Innerschiitischer Machtkampf im Irak:
US-Armee bombardiert weiter Ziele in Basra

"Mahdi-Armee" widersetzt sich Regierungsultimatum

Innerschiitischer Machtkampf im Irak:
US-Armee bombardiert weiter Ziele in Basra © Bild: Reuters/Raheem

US-Militärflugzeuge haben die Bombardierung von Zielen in der irakischen Stadt Basra, Brennpunkt der neuen innerschiitischen Machtkämpfe, fortgesetzt. Der radikale Prediger Muktada al-Sadr ließ die Angehörigen seiner Miliz "Mahdi-Armee" anweisen, das Regierungsultimatum zur Abgabe ihrer Waffen zu ignorieren. Waffen dürften nur einer nationalen Führung übergeben werden, die "den Besatzer" aus dem Irak vertreiben könne. In einem Interview mit dem TV-Sender Al-Jazeera rief Sadr die Teilnehmer der Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in Damaskus auf, ihre Unterstützung für den irakischen Widerstand gegen eine ausländische Okkupation zu bekunden.

Nach britischen Militärangaben wurden zwei Bomben über der mutmaßlichen Stellung einer schiitischen Miliz nördlich der Stadt Basra abgeworfen. Aus dem Gebäude heraus seien irakische Bodentruppen beschossen worden, erklärte ein Sprecher. Die Zahl der Opfer war zunächst nicht bekannt. Zuvor waren bei einem amerikanischen Luftangriff in Basra nach Angaben der irakischen Polizei acht Zivilpersonen getötet worden. Das US-Kampfflugzeug habe ein Haus in dem Viertel Hananiya beschossen, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Toten seien zwei Frauen und ein Kind; sieben Personen seien verletzt worden. Die US-Streitkräfte teilten mit, sie prüften den Bericht.

Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki erklärte, er werde in Basra bleiben, bis die Sicherheit wiederhergestellt sei. Er sprach von einem "entscheidenden und endgültigen Kampf". Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes CIA kontrollieren die irakischen Truppen weniger als ein Viertel der Stadt, wie der Sender CNN unter Berufung auf Gewährsleute in den USA und im Irak berichtete. Schiitische Milizen hätten darüber hinaus Polizeieinheiten in Basra infiltriert.

Offener Krieg
Die Offensive irakischer Regierungstruppen gegen schiitische Milizen in Basra ist zum offenen Krieg eskaliert, die Gewalt erfasste auch Bagdad und andere schiitische Städte im südlichen Irak. Am Freitag flogen US-Kampfflugzeuge zur Unterstützung der Regierungstruppen die ersten Luftangriffe auf Ziele in Basra. In Hilla attackierten Sadr-Anhänger ein Büro von Malikis Dawa-Partei. In Kerbala, wo nach Angaben aus Sicherheitskreisen 20 Sadr-Anhänger festgenommen wurden, waren etwa 2000 Mitglieder der Dawa-Partei und des ebenfalls zur Regierungskoalition gehörenden Obersten Islamischen Rates im Irak auf die Straße gegangen, um gegen die Sadr-Bewegung zu demonstrieren.

Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hat auf der Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in Damaskus die Hinrichtung des von den USA entmachteten irakischen Staatschefs Saddam Hussein als ein "Unrecht" verurteilt. In seiner Rede vor den Teilnehmern des panarabischen Gipfels rief Gaddafi in Erinnerung, dass "(US-Vizepräsident Dick) Cheney und (der amerikanische Ex-Verteidigungsminister Donald) Rumsfeld früher Freunde von Saddam waren". Gaddafi sorgte auch für Heiterkeitsausbrüche, als er die verschiedenen Misserfolge im Nahost-Friedensprozess aufzählte. Der irakische Vizepräsident Adel Abdel al-Mahdi, der auf dem Gipfel Staatspräsident Jalal Talabani vertritt, verzog während der Rede Gaddafis unwillig das Gesicht. Mahdi gehört der Schiiten-Allianz von Ministerpräsident Nuri al-Maliki an, die auch mittelfristig eine Präsenz der US-Truppen im Irak befürwortet.

(apa/red)