In 16 Minuten Heft aus der Hand gegeben: Salzburgs Aufstiegs-Chancen aber intakt

Europa League: 2:3-Niederlage nach 2:0-Führung Plus: Komödie rund um Stevens bei Spiel in Lüttich

In 16 Minuten Heft aus der Hand gegeben: Salzburgs Aufstiegs-Chancen aber intakt © Bild: GEPA pictures/Roittner

Salzburg hat in Lüttich innerhalb von nur 16 Minuten eine blendende Ausgangsposition im Sechzehntelfinale der Europa League verschenkt. Dementsprechend groß war nach dem ereignisreichen 2:3 (2:0) gegen den belgischen Meister Standard Lüttich der Ärger bei Trainer Huub Stevens. "Wir haben nach der Pause den Faden verloren und zu wenig Fußball gespielt", analysierte der Niederländer die Gründe der unangenehmen Wende.

Die Chancenverteilung bezüglich Aufstieg ins Achtelfinale liegt für Stevens vor dem Rückspiel am Donnerstag in der Bullen-Arena dennoch weiter bei 50:50. Doch bis zur 66. Minute waren sie nach zwei Auswärtstoren von Marc Janko in den Minuten 4 und 45 bei etwa 90:10 zugunsten der Salzburger gelegen.

"Wir haben 2:0 geführt, hatten die Chance aufs 3:0 und haben das Spiel dann aus der Hand gegeben. Wir hätten Ruhe bewahren müssen, aber das haben wir nicht gemacht", so Stevens, dessen Team Gegentore von Axel Witsel (66./Elfmeter, 82.) und Igor de Camargo (80.) kassierte. In diesen 16 Minuten hat Salzburg mehr Treffer kassiert als in der gesamten Gruppenphase, als man alle sechs Partien gewann und Tormann Eddie Gustafsson nur insgesamt zweimal den Ball aus seinem Netz holen hatte müssen.

Janko mit Ergebnis halbwegs zufrieden
Torgarant Janko war mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden, "nur der Spielverlauf war eine Katastrophe". Dass er kurz nach der Pause die große Chance aufs 3:0 vergab, wollte der Teamstürmer nicht überbewerten. "Ich glaube, ich darf mit den zwei Toren zufrieden sein, da muss man die Kirche schon im Dorf lassen. Ich kann nicht jede Chance reinmachen. Im Rückspiel ist mit den Fans im Rücken sicher noch einiges möglich."

Eine kleine Komödie rund um Stevens hat sich im Stadion Maurice Dufrasne aufgrund der Kleidung des Salzburg-Trainers abgespielt. Das Team der Referees und UEFA-Offiziellen stieß sich daran, dass Stevens im gleichen Blau wie seine Mannschaft gekleidet war und wollte dem Coach daher ein grünes Überzieh-Leibchen verpassen. Doch das ließ Stevens nicht zu.

"Grün ziehe ich nicht an, da tu ich nicht. Ich habe einen Vertrag bei den Roten Bullen unterschrieben und nicht bei irgendeinem grünen Verein. Bei so einem Kasperltheater spiele ich nicht mit. Ich will ja nicht wie ein grüner Clown auf der Bank sitzen", berichtete Stevens, der das Shirt mit den Worten "Nein, ich will nicht aufwärmen, ich will nur meine Arbeit machen" zurückwies und sich freiwillig auf die Tribüne zurückzog.

Tumult nach Schlusspfiff?
Ein angeblicher Tumult nach Schlusspfiff, bei dem laut Lüttich-Angaben ein Mitglied des Salzburger Trainerteams den Standard-Generaldirektor Pierre Francois körperlich attackiert haben soll, sorgte für noch mehr Brisanz vor dem zweiten Match. Laut Salzburg soll Francois Stevens permanent unter der Gürtellinie beleidigt haben, nach Schlusspfiff wollte Co-Trainer Eddy Achterberg dann Francois lediglich zur Rede stellen.

Wie Stevens sieht auch sein Gegenüber Dominique D'Onofrio die Aufstiegschancen weiter völlig ausgeglichen. "Salzburg ist nicht stark, sondern sehr stark", lautete die Einschätzung von D'Onofrio nach dem ersten Teil des Duells. Verzichten müssen die Salzburger im Rückspiel auf die beiden gesperrten Defensivspieler Franz Schiemer und Christian Schwegler.

(apa/red)