Industrie bricht weltweit drastisch ein: USA, Europa und Asien gleichermaßen betroffen

Die Neuaufträge gehen allerorts rasant zurück Einkaufsmanagerindizes sinken auf Tiefststände

Industrie bricht weltweit drastisch ein: USA, Europa und Asien gleichermaßen betroffen © Bild: APA

Die Konjunkturkrise zwingt die Industrie weltweit in die Knie. Den Unternehmen in USA, Asien und Europa brechen im Rekordtempo die Aufträge weg, wie aus Umfragen hervorgeht. Die US-Industrie verlor im November so stark an Schwung wie seit 26 Jahren nicht mehr. In der Euro-Zone verschärfte sich nach Angaben des britischen Marktforschungsunternehmens Markit der Abschwung in der vorigen Woche.

In Deutschland schrumpfte der Wirtschaftszweig so stark wie nie zuvor seit Beginn der Umfrage 1996. "Kein Land ist von den steigenden Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft unbeeinflusst geblieben", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel auf 36,2 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit 1982. Das Neugeschäft der Industriefirmen lief so schlecht wie zuletzt 1980. "Es droht eine schwere Rezession wie Anfang der 80er Jahre", sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Ein Ende der Talfahrt der weltgrößten Volkswirtschaft sei derzeit nicht abzusehen, betonte auch Postbank-Expertin Fabienne Riefer.

Einkaufsmanagerindizes auf Tiefststände
In fast allen Ländern sanken die Einkaufsmanagerindizes auf Tiefststände. Für die Euro-Zone bedeutet das die schärfste Rezession in dem Sektor seit mehr als zehn Jahren. Russlands Industrie bricht sogar noch stärker ein als während der Krise 1998, wie aus einer Umfrage der Bank VTB hervorgeht.

In Indien rutschte der ABN Amro-Index erstmals seit Beginn der Erhebungen vor dreieinhalb Jahren unter die Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Auch Chinas Industrie schrumpfte kräftig, wie aus zwei Umfragen des Fachverbandes für Logistik und Einkauf und dem auf Asien fokussierten Broker CLSA hervorgeht.

Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland erwies sich weltweit für die Industriefirmen als Problem. Erstmals litten die Unternehmen in China stärker unter der Kaufzurückhaltung in anderen Ländern als im Inland, sagte CLSA-Chefvolkswirt Eric Fishwick. Kunden aus Europa, Asien und den USA fuhren ihre Bestellungen bei den deutschen Firmen laut Markit noch stärker zurück als im Oktober. "Zahlreiche Befragte berichteten, dass die striktere Kreditvergabepraxis der Banken und die globale Konjunktureintrübung dafür verantwortlich waren, dass die weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern 'Made in Germany' dramatisch eingebrochen ist."

Weniger Aufträge für Maschinenbauer
Die Maschinenbauer sammelten etwa im Oktober 16 Prozent weniger Aufträge ein, vor allem Kunden aus dem Ausland hielten sich laut Branchenverband VDMA nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers zurück.

In Deutschland fielen zuletzt vor fünfeinhalb Jahren mehr Arbeitsplätze in der Industrie weg. Der Investitionsboom dürfte nun nach Einschätzung von Experten auslaufen, nachdem die Unternehmen im vergangenen Jahr noch so viel investiert hatten wie seit Anfang der 90er Jahre nicht.

Fachleute sehen daher die Notenbanken in der Pflicht: Die Europäische Zentralbank dürfte ihren Leitzins von 3,25 Prozent am Donnerstag weiter reduzieren. Postbank-Expertin Riefer hält derzeit einen Schritt um 0,5 Prozentpunkte für wahrscheinlich. "Die Chance auf eine aggressivere Senkung hat sich aber mit den heutigen Daten nochmals erhöht."

Auch in Japan verschlechterte sich die Wirtschaftslage rapide: Der Absatz der Automobilindustrie ging im November zum Vorjahr um mehr als ein Viertel zurück - der größte Einbruch seit fast 40 Jahren. Das Verarbeitende Gewerbe wird voraussichtlich im letzten Vierteljahr im Rekordtempo schrumpfen. Die Notenbank des Landes trifft sich am Dienstag zu einer Krisensitzung.

(apa/red)