Inseraten-Bann der Bahn über vier Tages- zeitungen: Kritik an ÖBB-Chef Martin Huber

PR-Experten sehen ein "klassisches Eigentor"

Als wenig zielführend haben PR-Experten den Anzeigenboykott der ÖBB gegen vier heimische Tageszeitungen bezeichnet. "Aus PR-Sicht war das in jedem Fall ein klassisches Eigentor", so Peter Hörschinger, Geschäftsführer von ikp Wien. Das Beispiel zeige deutlich, "wie wichtig es für Unternehmen ist, dass CEOs auch ein entsprechendes Kommunikationsverständnis haben".

Das Unternehmen ÖBB sei "deutlich besser als seine Kommunikation", so Hörschinger im Online-"Standard".

Ähnlich auch PR-Berater Dietmar Ecker, Geschäftsführer von Ecker & Partner: Die Vorgangsweise sei letztendlich "schädlich". "Die Journalisten fühlen sich unter Druck gesetzt und das provoziert in der Regel keine besseren Berichtserstattungen", hatte Ecker Donnerstagabend in der "Zeit im Bild 2" gesagt. Manager seien aus dem Wirtschaftsleben gewohnt, "Entscheidungen mit Druckmitteln durchzusetzen". In dieser Form funktioniere das in Medienbeziehungen aber nicht.

Es gebe "natürlich auch auf Journalistenseite Fehlleistungen". Der erste Weg sei jedoch "das Gespräch, die Konfrontation mit der Fehlleistung, das Ersuchen um Korrektur". In der Regel kämen die Medien dieser Aufforderung nach. "In Fällen, wo das nicht passiert und wo eine Kampagne gegen eine Person oder ein Unternehmen entsteht, gibt es bei groben Fehlleistungen rechtliche Möglichkeiten", betonte Ecker. Nur in letzter Konsequenz, "wenn es wirklich ganz arg ist", sei auch der Entzug der wirtschaftlichen Kooperation denkbar.

"Mittel- und langfristig ist ein professionelles und sachliches Verhältnis zwischen Unternehmen und Medien noch immer der beste Weg", empfiehlt der Experte. Ecker hält Huber aber für einen "klugen Mann". "Ich denke, er wird wissen, dass er jetzt das Gespräch suchen muss, um möglichst rasch wieder aus den Schlagzeilen zu kommen", sagte er im Fernsehinterview.
(apa/red)