Indien-GP von

Die Kühe haben immer Vorfahrt

Formel 1 in Indien: Einen Tag vor dem ersten Training gleicht die Strecke einer Baustelle.

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    Die Strecke ist immer noch nicht fertig. Gut einen Tag vor dem ersten Training wird noch gemalt.

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    Kühe auf der Fahrbahn!? Hoffentlich nicht während des Rennens.

Vor dem Rennen am Sonntag gleicht die Rennstrecke in Indien einer einzigen Baustelle. Bauschutt, Bagger und Kräne stehen überall herum, bisher gleicht Indiens neuer Stolz eher einer Schutthalde. Der 300 Millionen teure Neubau ist einen Tag vor dem ersten Training immer noch nicht fertig. Die Fahrer zittern. Die Organisatoren geben sich indes selbstbewusst. Die Pressekonferenz startet mit einem Stromausfall. Der einzige indische Fahrer warnt Sebastian Vettel.

Böse Erinnerungen
Indien und Sportereignisse: Das ist so eine Sache. Im vergangenen Jahr richtete das stolze Land die Commonwealth Games aus und blamierte sich bis auf die Knochen. Korruption, Baumängel und Vetternwirtschaft beherrschten die Schlagzeilen des Events. Eine Tribüne stürzte ein und das Event endete in einem einzigen Desaster.

Gut ein Jahr später kommt nun die Formel 1 erstmals nach Indien in das etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Neu-Delhi entfernte Noida. Dieses Jahr soll alles besser werden, doch einen Tag vor den freien Trainings gleicht die Rennstrecke noch einer Baustelle. "Wir werden die schändlichen Erinnerungen an die Commonwealth Games vergessen machen", verspricht der Bauherr Jaiprakash Gaur selbstbewusst.

Indische Großfamilie wohnte noch in Williams-Garage
Doch einen Tag, bevor der Rennbetrieb auf dem neuen Parcours aufgenommen wird, waren die Journalisten, die bereits angereist sind sehr erstaunt. Zwar sind ausgefallene Formel-1-Strecken keine Seltenheit: So fährt man in Monaco durch die Stadt und in Bahrein durch die Wüste - doch eine Baustelle als Austragungsort hat man bisher noch nicht gesehen. Auch das Williams-Team staunte nicht schlecht, als es vor einer Woche ihre Garage beziehen wollte: Dort wohnte noch eine indische Großfamilie.

Kein Strom auf der Pressekonferenz
Mit einem Stromausfall hat für die Piloten am Donnerstag die Formel-1-Premiere in Indien begonnen. Mitten in der offiziellen Pressekonferenz des Automobil-Weltverbandes wurde es für die Piloten am Podium kurz finster.

Erst in drei Jahren fertig
Pannen wie der Stromausfall am Donnerstag werden von den Veranstaltern in Kauf genommen. Alles Wichtige sei - wenn auch bisweilen in letzter Minute - fertiggestellt worden, versicherte Vicky Chandhok, Vater des Lotus-Reservefahrers Karun Chandhok und Chef des Indischen Motorsportverbandes. "So etwas ist wie ein frisch geschlüpftes Baby. Man muss es groß ziehen und ihm Fehler verzeihen", verwies Chandhok darauf, dass die beeindruckende und rund 300 Mio. Euro teure Anlage erst im Lauf der kommenden drei Jahre komplett fertiggestellt werden wird.

Vettel auf Rekord-Jagd
Davon lässt sich das Red-Bull-Team nicht beirren: Zwar ist die Weltmeisterschaft längst entschieden, aber der Weltmeister Sebastian Vettel hat noch lange nicht genug: Für den Heppenheimer geht es jetzt darum, Michael Schuhmachers Rekord von 13 Siegen in einer Saison zu brechen. Dafür muss Vettel nach seinen zehn Siegen allerdings noch alle drei ausstehenden Rennen gewinnen. Einen Strich durch die Rechnung, könnte ihm allerdings die angekündigte Stallorder machen. Nach der klaren Ansage von Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dass fortan die Vize-Weltmeisterschaft für Vettels Teamkollegen Webber das erklärte Saisonziel sei, versicherte der Weltmeister, seinen Stallrivalen im Fall einer relevanten Situation "auf jeden Fall" vorbeizulassen.

Indien ist lebensgefährlich
Überhaupt ist alles ein wenig anders in Indien. Der einzige indische Fahrer Narain Karthikeyan warnte den deutschen Weltmeister beispielsweise, außerhalb der Rennstrecke sich ans Steuer zu setzen: „Wenn Vettel selbst fährt, ist er verrückt. Unsere Autobahnen sind gefährlicher als Formel 1. Es kommt dir alles entgegen: Lkw, Eselkarren, Kühe, Traktoren. Manche halten auf der Überholspur für ein Picknick.“

Besonders in Acht nehmen, sollte sich der jüngste Doppel-Weltmeister aller Zeiten vor den Kühen. Denn diese haben in Indien immer Vorfahrt. Das gilt auch für Formel-1-Strecke.