Indien von

Pilger tauchen im Ganges

Millionen Hindus nehmen am größten religiösen Fest der Welt teil

Millionen Hindus tauchten in den Ganges ein. © Bild: APA/EPA/Tyagi

Es sind so viele Gläubige wie nie zuvor: Eine riesige Menschenmenge ist zum Höhepunkt des Hindu-Festes Maha Kumbh Mela zum "heiligen Fluss" Ganges in Nordindien gepilgert. "Wir haben mehr als 34 Millionen Menschen gezählt", sagte Sprecher Ashok Sharma in Allahabad. Die Organisatoren schätzten die Zahl der Besucher entlang der kilometerlangen Ufer mithilfe von Satellitenbildern, Überwachungskameras und zwei Helikoptern.

Die Gläubigen wollen sich durch das Bad im Ganges von Sünden reinigen und aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten befreien. Der Neumondtag ist für Hindus besonders Glück verheißend und deswegen der wichtigste Tag des 55-tägigen Festes. Bei der letzten Maha Kumbh Mela kamen 27 Millionen Menschen zusammen.

Angeführt werden die badenden Menschenmassen von tausenden geheiligten Männern - Sadhus mit nichts als verriebener Asche auf der Haut sowie Swamis und Gurus in wallenden farbigen Gewändern. "Ein kurzes Eintauchen in den Fluss hat die Kraft, das ganze Leben zu ändern", sagte ein Teilnehmer der Zeremonie. Die meisten wollten lediglich in das Wasser eintauchen, einige Gläubige aber tranken von dem stark verschmutzten Wasser oder füllten es in Flaschen ab.

Fest nur alle zwölf Jahre

Das Hindu-Fest findet nur alle zwölf Jahre am Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und dem nur in der Mythologie existierenden Strom Saraswati statt. Die genauen Daten werden von Astrologen anhand der Positionen von Sonne, Mond und Jupiter bestimmt. Zu dem Fest, das dieses Mal bis zum 10. März geht, erwarten die Organisatoren insgesamt 100 Millionen Menschen.

"Bisher war alles friedlich und ordentlich", sagte Sharma. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Massenpaniken mit Toten. Diesmal sind 25.000 Polizisten, 17.000 Paramilitärs und 10.000 Freiwillige im Einsatz, um die Menschenmassen durch das sandige Flussbett zu leiten.

Strenge Regeln

In der Nacht waren traditionell die asketischen Hindu-Mönche, Naga Babas genannt, in einer streng festgelegten Reihenfolge ihrer Orden ins Wasser gerannt. Ihnen folgten zu Klängen von Muschelhörnern und Trommeln die normalen Gläubigen, die vom Zug, Auto oder Traktor mindestens fünf Kilometer bis zum Fluss laufen mussten. Unzählige Holzzäune und mobile Barrikaden lenkten die Massen.

Gläubige dürfen nur wenige Minuten verweilen, ehe sie das Ufer wieder verlassen müssen. Viele überqueren den Fluss auch auf einer der 18 Pontonbrücken oder fahren mit einem Holzboot in die Flussmitte, wo sich die Flüsse vereinigen. "Auch wenn die besonders segensreiche Zeit laut den heiligen Männern vorbei ist, gehen die Pilger, die oft einen weiten Weg gekommen sind, nicht ohne ein Bad nach Hause", sagt Sharma.

Kumbh Melas werden bereits seit Tausenden von Jahren gefeiert. Sie gehen auf einen hinduistischen Schöpfungsmythos zurück, nach dem ein Gott im Streit mit Dämonen einen Krug mit heiligem Nektar ergatterte. Auf der Flucht in den Himmel verlor er an vier Orten einige Tropfen der - so der Glaube - Unsterblichkeit verleihenden Flüssigkeit. Dort wird heute alle drei Jahre abwechselnd die Kumbh Mela (Fest des Kruges) gefeiert - die größte und wichtigste in Allahabad. Daneben gibt es kleinere Feste im Abstand von drei Jahren in Nasik, Ujjain und Haridwar.

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