In den Playoffs geht es um die Wurst:
Und bei den Favoriten sehen die Stars nur zu

Franzose Ribery und Portugiese Ronaldo verletzt Irland und Bosnien-Herzegowina wittern ihre Chance

In den Playoffs geht es um die Wurst:
Und bei den Favoriten sehen die Stars nur zu © Bild: Reuters/Borga

Im Wettlauf um die begehrten WM-Fahrkarten sind in Europa acht Länder nur noch zwei Schritte vom Traumziel Südafrika entfernt. Heute und am Mittwoch werden in der Barrage die letzten vier Tickets für die Reise vom Alten Kontinent an das Kap vergeben. Mit Frankreich, dem Weltmeister 1998, und Portugal müssen auch zwei Große des Fußballs zittern - und auf ihre größten Stars verzichten.

Die "Bleus" treten in Dublin gegen Irland an, die Iberer sind zuerst in Lissabon Bosnien-Herzegowina zu Gast. Neben den zwei Außenseitern wollen sich auch Slowenien (in Moskau gegen Russland) und die Ukraine (in Athen gegen Griechenland) Denkmäler setzen.

Ausgerechnet auf der letzten Etappe nach Afrika fehlen den Topfavoriten die Topstars wegen Blessuren. Die Franzosen, die in der Quali-Gruppe hinter Serbien und vor dem ÖFB-Team Zweite waren, müssen verletzungsbedingt ebenso schmerzlich auf Franck Ribery (Knie) verzichten wie die Iberer auf ihren 94-Millionen-Mann Cristiano Ronaldo (Knöchel). Da wie dort macht diese Tatsache die Aufgabe noch schwerer.

Die von Giovanni Trapattoni, dem früheren Feldherrn von Red Bull Salzburg, betreuten Iren dürften voller Selbstvertrauen sein. Sie haben in den Gruppen-Spielen Weltmeister Italien zweimal an den Rand einer Niederlage gebracht und blieben ungeschlagen. Sowohl auswärts als auch vor eigenem Publikum gab es ein 1:1. "Unsere Fans im Croke Park werden uns wieder zu Höchstleistungen treiben", ist sich Torhüter Shay Given sicher. "Wir kennen den unglaublichen Kampfgeist der Iren, die es wie wir unbedingt schaffen wollen", warnte der Franzose seine Spieler, von denen Alou Diarra meinte: "Wir haben viel Respekt, aber keine Angst."

Ronaldo von Happy End überzeugt
In Lissabon wird C. Ronaldo seinen Kollegen von der Tribüne anfeuern, der Superstar ist ebenso wie der Teamchef von einem Happy End überzeugt. "Ich habe keine Zweifel, dass wir uns qualifizieren. Am Samstag wird aber nur die erste Hälfte gespielt, daher müssen wir nicht schon alles klar machen", sagte Carlos Queiroz, der zugab, wie 1998 zuschauen zu müssen, sei nicht auszudenken.

Die Bosnier wissen um ihre Außenseiterrolle, aber die Spieler wissen ebenso, dass das Land 17 Jahre nach seiner Unabhängigkeit von der WM-Premiere träumt. "Mit heißem Herz und kühlem Kopf können wir etwas erreichen", glaubt Sejad Salihovic. Mit Samir Muratovic (Sturm Graz) und Admir Vladavic (RB Salzburg) sind auch zwei in Österreich engagierte Legionäre in die Spiele involviert.

Griechen lassen sich gerne unterschätzen
Für Griechenland würde das erfolgreich Play-off die zweite WM-Teilnahme nach 1994 bedeuten. Die Chancen stehen für Otto Rehhagel und seine Mannen nicht so schlecht, weil die Ukraine um Stürmerstar Andrej Schewtschenko dazu neigen könnten, den Ex-Europameister zu unterschätzen. "Im EM-Jahr 2004 war das nicht anders, da wollte jeder uns als Gegner. Am Ende haben wir den Titel geholt", warnte Theofanis Gekas, der bisher beste Torschütze der Europa-Quali (10 Tore) den WM-Viertelfinalisten.

"Jetzt stehen wir am Ende des weiten Weges, die Spiele bevor, in denen man sich selbst belohnen kann", sagte der 71-Jährige Rehhagel, dessen Widerpart Alexej Michailitschenko von einer 50:50-Chance sprach und eine offensive Spielweise des WM-Teilnehmers 2006 für Athen ankündigte. "Wir wollen in Athen gewinnen. Für uns macht es keinen Unterschied ob wir zu Hause oder in er Fremde antreten", posaunte der Ex-Internationale.

Unterschätzen dürfen die Hellenen den Gegner auf keinen Fall. Die Ukrainer haben in der Gruppe 6 England die einzige Niederlage zugefügt und bremsten damit die Kroaten auf den Weg nach Südafrika noch aus. Die Statistik spricht auch für die in Athen antretenden Osteuropäer. Bisher gab es für sie zwei Siege sowie je ein Remis und eine Niederlage. In der WM-Qualifikation für 2006 siegten sie unter der Akropolis 1:0.

Russland hofft auf leichte Beute
In Moskau, wo Slowenien antritt, hoffen die Russen auf ihre Stärke und die Referenzen ihres am Sonntag 63 Jahre gewordenen Teamchefs. Guus Hiddink hat schon mit drei Ländern (Niederlande 1998, Australien 2006 und Südkorea 2002) an WM-Endrunden teilgenommen und die Russen, die zum zehnten Mal zu einer WM wollen, zuletzt zur EM 2008 und dort ins Semifinale geführt. "Es geht nicht um meinen Rekord, sondern wir haben ein viel höheres Ziel. Wir müssen alles geben, was wir haben und noch mehr, um uns zu qualifizieren", sagte der Niederländer.

Er mahnte Arschawin und Co zur Vorsicht vor den Slowenen, die in den zehn Gruppen-Partien nur vier Tore kassiert, aber 18 Treffer erzielt und schon einmal ein WM-Turnier (2002) erreicht haben: "Sie verfügen über eine der besten Abwehrreihen und vorne nützen sie jede Chance aus. Wir dürfen sie keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen!" Der Außenseiter, der mit einem Sieg und einem Remis Österreich für die Gruppen-Auslosung der EM-Ausscheidung in den vierten Topf verdrängen würde, fühlt sich in seiner Rolle pudelwohl.

"Russland hat mehr Fußballer als wir Einwohner"
"Russland hat mehr Fußballer als wir Einwohner. Die WM-Teilnahme wäre für uns wahrscheinlich mehr wert, als würde Deutschland Weltmeister", bemühte Köln-Legionär Miso Brecko einen Vergleich. Teamchef Matjaz Kek sieht es ebenso sachlich und sagte: "Russland ist der große Favorit, aber wir werden nicht in Ehrfurcht erstarren." Die Russen haben die Slowenen schon einmal unangenehm zu spüren bekommen.

In der WM-Qualifikation für 2002 siegte der David im September 2001 in Laibach 2:1 und trotzte dem "Bären" in dessen Refugium ein 1:1 ab. Die Bilanz ist nach drei Länderspielen völlig ausgeglichen. Ihre einzige WM-Teilnahme sicherten sich die Slowenen 2001 in der Barrage gegen Rumänien, nach einem 2:1 daheim genügte ein 1:1 auswärts für die Fahrkarte nach Südkorea und Japan 2002.

(apa/red)