Indonesiens Ex-Diktator ist tot: Suharto starb im Alter von 86 Jahren an Organversagen

Zustand hatte sich zuletzt drastisch verschlechtert Regierte Inselstaat 31 Jahre lang mit eisener Faust

Indonesiens Ex-Diktator ist tot: Suharto starb im Alter von 86 Jahren an Organversagen © Bild: AP/Dharapak

Indonesiens ehemaliger Präsident Hadji Mohamed Suharto ist tot. Der umstrittene langjährige Machthaber des südostasiatischen Landes starb im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus der Hauptstadt Jakarta. Dort war er Anfang Jänner in kritischem Zustand eingeliefert worden. Ärzten zufolge hatte Suharto zuletzt ein multiples Organversagen erlitten und war ins Koma gerutscht.

Der 86-Jährige wurde von vielen als Vaterfigur und Modernisierer verehrt, von anderen aber als Menschenrechtsverletzer und korrupter Diktator, der Milliarden beiseite schaffte, verachtet. Suharto hatte das Land 32 Jahre mit eiserner Hand regiert. 1998 wurde er nach Massenprotesten zum Rücktritt gezwungen. Prozessen hat er sich zehn Jahre lang erfolgreich unter Verweis auf seine Gesundheit entzogen.

Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verkündete die Todesnachricht in Rundfunk und Fernsehen. Er sprach der Familie in ihrer Residenz in Jakarta persönlich sein Beileid aus und ordnete eine Woche Staatstrauer an. "Vater Suharto hat dieser Nation große Dienste erwiesen", sagte der Präsident. Vor Suhartos Residenz versammelten sich Tausende von Trauergästen. "Wenn er Schwächen gehabt haben sollte, bitten wir darum, ihm zu vergeben", sagte Suhartos älteste Tochter unter Tränen. Suharto soll im Familiengrab in Solo 650 Kilometer südöstlich von Jakarta beigesetzt werden.

Debatte um Suhartos Vermächtnis
Während der frühere Präsident seit Anfang Jänner in einem Krankenhaus in Jakarta mit dem Tod rang, entbrannte in dem 240- Millionen-Volk eine Debatte um sein Vermächtnis. Zahlreiche Politiker pilgerten an das Krankenbett Suhartos, um ihm eine letzte Ehre zu erweisen. Familie und politische Weggefährten forderten das Ende aller Anklagen und Vorwürfe. Kritiker, die jahrelang in den Gefängnissen gelitten haben, und Angehörige von Ermordeten verlangten dagegen Vergeltung. "Es darf kein Pardon geben", sagte der Organisator eines Studentenprotests in Solo vergangene Woche.

Die Säuberungen auf Suhartos Geheiß, denen in den 60er Jahren Hunderttausende von angeblichen Kommunisten und Angehörigen der chinesischen Minderheit zum Opfer fielen, hat kein Menschenrechtstribunal je untersucht. Die Grausamkeiten in der Unruheprovinz Aceh im Norden Sumatras und in Ost-Timor, das Suharto nach dem Abzug der Portugiesen 1975 unter internationalem Protest annektierte, blieben ebenfalls ungesühnt.

Der General hat in seiner Amtszeit erfolgreich die Wirtschaft angekurbelt. Die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, sank von 60 auf 15 Prozent Mitte der 90er Jahre. Doch gehörte Suharto nach Überzeugung der Organisation "Transparency International" zu den korruptesten Potentaten der Welt. Die Familie soll bis zu 35 Milliarden US-Dollar (23,8 Mrd. Euro) in die eigenen Taschen geschafft haben. Nach dem Scheitern aller Strafverfahren läuft zur Zeit noch eine Zivilklage des Staates gegen Suharto auf Zahlung von 1,4 Milliarden Dollar.

Das mehrheitlich muslimische Land wurde nach Suhartos Abgang völlig umgekrempelt. Der Übergang zur Demokratie geschah ohne größere Umwälzungen. Korruption ist aber weiterhin eines der größten Probleme Indonesiens.

(APA/red)