In bester Gesellschaft

Silvia Meister über Kult-Kottans Rückkehr Mitte der Siebzigerjahre war Kottan State of the Art

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Kottan hat sich unauslöschlich in mein Hirn eingegraben. Ein völlig neues, alternatives Krimigenre wurde geboren, als „Kottan ermittelt“ 1976 erstmals im ORF auf Sendung ging. Herrlich unangepasst und schräg, überdreht und zynisch. Viele liebten den faul-patscherten Anarcho-Polizisten (ich), die meisten regten sich auf. Beim ORF liefen die Telefone heiß, wenn „Dolferl“ (Adolf) Kottan und seine Chaotentruppe jede Hierarchie ignorierend ermittelten.

Von „kulturellem Selbstmord“ war die Rede und von einer „Schande für Österreich“. Der damalige Innenminister Lanc musste gar im Parlament versichern, dass Kottan nur Fiktion sei. Oft und gern ermittelte Kottan im Bordell. Im Präsidium rapportierte er dem unterbelichteten, Fliegen fangenden Polizeipräsidenten. Zuhause sprach TV-Ansagerin Chris Lohner zu ihm aus dem Fernseher. – Heute sind wir abgebrühter. Wer fände einen solchen Schmäh zum Lachen? Damals war das State of the Art und Kult. Zu Recht. Ähnliches hatte es davor nicht gegeben. Was den Kult um Kottan aber vor allem ausmacht, bringt Regisseur Peter Patzak, der gerade an einem „Kottan“- Kinofilm arbeitet, auf den Punkt: „Diese Filme signalisieren Freiheit. Da wird mit Hierarchien aufgeräumt, mit depperten Vorgesetzten. Kottan kann sagen, was er will. Er ist frei.“