In Österreich ein Fünftel weniger Krebstote:
Frauen leiden aber häufiger an Lungenkrebs

Zunahme des Rauchens bei Frauen birgt hohe Gefahr Krebssterblickeit in Österreich aber stark rückgängig

In Österreich ein Fünftel weniger Krebstote:
Frauen leiden aber häufiger an Lungenkrebs

Die gute Nachricht: In den vergangen 30 Jahren konnte die Krebssterblichkeit in Österreich um 22 Prozent gesenkt werden. Die schlechte Nachricht: Bei den Frauen wird bald der "Killerkrebs" Lungenkarzinom den Brustkrebs als Haupttodesursache durch bösartige Erkrankungen überholen. "Das ist die Zunahme des Rauchens unter den Frauen. Aber das will niemand gern hören", sagte Christian Vutuc, Epidemiologe des Krebsforschungsinstitutes der MedUni Wien, bei einer gemeinsamen Tagung mit dem Krebs-Biologie-Zentrum der Universität von Tel Aviv.

Bei der Tagung bis morgen, Freitag, geht es um experimentelle und klinische Krebsforschung samt der möglichst schnellen Umsetzung von neuen Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in der Behandlung von Patienten. Die Epidemiologie liefert dabei sozusagen das Grundgerüst für die Prioritätensetzung.

Situation von 1900 bis 2004
Vutuc: "Im Jahr 1900 waren in Österreich vier Prozent der Todesfälle bei den Männern und fünf Prozent bei den Frauen auf Krebs zurückzuführen. Sechs Prozent machten bei den Männern die Herz-Erkrankungen aus. Die Lebenserwartung betrug bei den Männern 40,6 und bei den Frauen 43,4 Jahre." Allein 14 Prozent der Todesfälle bei Männern und Frauen waren durch Tuberkulose verursacht. Die Situation im Jahr 2004. Bei den Männern starben 29 Prozent an Krebs, bei den Frauen 23 Prozent. 37 Prozent der Todesfälle unter den Männern gingen auf Herzerkrankungen zurück, bei den Frauen waren es gar 50 Prozent. Die Lebenserwartung bei den Männern betrug 77,1 und bei den Frauen 82,7 Jahre.

Starker Rückgang der Mortalität
Österreich gehört mit Finnland und Schweden in Europa zu jenen Staaten, in denen die Krebssterblichkeit am meisten zurückging. Vutuc: "Zwischen 1970 und 2004 sanken die Mortalitätsraten bei den Männern um 22 Prozent und bei den Frauen um 27 Prozent. Das bedeutete einen Rückgang um durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr." Zwischen 1993 und 2004 beschleunigte sich die Abnahme pro Jahr sogar auf 1,7 Prozent. Ältere Personen über 55 profitierten mit einem Rückgang der Krebssterblichkeit um 21 Prozent beiden Männern und um 25 bei den Frauen weniger als die jüngeren Semester mit einem Minus um 25 bzw. 40 Prozent.

Problemfall Prostatakrebs?
Während die Zahl der Fälle von Dickdarmkrebs etwa stabil blieb, sank die Häufigkeit von Magenkarzinomen. Angestiegen ist hingegen die Häufigkeit von Brust- und Prostatakarzinomen. Laut dem Epidemiologen ist speziell bei der "Explosion" an Fällen von Prostatakrebs die viel zu häufig verwendete Methode der PSA-Testung aus dem Blut schuld. Da man nicht zwischen aggressiven und nur schlummerenden Prostatakarzinomen unterscheiden kann, werden durch diese Untersuchungen laut Vutuc viele Männer im höheren Alter als krank diagnostiziert, die sonst nie etwas von ihrem Prostatakarzinom merken würden.

Mammografien als Früherkennung
Recht gut ist die Situation bei der Brustkrebs-Früherkennung. Der Epidemiologe: "1995 hatten nur 58 Prozent der Frauen im dafür in Frage kommenden Alter je eine Mammografie durchführen lassen. 2005 waren es bereits 82 Prozent." Etwa 50 Prozent der Frauen unterzögen sich ausreichend oft der Untersuchung.

Lungenkrebs im Vormarsch
Bedenklich ist die Situation bei den Lungenkarzinomen. Vutuc: "In fünf bis zehn Jahren wird der Lungenkrebs bei den Frauen in der Mortalität den Brustkrebs überholt haben." Da Lungenkrebs zumeist erst nach vielen Jahren des Rauchens entsteht, könnte mit dem derzeit schon hohen Anteil der Raucherinnen unter den Frauen die Basis für die kommende Tragödie bereits gelegt sein. (apa/red)