Fakten von

Defensivspieler statt Torjäger

Esther Mitterstieler © Bild: News/Ian Ehm

Was zeichnet einen guten Manager aus? Er setzt strategische Weichen und kann Aufgaben delegieren. Letzteres ist ein Kriterium, das Georg Kapsch als Präsident der Industriellenvereinigung (IV) weniger gut beherrscht. „Er ist ein Arbeitstier der Sonderklasse“, heißt es aus seiner engsten Umgebung. Aber auch: „Alles, was entschieden wird, geht über seinen Tisch.“ Das hat seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren schon öfter zu Reibereien geführt. Im Herbst hat es deshalb gleich mehrere Krisensitzungen gegeben. Zu wenig offensiv sei der Präsident, kein Torjäger, wenn es um die Anliegen der IV in der Öffentlichkeit ging, sondern bloß ein guter Verteidiger.

Ganz anders sein Vorgänger Veit Sorger. Der steirische Papierindustrielle preschte gleich in seiner ersten Amtszeit mit der Aussage „Wir brauchen eine 60-Stunden-Woche“ vor. Daraus wurde zwar nichts, aber Sorger hatte sich seinen Ruf gleich ungeniert auf jene Weise „ruiniert“, die den 4.200 Mitgliederbetrieben der IV gerade recht war. Kapsch dagegen blieb bei seiner bedächtigen Art, bis die internen Stimmen immer lauter wurden, die IV möge wieder Tore schießen – und nicht nur ihre Anliegen verteidigen. Das hieße: Statt das Verhindern von Vermögenssteuern als Erfolg zu verkaufen, sollte die Vereinigung mehr einfordern.

Seit Kapsch aus Ärger über die Hochsteuerpolitik mit dem Abzug seiner Stiftung aus Österreich gedroht hat, scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Dennoch: Ob sich der Wiener im nächsten Frühjahr noch einmal als IV-Präsident bewerben wird, ist offen. Einerseits ist er CEO seines Unternehmens und daher schon zeitlich mehr unter Druck, als Sorger es als pensionierter Manager war. Andererseits stehen bereits neue Namen in der Auslage: Wolfgang Hesoun, IV-Wien-Präsident und Siemens-Chef, würde sich gut eignen, ist aber Sozialdemokrat. Johann Marihart, aus Niederösterreich und Chef des Zuckerriesen Agrana, hätte gute Chancen; der Salzburger Rudolf Zrost, Geschäftsführer der Leube Baustoffe, ebenso. Wer das Match gewinnt, werden die neun Landespräsidenten und der restliche Vorstand entscheiden.

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