In Slowenien fallen jetzt auch die Brücken:
Ex-Jugoslawische Republiken ausgegrenzt

Die neue Grenze erschwert das Leben mit Kroatien 670 Kilometer lange Grenze wird zur EU-Außenzone

"Noch nie schien eine Aktion mehr im Gegensatz zum europäischen Traum zu stehen, wie das Abreißen der Brücken zu den Nachbarn," kommentiert das Wirtschaftsmagazin "The Economist" die Vorbereitungen Sloweniens auf den Schengen-Beitritt. Bevor die 670 Kilometer lange slowenische Südgrenze zur neuen Außengrenze der EU wird, wurde so manche kleine Brücke oder Steg abgerissen.

Die Grenze zwischen Slowenien und Kroatien war in der Zeit des ehemaliges Jugoslawiens, also noch vor 16 Jahren, eigentlich keine, so dass es zwischen den damaligen Teilrepubliken keine Grenzkontrollen gab. Das Leben verlief unbeeinflusst von der Grenze: Familien lebten an den beiden Seiten, viele Mischehen wurden geschlossen und die Menschen an den Grenzflüssen Kolpa und Sotla erleichterten sich den Übergang mit selbst gebauten, meistens illegalen Stegen oder Brücken. Die Selbstständigkeit der beiden Nachbarstaaten brachte da keinen großen Veränderungen, so besuchen kroatische Kinder immer noch die Schulen auf der slowenischen Seite.

Grenze zu Kroatien geschlossen
Nun wird das lockere Leben an der Grenze durch den Schengen-Beitritt drastisch geändert. Die Grenze zu Kroatien wird die neue EU-Außengrenze, bewacht von knapp 3000 Polizeibeamten. Die Grenze wird "geschlossen" und damit so manche Brücken vernichtet, die das Leben der Menschen bisher erleichterten. Einige davon haben zuvor auch den Zweiten Weltkrieg überlebt.

Unverständliche Kontrollen
Für den Übergang der Grenze gibt es 60 Grenzübergänge, davon 27 für den kleinen Grenzverkehr, so lauten die statistischen Fakten aus Laibach. Um illegales Passieren zu verhindern werden 115 Straßen und Wege geschlossen werden. Weil die Kontrolle aller Stellen nicht möglich ist, wurden sie unbrauchbar gemacht - mit Schranken, Hindernissen oder aber mit dem Abriss von Stegen. Für die Bevölkerung ist es trotzdem unbegreiflich, dass sie zum Nachbarn künftig nicht mehr über den alten Steg gehen dürfen, sondern nur noch über den einige Kilometer entfernten Grenzübergang. "An der Grenze ist der Beitritt Slowenien in die EU zu spüren. Das Leben ist nicht mehr das selbe wie früher. Nun ist es viel härter," sagt der Bewohner eines Dorfes am Sotla-Fluss.

Harte Grenzziehung
Die Opposition protestierte gegen die harte Weise der Grenzziehung und verlangte vorläufige Maßnahmen, mit denen der Zustand wiederherstellbar sei. Denn schließlich soll auch Kroatien in der Zukunft EU-Mitglied werden. Die Regierung in Laibach hat die Vorwürfe, bei den Maßnahmen übertrieben zu haben, zurückgewiesen. Slowenien müsse bei der Sicherung der neuen EU-Außengrenze die Schengen-Standards einhalten. Dabei wurde alles gemacht, um den Menschen im Grenzgebiet das Schengen-Regime zu erleichtern. So werden sie selbst die aufgestellten Schranken mit Schlüsseln betätigen dürfen. Abgerissen wurden lediglich die Stege, wo kein Übergang der Grenze erlaubt sei oder wo es niemanden gibt, der sie benützen würde oder aber sie bereits ausgedient haben, hieß es.

Grenzziehung
Bei dieser Debatte bleibt die andere Seite der Schengen-Erweiterung im Schatten. Während die südliche Grenze "zugesperrt" wird, öffnen sich die Grenzen im Westen, Norden und Osten. Mit der Abschaffung der Grenzkontrollen wird der Übergang schneller, vor allem wird man das Gefühl bekommen, so richtig dazu zu gehören. Nach dem EU-Beitritt Sloweniens 2004 wird das vereinte Europa greifbarer, obwohl es beim freien Personenverkehr noch Hindernisse bei der Freizügigkeit gibt. Vor drei Jahren diente die westliche Stadt Nova Gorica (Neu-Görz), die vor 60 Jahren an der jugoslawischen Seite neben der Italien zugeteilten Goriza (Görz) gebaut wurde, als Symbol des vereinten Europa. Der Zaun, der die beiden Städte teilte, wurde zwar niedergerissen, doch bis zum Schengen-Beitritt ist es nicht erlaubt, auf die andere Straßenseite nach Italien zu gehen. (apa/red)