Insel-Kicker mit Vorbildwirkung: Scharner sieht sich im Nationalteam als Leithammel

Pogatetz will noch mehr heimische Kicker in England M'Boro-Verteidiger erst ab der nächsten Saison fit

5:19 lautet das Ergebnis Österreich - Kroatien, was die Anzahl der Legionäre in den Teamkadern betrifft. Während die Balkan-Auswahl vor dem freundschaftlichen Länderspiel in Wien mit Spielern aus den europäischen Top-Ligen gespickt ist, hinkt das ÖFB-Team diesbezüglich deutlich hinterher. In Paul Scharner (Wigan) und Emanuel Pogatetz (Middlesbrough) haben sich wenigstens zwei heimische Kicker in der englischen Premier League, der wohl stärksten Liga der Welt, durchgesetzt.

Scharner hinterließ in bisher rund vier Monaten schon einen bleibenden Eindruck auf der Insel, traf er doch gleich bei seinem Debüt gegen Arsenal und zuletzt im letzten Pflichtspiel überhaupt in der altehrwürdigen Gunners-Heimstätte Highbury. Der frühere Norwegen-Legionär schaffte mit dem Aufsteiger aus einer Kleinstadt bei Manchester, der für die kommende Saison fünf bis sechs neue Spieler holen will, auf Anhieb Rang 10 und den Einzug ins Liga-Cup-Finale - die erträumte UEFA-Cup-Teilnahme blieb allerdings aus.

"Der UEFA-Cup wäre nur Draufgabe gewesen. Wigan ist glücklich, im Liga-Cup-Finale gewesen zu sein und in der Liga die Position behauptet zu haben. Das zweite Jahr in der Premier League wird aber schwieriger", meinte Scharner.

Dies gelte auch für ihn selbst. "Für mich ist bisher alles positiv verlaufen, ich muss aber auch dazusagen, dass ich erst vier Monate dort bin. Nächstes Jahr muss ich mich beweisen", sagte der Defensiv-Spezialist, der sich mit seinem Coach Paul Jewell vor eineinhalb Monaten darauf geeinigt hat, wo er angeblich am besten zur Geltung kommt - "im Mittelfeld."

Scharner: "Die 'Alten' müssen die Jungen mitreißen"
Angesichts der zahlreichen Jung-Kicker im aktuellen Teamkader sieht sich der Niederösterreicher trotz seiner 26 Jahre bereits als "Leithammel." "Die 'Alten' müssen sich gut präsentieren und die Jungen mitreißen", forderte Scharner, der seinen Beitrag dazu leisten will, bis zur Heim-EM eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. "Aber dafür ist große Arbeitsmoral erforderlich."

Keine Spur von Team-Müdigkeit also beim früheren Austrianer, den die Wiener Gratis-Zeitung "Heute" mit einem Nationalmannschafts-Rücktritt kokettieren ließ. "Ich wurde falsch interpretiert. Nach dem Kanada-Match habe ich gesagt, dass wir bei Null stehen und viel Arbeit auf uns wartet - die möchte ich auch nicht scheuen", betonte Scharner, für den dieses Thema nun ebenso erledigt ist wie für Teamchef Josef Hickersberger.

Der Nationalcoach freut sich über die Erfolge von Scharner und Pogatetz auf der Insel, "denn das sind Erfahrungen, die für einen österreichischen Fußballer unbezahlbar sind."

Pogatetz erst nächste Saison wieder fit
Gegen Kroatien kann "Hicke" allerdings nicht auf die Erfahrung von Pogatetz zählen - der Abwehrrecke leidet noch immer an den Nachwirkungen seiner schweren, im UEFA-Cup-Viertelfinal-Hinspiel beim FC Basel Ende März erlittenen Kopfverletzungen und durfte erst in dieser Woche mit dem Lauftraining beginnen. "Kopfbälle darf ich erst in einem Monat machen. Für die Vorbereitung mit Middlesbrough bin ich wieder fit, für das Länderspiel leider nicht", sagte der frühere GAK-Spieler, der in den ersten beiden Partien der EURO 2008 wegen seiner roten Karte gegen Nordirland im vergangenen Oktober gesperrt ist.

In Middlesbrough bekommt es Pogatetz ab der kommenden Saison mit einem neuen Trainer zu tun, denn sein bisheriger Coach Steve McClaren steigt nach der WM zum englischen Teamchef auf. "McClaren hat diesen Verein geprägt, keiner weiß, wer sein Nachfolger wird. Auf jeden Fall einer, der mit den Jungen gut kann, das sollte auch mir zu Gute kommen", sagte der 23-Jährige, dessen Mannschaft vor einem Umbruch steht. "Einige Stars wie Hasselbaink oder Boateng werden den Verein wahrscheinlich verlassen."

Mehr heimische Kicker nach England
Pogatetz selbst bleibt dem Verein aus dem Nordosten des Landes hingegen noch länger erhalten, besitzt er doch einen Vertrag bis 2010. Der Verteidiger hofft, dass in England noch viele seiner Landsleute Fuß fassen können. "Es gibt eine positive Grundstimmung gegenüber österreichischen Fußballern. Paul Scharner und ich haben den Grundstein gelegt, dass mehr Österreicher auf die Insel kommen können."

(apa/red)