Innsbrucks Bürgermeister: Vom "Olympia-Luis" zur ersten Frau als Großstadtchefin

Bürgerliche bestimmen seit 1945 Geschicke der Stadt VP-nahe Gruppen machen den Schwarzen Konkurrenz

Seit 1945 stellen in der Tiroler Landeshauptstadt die ÖVP bzw. dem so genannten "bürgerlichen Lager" zugerechnete Gruppen ununterbrochen das Stadtoberhaupt. Neben Amtsinhaberin Hilde Zach und der Stadt-VP machen sich 2006 neuerlich die SPÖ und laut Umfragen erstmals auch die Grünen Hoffnungen auf die Nummer Eins in Innsbruck.

1945 übernahm beim Einmarsch amerikanischer Truppen in Innsbruck der damals 47-jährige Anton Melzer provisorisch die Bürgermeisteraufgaben. Der schwer Kriegsversehrte (er verlor im Ersten Weltkrieg an der Isonzo-Front den linken Arm) war 1943 wegen politischer Aktivitäten verhaftet worden und wurde erst nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes befreit. Zwei Mal wurde Melzer als Bürgermeister in Gemeinderatswahlen bestätigt.

Nach dem Ableben Melzers im Jahr 1951 folgte ihm sein Vizebürgermeister Franz Greiter - damals 54 Jahre alt - im Amt. In Greiters Amtszeit fielen die erste Bewerbung Innsbrucks um Olympische Winterspiele und - nach Unterzeichnung des Staatsvertrages - der Abzug der französischen Besatzung.

Der doppelte "Olympia Luis"
Ab 1956 amtierte der später als "Olympia-Luis" bekannt gewordene damals 44-jährige Alois Lugger als Stadtoberhaupt. Der gebürtige Südtiroler hatte neben seiner Funktion in der Landeshauptstadt auch hohe Ämter in der Tiroler Landesregierung und im Landtag inne. 1974 war Lugger unter anderem auch ÖVP-Kandidat bei den Bundespräsidentenwahlen. Die Abhaltung gleich zweier Olympischer Spiele (1964 und 1976) fiel in seine Amtszeit, die 1983 zu Ende ging. Während dieser Zeit konnte die ÖVP unter seiner Führung auch ihre besten Wahlergebnisse in Innsbruck einfahren. 1962 und 1965 erreichte sie jeweils über 56 Prozent.

Niedergang der ÖVP
Bei der Gemeinderatswahl 1983 musste der damals zum ersten Mal kandidierende Romuald Niescher sich unter anderem auch wegen des Antretens anderer VP-naher Gruppierungen mit einem Ergebnis von nur 37,5 Prozent zufrieden geben. 1989 sank der Anteil der Bürgermeisterliste, die damals noch mit dem Seniorenbund gekoppelt war, dann sogar auf 36,9 Prozent. Bei der Gemeinderatswahl 1994 stürzte Niescher dann mit der offiziellen Bürgermeister-Liste auf nur 18,9 Prozent ab und legte seine Funktion zurück.

Bürgermeister als Zweiter
Bereits 1989 war der heutige Landeshauptmann Herwig van Staa auf der Niescher-Liste in den Gemeinderat gewählt worden. Obwohl er 1994 mit 22,8 Prozent hinter der SPÖ (26,6 Prozent) nur auf Platz Zwei gekommen war, gelang es ihm in langwierigen Parteienverhandlungen, den Bürgermeistersessel für sich zu erobern. Der promovierte Doppeldoktor und Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften regierte mit Unterstützung der SPÖ und der ÖVP-Listen. Bei der letzten Wahl im Jahr 2000 kam Van Staa auf 36,3 Prozent und 16 der 40 Sitze.

Erste Bürgermeisterin einer Landeshauptstadt
Im Jahr 2002 wechselte Van Staa in das Landhaus. Die Wirtschaftsbündlerin Hilde Zach wurde vom Gemeinderat zur ersten Bürgermeisterin einer österreichischen Landeshauptstadt gekürt. In die vergangenen vier Jahren fiel der Startschuss für mehrere ehrgeizige Bauvorhaben, die der Stadtchefin zum Teil heftige Kritik einbrachten. Unter anderem wurde mit der Verwirklichung der Autobahnabfahrt Innsbruck-Mitte, dem Neubau der Nordkettenbahn und der Entlastung des Südringes begonnen. Die 63-Jährige gehört seit 1994 dem Gemeinderat an, war Amtsführende Stadträtin und dann Vizebürgermeisterin, ehe sie die Bürgermeisterfunktion übernahm. (APA/red)