Inflation sinkt, Beschäftigung wächst: Nationalbank erhöht Wirtschaftsprognose

Heuer 2,5% Wachstum, gute Aussichten bis 2008 Überdurchschnittliches Wachstum im Europavergleich

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erhöht für das laufende Jahr 2006 ihre Wachstumsprognose um 0,2 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Für die Jahre 2007 und 2008 wird ebenfalls ein im Vergleich zum Euroraum überdurchschnittliches Wachstums von jeweils 2,2 Prozent prognostiziert. Die Inflation gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) wird gemäß OeNB-Prognose 2006 auf 1,7 (2005: 2,1) Prozent und in den Jahren 2007 und 2008 auf 1,6 Prozent zurückgehen. Die Beschäftigung wird weiter kräftig wachsen. Die Arbeitslosenquote 2006 aber nur leicht auf 5,1 Prozent sinken und auf diesem Niveau bleiben.

"Die bessere Einschätzung stützt sich auf das Exportwachstum und die Erholung der Inlandsnachfrage, so die Nationalbank im Vorfeld der heutigen Pressekonferenz zur Gesamtwirtschaftlichen Prognose.

Zuletzt hatten im Mai OECD, EU-Kommission und IHS für 2006 ebenfalls ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent prognostiziert. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) rechnete zuletzt mit 2,4 Prozent und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit 2,2 Prozent BIP-Wachstum für das laufende Jahr.

Der Überschuss in der österreichischen Leistungsbilanz wird sich bis zum Jahr 2008 auf 1,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausweiten, hat die Nationalbank gesamtwirtschaftlichen Prognose weiter berechnet. 2005 erreichte der Leistungsbilanzüberschuss 3 Mrd. Euro bzw. 1,2 Prozent. Für 2006 wird ein Überschuss von 1,4 Prozent und im kommenden Jahr von 1,6 Prozent erwartet.

Das sei eine sehr erfreuliche Entwicklung, stellte OeNB-Direktor Josef Christl am Dienstag in Wien vor Journalisten fest. Seit 1999 gebe es bei den Leistungsbilanzüberschüssen eine relativ kontinuierliche Entwicklung.

Die aktuelle OeNB-Prognose bestätige den Konjunkturaufschwung, den es trotz steigenden Zinsen und Ölpreisen gebe, so der Direktor der OeNB-Hauptabteilung Volkswirtschaft, Peter Mooslechner.

In ihrer aktuellen Frühjahrsprognose geht die Nationalbank sowohl bei Zinsen, Ölpreis und Wechselkurs von höheren Annahmen aus als noch im Dezember 2005 in der Herbstprognose. Bis 2008 werden jetzt 4,1 Prozent kurzfristige Zinsen, ein um rund 10 Dollar höherer Brent-Erdölpreis von 71,9 Dollar je Barrel und ein um 6,7 Prozent höherer Dollar-Euro-Wechselkurs von 1,27 zu Grunde gelegt.

Die wichtigste Konjunkturstütze sollten Österreichs Exporte bleiben. Diese entwickeln sich weiterhin dynamisch, die Wachstumsraten werden von 6,0 im Jahr 2006 bis 2008 auf 6,3 Prozent jährlich steigen. Das Importwachstum sollte 2006 ebenfalls bei 6,0 Prozent liegen, 2007 auf 6,4 Prozent steigen und 2008 wieder auf 6,2 Prozent fallen.

Die Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten wird von den Wechselkursentwicklungen und von leicht höheren Lohnstückkosten belastet. Daher sollte es 2006 zu einem vorübergehenden Verlust an Marktanteilen auf den Exportmärkten kommen, erwartet Mooslechner.

Ein wichtiger Träger der Konjunktur sind auch die Ausrüstungsinvestitionen. Nach dem Aus der Investitionsprämie im Jahr 2004 erwartet die Nationalbank künftig ein stabiles Wachstum der jährlichen Bruttoanlageinvestitionen zwischen 2,4 und 3,1 Prozent.

Von der Verbesserung der konjunkturellen Lage sollten positive Impulse auf den privaten Konsum ausgehen. Ein Prozentpunkt des Wachstums 2006 entfällt auf den privaten Konsum. Das Konsumwachstum werde insbesondere von der kräftigen Zunahme der Beschäftigung gestützt. Bis 2008 erwartet die Nationalbank, dass die privaten Haushalte ihre Konsumnachfrage verstärken und die Sparquote wieder leicht reduzieren werden.

Die Staatsverschuldung sollte erstmals 2008 unter die Maastricht-Grenze von 60 Prozent des BIP fallen, erwarten die Notenbanker.

(apa/red)