Indien erhöht Druck auf Pakistans Führung:
20 Verdächtige sollen ausgeliefert werden

Beziehungen nach Mumbai-Anschlägen angespannt Indien soll über Anschläge informiert gewesen sein

Indien erhöht Druck auf Pakistans Führung:
20 Verdächtige sollen ausgeliefert werden © Bild: Reuters/Abidi

Nach dem Terrorüberfall von Mumbai verlangt Indien vom Nachbarland Pakistan die Auslieferung von 20 Verdächtigen. Außenminister Pranab Mukherjee teilte mit, dass dem pakistanischen Hochkommissar in Indien eine Liste mit den Namen der Terrorverdächtigen übergeben worden sei. Die Beziehungen der beiden Nachbarländer sind derzeit äußerst gespannt, da Indien pakistanische Extremisten hinter der Angriffsserie mit mindestens 188 Toten vermutet.

Die zehn bewaffneten Männer, die Mumbai in der vergangenen Woche drei Tage lang in Angst und Schrecken hielten, wurden in Lagern ausgebildet, die von der extremistischen pakistanischen Organisation Lashkar-e-Toiba betrieben wurden. Der einzige überlebende Angreifer, Ajmal Qasab, sagte bei seiner Vernehmung, die Gruppe habe mehr als ein halbes Jahr lang in deren Lagern trainiert und Nahkampftechniken erlernt.

Unter den von Indien genannten Verdächtigen ist auch Masood Azhar, der 1999 aus einem indischen Gefängnis freigepresst wurde - dazu hatten Extremisten eine Maschine der Indian Airlines in ihre Gewalt gebracht. Indien erwarte, dass Pakistan entschlossen gegen diese Elemente vorgehe, sagte der Sprecher des indischen Außenministeriums, Vishnu Prakash.

Indische Regierung unter Druck
Die indische Regierung steht nach dem Terrorüberfall aber auch selbst unter massivem Druck, da den Behörden Versagen vorgeworfen wird. So soll der Geheimdienst bereits im September von der Anschlagsplanung informiert gewesen sein. Ministerpräsident Manmohan Singh bereit mit Sicherheitsbeauftragten über mögliche Pannen.

Nach schweren Vorwürfen aus Neu Delhi bot die pakistanische Regierung Indien gemeinsame Ermittlungen über die Hintergründe und die Verantwortlichen an. Das gab der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi in einer Fernsehansprache bekannt. Man sei bereit, ein Team vorzuschlagen, das Indien unterstütze. Der Minister rief die Nation dazu auf, sich nicht über die wachsenden Spannungen zwischen den Atommächten zu sorgen. Er betonte, die pakistanische Regierung und das Militär seien vereint und in der Lage, Pakistan zu verteidigen.

Kein Militärschlag in Planung
Indien plant indes kein militärisches Vorgehen gegen Pakistan. "Niemand spricht von einem Militärschlag" sagte Außenminister Mukherjee nach Angaben der Nachrichtenagentur IANS in Neu Delhi. Am Montag hatte sein Ministerium den pakistanischen Botschafter Shahid Malik einberufen. Das Ministerium teilte mit, man habe den Botschafter darüber informiert, dass "Elemente aus Pakistan" für die Angriffe in Mumbai verantwortlich seien. Man erwarte, dass gegen diese Elemente vorgegangen werde, wenn Pakistan ein "qualitativ neues Verhältnis" zu Indien wünsche.

Wegen der Spannungen zwischen den Atommächten wird an diesem Mittwoch US-Außenministerin Condoleezza Rice in Neu Delhi erwartet. Am Tag darauf besucht Rice pakistanischen Medienberichten zufolge Islamabad.

Muslimische Organisationen zeigen Respekt
Muslimische Organisationen in Mumbai verweigern unterdessen den bei der Terrorserie getöteten Angreifern die letzten Riten und die Bestattung auf muslimischen Friedhöfen. "Das Töten Unschuldiger ist gegen den Islam", sagte der Präsident der muslimischen Vereinigung Dawat-i-Islami, Hamid Abdul Razzak, nach indischen Medienberichten vom Dienstag.

Durchhalten konnten die Attentäter von Mumbai die 60-stündige Gewaltorgie mit Hilfe von Drogen. An den Anschlagsorten in Mumbai fanden die Ermittler Drogen, berichtete der britische "Daily Telegraph". Spuren von LSD und Kokain seien festgestellt worden, auch im Blut der Terroristen seien Aufputschmittel nachgewiesen worden, sagten indische Behördenvertreter.

Neuerlicher Terroranschlag auf Zug
Bei einem Bombenanschlag in der nordostindischen Region Assam wurden mindestens drei Menschen getötet und 29 verletzt. Die Bombe explodierte nach Angaben der Behörden in einem Zug im Bahnhof von Diphu, 300 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Gauhati. Der mit einem Zeitzünder versehene Sprengsatz befand sich in einer Tasche in der Gepäckablage eines Zugabteils. Die Behörden vermuten, dass der Anschlag von der Nationalen Befreiungsfront Karbi Longri verübt wurde, die im Namen einer ethnischen Minderheit für mehr Autonomie kämpft.
(apa/red)