In den Mund statt auf den Müllberg: Wiener
Tafel rettet Essen für Österreichs Bedürftige

150 Mitarbeiter vereinbaren Überfluss und Mangel Jeder Verbraucher kann beim Einkaufen sparen

In den Mund statt auf den Müllberg: Wiener
Tafel rettet Essen für Österreichs Bedürftige © Bild: NEWS.at

Graz isst das Brot, das Wien in den Mistkübel wirft: Pro Jahr landen in der Bundeshauptstadt 70.000 Tonnen einwandfreie Lebensmittel auf dem Müll - während immer mehr Familien nicht wissen, wie sie ihre Kinder noch ernähren sollen. Ein Nebeneinander von zwei Missständen, die es so überhaupt nicht geben müsste, wie Josef Hader, Gerold Rudle und Verena Scheitz auf Einladung der "Wiener Tafel" finden.

Bei der inzwischen jährlichen Veranstaltung der "Langen Tafel" steht ein Verein im Blickpunkt der Öffentlichkeit, der das ganze Jahr über dafür sorgt, dass in Obdachlosenherbergen, Frauenhäusern und Asylheimen etwas auf den Tisch kommt: Bei der "Wiener Tafel" haben sich rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter zum Ziel gesetzt, das heillose Nebeneinander von Überfluss und Mangel zu lindern.

Die Idee ist ebenso einfach wie überzeugend: Weil Lager überquillen, Etiketten falsch beschriftet werden oder andere sekundäre Mängel vorliegen, müssen Handelsketten, Hersteller und Industrie Tag für Tag Tausende Tonnen frischer Lebensmittel auf den Müll werfen. Die Wiener Tafel allerdings nimmt den Unternehmen die kostspielige Entsorgung dieser einwandfreien Lebensmittel ab - und transportiert sie zum Nulltarif zu jenen sozialen Einrichtungen, die sie dringend benötigen.

Dass es diese Einrichtung gibt, lässt nicht nur Kabarettist Gerold Rudle aufatmen - auch 9.000 Bedürftige in Wien kommen so sprichwörtlich an ihr tägliches Brot. Weil aber selbst die ambitionierteste Organisation den Überfluss und die Wegwerfmentalität unserer Gesellschaft vergessen machen kann, will die "Wiener Tafel" auch an jeden einzelnen Verbraucher appellieren: "Es geht darum, bewusst einzukaufen, also nicht Sachen zu nehmen, die man gar nicht braucht", rät "Wiener Tafel"-Chef Martin Haiderer. Auch wenn sparsame Naturen wie Kabarett-Kollege Josef Hader das ohnehin längst machen, ist ein bisschen Selbstkontrolle beim Einkauf nie verkehrt: Das lässt nicht nur Müllberge schrumpfen - es schont auch die Geldbörse.

VIDEO: Wiener Tafel:

(mei)