könnte sein,
dass es vielleicht auf nicht so hohem Niveau weitergeführt wird."

APA: Wird es nach der EURO auch zu Reduzierungen im ÖFB-Trainerbereich kommen?

Stickler: "Der Trainerstab wird in dieser Form glaube ich nicht aufrecht zu erhalten sein. Es wird eine Redimensionierung geben."

APA: Wie ist es um die finanzielle Situation des ÖFB bestellt?

Stickler: "Die EURO-Vorbereitung etwa mit den Trainingslagern kostet viel Geld. In den nächsten zwei Jahren werden wir uns sehr anstrengen müssen, um ausgeglichen zu bilanzieren, aber dieses Ereignis rechtfertigt auch höhere Ausgaben. Doch zusätzliche Sponsor könnten wir derzeit gar nicht mehr aufnehmen, bis 2008 sind alle unsere Pakete ausgebucht. Es gibt aber auch einige Verträge, die über 2008 hinaus laufen."

APA: Im Rahmen der WM in Deutschland haben Sie angekündigt, die Vereine darauf zu drängen, mehr Österreicher einzusetzen. Waren Sie mit Ihrem Ansinnen erfolgreich?

Stickler: "Außer über den Österreicher-Topf und die Red-Zac-Regelung gibt es keine Möglichkeit, die Vereine dazu zu animieren, mehr
Österreicher spielen zu lassen. Aber so schrecklich es klingt, durch die finanzielle Situation der Grazer Klubs werden dort wieder mehr heimische Spieler zum Einsatz kommen. Und auch Austria-Generalmanager Parits hat ja angekündigt, dass er den österreichischen Weg weitergehen will."

APA: Wie sehen Sie mit etwas zeitlichem Abstand die "Causa Pogatetz"?

Stickler: "Ich glaube nach wie vor, dass Pogatetz nicht allein war. Es gibt sicher Gruppierungen im Land, die mit der Entscheidung, Hickersberger zum Teamchef zu machen, nicht einverstanden waren. Innerhalb des ÖFB sehe ich diese Gruppierungen aber nicht. Der Zusammenhalt der Landespräsidenten in dieser schwierigen Phase hat mich sehr bewegt."

(apa/red)