In Ghana denkt man nur an Brasilien: WM-
Revanche überstrahlt Duell mit Österreich

Coach Le Roy warnt: Volle Konzentration gefordert Länderspiele dienen als Vorbereitung auf Afrika-Cup

 In Ghana denkt man nur an Brasilien: WM-
Revanche überstrahlt Duell mit Österreich

Die Fußballer aus Ghana wollen in den kommenden Tagen ihren Beitrag zum historischen Monat ihres Landes liefern. Am 6. März feierte Ghana den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit, in der Vorwoche wurde der Jahrzehnte alte Plan eines massiven Ausbaus der Eisenbahn besiegelt. Am Dienstag soll das Nationalteam mit einem Sieg gegen den Rekord-Weltmeister Brasilien den Monat würdig abschließen. Dass die "Black Stars" vorher in Österreich gastieren, geht in Ghana fast unter - sehr zum Missfallen von Teamchef Claude Le Roy.

Le Roy hat das Amt nach der WM 2006 in Deutschland von Ratomir Djukovic übernommen, seit dem WM-Abschied ist das Team in allen fünf Spielen ungeschlagen. Damit das so bleibt, fordert Le Roy von seinen Spielern volle Konzentration auf die Österreich-Partie und weniger Gedanken in Richtung Brasilien-Match.

"Ich bin alles andere als glücklich, dass jeder nur über das Brasilien-Spiel spricht, obwohl wir davor gegen Österreich spielen. Es liegt immer eine Überraschung in der Luft, wenn die Aufmerksamkeit abgelenkt ist. Was wir uns alle in Erinnerung rufen müssen ist, dass das Spiel gegen Österreich genau so wichtig ist und wir es uns nicht leisten können, es mit weniger Konzentration zu behandeln", erklärte der Franzose.

Stars weg: Plan B muss her
Für Le Roy ist das Spiel in Graz ein ebenso wichtiger und harter Test, weil das ÖFB-Team etwas beweisen wolle. Da er auf seine beiden Stars, Kapitän Stephen Appiah (Fenerbahce) und Michael Essien (Chelsea) verzichten muss, ist Plan B gefragt. Le Roy muss sein Prunkstuck Mittelfeld (Appiah, Essien, Sulley Muntari, Laryea Kingson) zur Hälfte umbauen, ansonsten hat er alle Spieler der Stammformation dabei, die zuletzt das Prestigeduell mit Nigeria 4:1 gewonnen haben.

An der Ausgangsposition ändert das ohnehin nichts: Das Fußball-begeisterte Ghana fordert Revanche für die Niederlage gegen Brasilien bei der WM im Vorjahr in Deutschland. Im Achtelfinale verloren die Ghanaer damals entgegen dem Spielverlauf 0:3 und schieden aus. Nun sollen sich die "Black Stars" in Stockholm dafür revanchieren und beweisen, dass sie für das große Heim-Turnier im kommenden Jahr bereit sind. Le Roy vertraut dabei auf die Leistungsträger der WM, will aber mehr taktische Cleverness sehen.

Vorbereitung auf Afrika-Cup
Für Ghana sind die beiden Testspiele Teil der sportlichen Vorbereitung auf den Afrika-Cup, der ab 20. Jänner 2008 im eigenen Land ausgetragen wird. Die Westafrikaner haben sich bei der kontinentalen Meisterschaft den fünften Titel zum Ziel gesetzt. Das ist ein großer Unterschied zwischen dem CAN-2008-Gastgeber und dem EURO-2008-Ausrichter Österreich, sonst haben beide Nationen ähnliche Aufgaben zu bewältigen.

Ghana will die Infrastruktur ausbauen. Ein Herzstück dabei ist der milliardenschwere Aus- und Weiterbau des nationalen Bahn-Netzes, für das ein Vertrag über 35 Jahre unterschrieben worden ist. Insgesamt 200 bis 300 Kilometer Streckenlänge soll noch vor dem Turnier fertig sein.

Auch der Ausbau der Stadien ist noch nicht beendet. Das 40.000 Sitzplatze fassende Ohene-Djan-Stadion in der Hauptstadt Accra, Schauplatz des Eröffnungsspiels und des Finales, wird derzeit generalüberholt. Dass man dem Zeitplan hinterherläuft, wird heftig dementiert. Das Stadion wird rechtzeitig zum geplanten Termin im Oktober fertig, wird betont.

(apa/red)