Ingrid Thurnher in der neuen Talk-Arena: Gemeinsam mit Künstlern gegen Parteichefs

"Verstärkung" aus der Kulturszene für Sommertalks TV-Profi im NEWS-Talk: "Plaudern gefällt mir nicht"

Ingrid Thurnher in der neuen Talk-Arena: Gemeinsam mit Künstlern gegen Parteichefs © Bild: APA/Jäger

Sie beweist sich regelmäßig als hartnäckige und furchtlose Ermittlerin. Was immer Ingrid Thurnher aber von Politikern wissen will – sie bleibt charmant. Schwierig für die vier Parteichefs und Maria Vassilakou, die für die pausierende Glawischnig bei den ORF-Sommergesprächen einspringt. Thurnher, fast 13 Jahre „ZiB 2“- Moderatorin, sagt in NEWS, was sie von den Politikern hören will und warum das alle Jungen interessieren sollte.

NEWS: Für die Sommertalks holt sich der ORF laut eigenen Worten „Verstärkung“ aus der Kunst- und Kulturszene. Warum brauchen Sie diese Unterstützung?
Thurnher: Ich könnte es natürlich auch alleine. Aber die Wahl der Interview-Orte legt nahe, dass man in der Kunstund Kulturszene Interviewpartner findet, die andere Fragen stellen als Innenpolitikjournalisten.
NEWS: Andererseits zeichnen sich alle Ihre Gäste aus der Politik durch eine gewisse Ferne zu Kunst und Kultur aus …
Thurnher: Ja, das könnte man so sagen. Aber wir wollen nicht schwerpunktmäßig über Kultur reden. Vielmehr sollen die Künstler Fragen zur Innenpolitik stellen, die ihnen auf der Seele brennen.
NEWS: Wessen Handschrift trägt das Konzept?
Thurnher: Ich habe mir überlegt, dass die Festspielbühnen ein perfektes Setting wären. Dann hatten Info-Direktor Elmar Oberhauser und Chefredakteur Karl Amon die Idee, Künstler dazu einzuladen.
NEWS: Dürfen die Politiker auch ein wenig ins Plaudern geraten? Stellen Sie Fragen, die – freilich in Grenzen – ein wenig ins Private gehen?
Thurnher: Plaudern gefällt mir nicht. Das klingt so leer. Allerdings hat es keinen Sinn, wie bei einem tagesaktuellen Interview alle zehn Sekunden zu unterbrechen. Die Menschen sollen spüren, was die Parteichefs über das vergangene Jahr denken, was sie meinen, falsch oder richtig gemacht zu haben. Aber das Gespräch soll politisch bleiben. Es interessiert mich herzlich wenig, ob jemand lieber Poloshirts oder T-Shirts trägt oder ob jemand lieber ein Motorboot oder ein Ruderboot benutzt.
NEWS: Stellen Sie den Anspruch an sich selbst, dass die Talks auch unterhaltend sein sollen? Thurnher: Das kommt auf die Definition von Unterhaltung an. Die Zuseher sollen nicht lachen, weil ein Politiker seinem Konkurrenten wieder eingeschenkt hat. Ich will einfach, dass die Leute am Ende klüger sind als vorher.
Thurnher: Das kommt auf die Definition von Unterhaltung an. Die Zuseher sollen nicht lachen, weil ein Politiker seinem Konkurrenten wieder eingeschenkt hat. Ich will einfach, dass die Leute am Ende klüger sind als vorher.
NEWS: Und die Quotenvorgabe?
Thurnher: Ich habe keine gehört.
NEWS: Der ORF hat ein großes Problem mit dem Schwund an jungen Zusehern. Was bieten Sie denen?
Thurnher: In einer Zeit, wo so viele Junge Angst um ihren Job haben müssen, vor der Frage stehen, welche Ausbildung bekomme ich, soll ich mich auf den Staat verlassen, kann ich nur sagen: Wer sich da nicht für Politik interessiert, ist selber schuld. Das ist als Appell zu verstehen.

Interview: Tatjana Duffek

Wie Faymann und Co. sich auf die TV-Diskussionen vorbereiten, lesen Sie in NEWS 32/09!