Inter feiert und bangt um Jose Mourinho: Bayern München träumt von großer Zukunft

Erster Champions-League-Sieg Inters seit 45 Jahren<br>Mourinho könnte Spieler zu Real Madrid mitnehmen Van Gaal: "Haben Bayern sympathisch gemacht"

Inter feiert und bangt um Jose Mourinho: Bayern München träumt von großer Zukunft © Bild: Reuters

Mit dem 2:0-Finalsieg über Bayern München hat sich Inter Mailand in Madrid zum ersten Mal seit 45 Jahren die Krone im europäischen Club-Fußball aufgesetzt. Aber im Freudentaumel des Champions-League-Triumphs fürchten die Inter-Fans um die Zukunft des Teams, das durch den Doppelpack des argentinischen Stürmers Diego Milito als erste italienische Truppe das Triple aus Scudetto, Cupsieg und CL eroberte. In München regierte hingegen trotz der ersten Enttäuschung auch Zuversicht: "Die Mannschaft hat eine große Zukunft vor sich", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Befeuert werden die Ängste der Inter-Fans in erster Linie vom Abgang von Trainer Jose Mourinho. Der Portugiese, der als erst dritter Coach nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld mit zwei Vereinen (FC Porto, Inter) die Champions League gewinnen konnte, tendiert zu einem Wechsel zu Real Madrid und blieb für Gespräche mit dessen Präsident Florentino Perez nach dem Endspiel auch in der spanischen Hauptstadt. Mourinho, extrem ehrgeiziger Meister der Selbstinszenierung, hat ein Ziel, das sich mit Inter nicht realisieren lässt: "Ich will der Erste sein, der die Champions League mit drei Clubs gewinnt", sagte der 47-Jährige.

Möglich gemacht hat den ersten Triumph seit 1965 nicht zuletzt Inter-Präsident Massimo Moratti, der den Pokal noch vor allen anderen in die Hände gedrückt bekam. Der Öl-Tycoon hatte seit 1995 rund 850 Millionen Euro in neue Spieler investiert, um diesen Moment erleben zu dürfen.

Mourinho letztes fehlendes Puzzleteil
Aber erst Mourinho formte aus traditionell exklusiven Einzelkönnern bei Inter Europas bestes Team. Und seine Spieler vergöttern ihn. Nach dem Sieg gegen den FC Bayern ging nicht etwa er zu ihnen, um sie zu umarmen. Die meisten liefen von ganz allein auf ihn zu. "Es ist nicht das Geld, das Siege bringt, sondern die Haltung, die Mentalität, und der Zusammenhalt. Das habe ich zu Inter gebracht", sagte der Portugiese. Nun will Real Madrid davon profitieren, nach spanischen Medienberichten soll Mourinho bei seinem Vier-Jahres-Kontrakt 10 Millionen netto jährlich kassieren.

Doch nicht nur der Abgang Mourinhos könnte Inter schwächen, befürchtet wird auch, dass der scheidende Trainer Inter-Spieler nach Spanien lotsen könnte. Spanische Medien sehen Starstürmer Milito und den Brasilianer Maicon bereits beim "Weißen Ballett". Selbst Spielmacher Wesley Sneijder kann sich eine Rückkehr zu den "Königlichen" offenbar vorstellen. "Inter wird mich nicht gehen lassen. Es ist noch zu früh, zurückzukehren", sagte der Niederländer.

Bayern blicken in die Zukunft
In München wurde indes trotz einer etwas farblosen Final-Vorstellung eine glorreiche Zukunft beschworen. Präsident Uli Hoeneß war "natürlich enttäuscht und traurig", aber er sagte auch: "Unsere Mannschaft hat eine große Zukunft vor sich, weil sie so viele junge Spieler hat." Zu diesen zählt auch der junge Österreicher David Alaba, der sich seinen Platz freilich erst erkämpfen muss.

Als weiteres Aufbruchs-Signal kann zudem die Vertragsverlängerung mit Franck Ribery gewertet werden, der den Deutschen im Finale wegen einer Sperre so schmerzlich fehlte, aber weitere fünf Jahre an der Isar bleibt.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erinnerte beim Bankett an das tränenreiche Finale von Barcelona, dem zwei Jahre später der große Triumph folgte. "Lasst es uns so machen wie 1999. Die Spieler lagen damals auf der Erde, waren verzweifelt. Sie sind dann eigentlich sofort nach dem Urlaub wieder aufgestanden und haben von Neuem angefangen." Spätestens 2012 soll es so weit sein, da steigt das Endspiel in der Königsklasse in der Münchner Allianz-Arena.

Die deutschen Medien kürten den einstigen "FC Hollywood" gar zu den "Gewinnern der Herzen", und Trainer Louis van Gaal, der sich im Duell mit seinem ehemaligen Assistenten Mourinho geschlagen geben musste, betonte, man habe auch ohne den Titel etwas erreicht: "Wir haben Bayern München sympathisch gemacht."

(apa/red)