Insolvenzen von

Privatpleiten positives Signal?

Trotz Krise: Immer weniger Unternehmen melden Konkurs an

Insolvenzen - Privatpleiten positives Signal? © Bild: Corbis

Wer hätte das gedacht? Trotz Wirtschaftskrise gibt es 2011 sowohl bei den Privat- als auch den Firmenkunden eine positive Entwicklung. Über 3.255 Unternehmen wurden Insolvenzverfahren eröffnet, ein Minus von fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kurioserweise ist auch der Anstieg bei den Privatpleiten ein positives Signal.

Die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren sanken um ca. 9 Prozent. Zusammen ergibt das 5.856 Pleitefirmen bzw. einen Rückgang von 8 Prozent, teilte der KSV1870 am Dienstag vor Journalisten mit. Der Kreditschutzverband ist auch für 2012 optimistisch, eine Kreditklemme habe es heuer nicht gegeben und werde auch für das kommende Jahr nicht erwartet.

Eine erfreuliche Entwicklung gibt es ebenfalls bei den Privatinsolvenzen, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so wirkt. Die Zahl der eröffneten Verfahren steigt heuer um 6,2 Prozent auf 9.590. Pro Gerichtstag entspricht dies 36 Personen, die eine Schuldenregulierung anstreben. Dass eine steigende Zahl positiv ist, liegt daran, dass nur jene Personen einen Privatkonkurs anstreben können, die über ein geregeltes Einkommen verfügen und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie die vereinbarte Rückzahlungsquote auch bedienen können.

Insgesamt sind in Österreich nach Einschätzung des KSV 100.000 bis 150.000 Personen pleite. Rund 2,8 Millionen Einwohner haben einen Kredit laufen, 0,4 Prozent davon können nicht bedient werden.

Handyfalle spielt keine Rolle
Die viel zitierte Handyfalle spielt bei den Privatinsolvenzen kaum eine Rolle. Wenn es zur Insolvenz kommt, dann sind die Hauptgläubiger mit ca. 82 Prozent der Forderungen Kreditinstitute und Leasinggesellschaften. Andere Gläubiger - Versandhandel, Telekommunikation, Miete etc - spielen eine untergeordnete Rolle", so Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV).

Überraschend ist, dass trotz der Wirtschaftskrise die Zahl der von einer Firmenpleite betroffenen Beschäftigten um 14 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Trotzdem mussten sich rund 20.600 Mitarbeiter mit der Pleite ihres Arbeitgebers herumschlagen.

Schuldensumme sinkt
124.000 betragen die durchschnittlichen Schulden in einem privaten Regulierungsverfahren. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 9 Prozent gegenüber 2010, wobei sowohl die Schulden der Privaten leicht rückläufig sind, als auch die der ehemals Selbstständigen. Die höchsten Schulden hatten Pleitiers in Niederösterreich und dem Burgenland, wogegen in Wien mit knapp über 100.000 Euro die Durchschnittsschulden am niedrigsten waren.