In bester Gesellschaft

Lisa Ulrich-Gödel über Bono & das Wiener Herz "Und der geht dir wirklich nur bis zur Schulter?"

In bester Gesellschaft © Bild: NEWS

Staunend und mit offenem Mund starrt Freund B. im Bono-Vox-narrischen Praterstadion auf die auratischen Verrenkungen des grandiosen U2-Frontmanns. Plötzlich entspannen sich seine von Ehrfurcht gezeichneten Gesichtzüge. „Und der geht dir wirklich nur bis zur Schulter?“ – Von meinem detailreichen Bericht über ein Jahre zurückliegendes Interview mit dem Sänger hat den nicht gerade zum Riesen geratenen B. ausgerechnet dieses Faktum am meisten beeindruckt. Ich nicke. Er lächelt zufrieden.

Wenig später – Bono & Co jetten gerade im Privatflugzeug Richtung Nizza – stellt in der U-Bahn ein Konzertbesucher fest: „Na, waun der Bono kane Jacketkronen hot …“ Ein anderer ergänzt: „No, und sei Frau is a ka Schenheitskenigin!“ Beide lächeln zufrieden.

„Wien ist anders“, hatte Bono während der spektakulären 360-Grad-Show von der Bühne gerufen, ohne zu wissen, wie recht er damit hat: In Wien muss man sich als Star erst vom Stockerl schubsen lassen, um so richtig geliebt werden zu können. Oder wie Herr F. beim postkonzertären Krügel im tiefsten Meidling meint: „Ein Bandscheibenvorfall tut an der Côte d’Azur a weh!“ Als Herr F. darauf seine Wirbelsäule massiert, klingt der Nachhall seiner Worte wie ein Liebesschwur, und mir wird klar: Bono ist in den Herzen der Wiener angekommen.