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Wer braucht noch Makler?

Immobilienmakler gehören nicht unbedingt zur beliebtesten Berufsgruppe

Immobilien - Wer braucht noch Makler? © Bild: Shutterstock

Schlechtes Image, schwarze Schafe und digitale Durchstarter: Der Beruf des Immobilienmaklers wird von vielen Seiten bedroht. Zu recht?

Es ist 17 Uhr mitten im 7. Wiener Gemeindebezirk. Die ersten Interessenten haben sich bereits vor dem Haus versammelt. Mit fünf Minuten Verspätung kommt die Maklerin. Treppe hoch, Tür auf, links das Badezimmer, hier die Toilette, Schlafzimmer, Wohnzimmer, die Nachbarn sind nett, die Gegend begehrt, alles weitere steht im Exposé.

Eine Wohnungsbesichtigung wie viele andere, die den Mieter, sollte er sich für die Wohnung entscheiden, gerne zwei Monatsmieten Provision kostet. Exklusive Umsatzsteuer. „Das sind meistens rund 2000 Euro. Das muss man sich als Mieter auch erst einmal leisten können“, kommentiert Gabriele Zgubic, Leiterin Konsumentenschutz bei der Arbeiterkammer, gegenüber news.at die Lage am Markt.

Dem schlechten Ruf der Türaufschließer, die gemeinsam mit den Interessenten erstmals eine Wohnung betreten, versuchen Vertreter der Maklerseite durch Imagekampagnen zu trotzen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn Studien der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Berufszunft wenig Ansehen hat. Ein Image deutlich unter dem von Bankern, Versicherungsvertretern und sogar Prostituierten. Mittlerweile haben auch Immobilienmakler selbst gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann und kämpfen seit einigen Wochen mit Informationsbroschüren um ihren Ruf. Zudem hat marketagent.at im Auftrag des Fachverbands der Immobilien-und Vermögenstreuhänder in der Wiener Wirtschaftskammer eine Studie zur Zufriedenheit von Maklerkunden veröffentlicht. „Die Studie hat gezeigt, dass über 80 Prozent mit der Maklerleistung eher oder sogar sehr zufrieden waren“, erläutert Michael Pisecky, Berufsgruppensprecher der Immobilienmakler bei der WKÖ. „Kommt immer drauf an wen man befragt“, heißt es trocken von Seiten der Arbeiterkammer.

Wer bestellt, der zahlt: Kommt das Bestellerprinzip?

Das kämpferische Auftreten und Bemühen um ein besseres Ansehen hat einen einfachen Grund: Die Berufsgruppe wird von verschiedenen Seiten bedroht. Unter anderem durch legislative Änderungen. Seit 2015 ist der Immobilienmarkt in Deutschland durch das Bestellerprinzip geregelt: Immobilienmakler muss derjenige zahlen, der diesen beauftragt hat. Dies ist zumeist der Vermieter. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese Regelung früher oder später auch in Österreich eintritt. Derzeit setzen sich die Arbeiterkammer, Grüne und Teile der SPÖ für eine Änderung der Maklerregelung ein. Für Pisecky stellt dies nicht nur eine Gefahr für die Berufsgruppe dar, sondern auch für den Mieter: „Makler vertreten in Österreich beide Seiten“ erläutert er, denn sie sind verpflichtet den Mieter über alles zu informieren was für den Mietvertragsabschluss von Bedeutung sein könnte. Hierzu zählt beispielsweise auch eine zu hohe Miete im Altbau. Die Einführung des Bestellerprinzips würde dazu führen, dass der Makler nur noch für den Vermieter auftritt. Was heute als Provision bezahlt wird, würde dann auf die Miete umgelegt werden, denn der „Konsument zahlt immer die Vermarktung“, sei es bei einer Milch, beim Auto oder halt bei einer Wohnung, ist Pisecky überzeugt.

„Durch Bestellerprinzip wird Qualität erhöht“

„Bei Richtwertmieten geht eine Mietsteigerung sowieso nicht“, sagt wiederum Zgubic, „und die anderen Mietpreise werden sich nach dem Markt richten“. Als Anlaufstelle für Beschwerden sieht die Vertreterin der Arbeiterkammer, dass Mieter in der Praxis nicht informiert werden: „Die Vermieter werden vertreten, aber der Mieter zahlt“. Für ihre Aussage sprechen die häufig überteuerten Altbaumieten in Wien, die auf Immobilienportalen zu finden sind. Was man eigentlich zahlen sollte, lässt sich online leicht über den Mietpreisrechner der Mietervereinigung ausrechnen. Fällt man auf ein überteuertes Angebot rein, dann kann sowohl die Miete vom Vermieter, als auch Teile der Provision vom Makler zurückgeklagt werden. Hierbei berät die Arbeiterkammer, die Mietervereinigung und Konsumentenschützer.

Zgubic ist sich sicher, dass das Bestellerprinzip die Qualität auf dem Markt erhöht. Die Befürchtung, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen teilt sie nicht: „Ich glaube, dass gute Qualität immer Kunden haben wird“.

Fast 5000 Makler in Österreich

Die Luft wird dünn für Makler, auch weil die Konkurrenz untereinander hoch ist. Derzeit gibt es laut WKÖ-Statistik 4530 Immobilienmakler in Österreich, davon 1569 allein in Wien. „In den letzten sieben Jahren ist die Anzahl der aktiven Makler sicher um 50 Prozent gestiegen“, schätzt der WKÖ-Berufsgruppensprecher. Oftmals führt das auch dazu, dass mehrere Makler auf eine Wohnung angesetzt werden. Wer schneller einen Mieter findet bekommt den Zuschlag.

Eine Studie von Immo United aus dem Jahr 2013 hat gezeigt, dass über die Hälfte der Wohnungen in Österreich über einen Makler gefunden wurden. Aktuelle Zahlen gibt es nicht und auch die großen Onlineportale halten sich zur Entwicklung des Verhältnis zwischen Makler- und Privatanzeigen bedeckt. Es seien sehr „sensible Geschäftszahlen“ eines Marktes, bei dem „eine besonders intensive Wettbewerbsphase“ herrscht, heißt es von Willhaben.at. Das Verhältnis sei in den letzten Jahren konstant geblieben. Die Suche auf der Website ergibt aktuell (Stand: 18.05.2017) 21.005 Mietwohnungen in Österreich, davon 1.345 unter dem Suchbegriff „provisionsfrei“. Die Plattform Immoscout24.at war auf Nachfrage von news.at nicht zu erreichen. Hier stehen bei insgesamt 17.254 Mietwohnungen in Österreich 4.356 provisionsfrei zur Auswahl. Auf den Portalen sind folglich deutlich mehr als die Hälfte der österreichischen Mietwohnung provisionspflichtig.

Digitale Konkurrenz

Die Konkurrenz unter Maklern ist gewaltig gestiegen, die mögliche Einführung des Bestellerprinzips bedroht den Beruf und dann kommt auch noch die Digitalisierung. Makler haben es sich auf Immobilienplattformen wie Immoscout, Willhaben oder den diversen Webangeboten von Tageszeitungen gemütlich gemacht. Doch gerade im Internet lauert die größte Konkurrenz. In Deutschland machen Seiten wie McMakler auf sich aufmerksam und es wird nicht lange dauern bis dieses oder ähnliche Angebote auch auf den österreichischen Markt kommen. Über die Website kann die Vermietung und der Verkauf von Immobilien organisiert werden. McMakler übernimmt die Exposé-Erstellung, Besichtigung und Schlüsselübergabe. Für eine erfolgreiche Vermittlung zahlt der Vermieter einen Festpreis ab 498 Euro. Das Berliner Makler-Startup startet mit seinem Konzept derzeit durch und konnte im vergangenen Jahr 8,5 Millionen Euro durch Investoren für sich gewinnen.

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Auch in Österreich haben sich in den vergangen Jahren Startups neben den großen Immobilienplattformen etabliert. Die Immobiliensuchmaschine Zoomsquare durchsucht laufend das Internet nach neuen Angeboten, filtert diese nach persönlichen Präferenzen - vom Bezirk bis zur U-Bahn-Nähe - und bereitet diese übersichtlich auf. Außerdem wird an Virtuell-Reality-Konzepten in der Immobilienbranche gefeilt. Eine virtuelle Besichtigung, die den Makler zunehmend auch vor Ort obsolet machen könnte

Schwarze Schafe

Die Website Flatbee bedient sich eines ähnlichen Konzepts wie Zoomsquare, hat sich aber auf provisionsfreie Immobilien spezialisiert. Auf der Website sind zum Großteil Immobilienangebote anderer Websites versammelt. Um die Kontaktdaten der exklusiv auf Flatbee angebotenen Immobilien zu sehen, muss ein Premium-Zugang kostenpflichtig erworben werden. Dieser kostet zwischen 39 und 99 Euro. Im NEWS-Test kam auf keine der Anfragen an die Exklusiv-Inserate eine Antwort. Auffällig waren die fehlenden Telefonnummern und die niedrigen Wohnungspreise. Auf die Nachfrage, ob es sich Lockangebote für das Premiumangebot handle, sah Flatbee die Verantwortung bei den Usern: „Alle Immobilienplattformen im Internet sind mit der Problematik von unseriösen Fake-Inseraten konfrontiert“, hieß es von Seiten der Geschäftsführung, „Diese Inserate werden von Usern beispielsweise erstellt, um an persönliche Daten -E-mail, Telefonnummern et cetera - von Internetnutzern oder Kunden heranzukommen.“ Die Website sei „gleichfalls mit dieser Problematik konfrontiert“, arbeite aber daran diese Inserate zu entfernen. Eine boomende Branche zieht schwarze Schafe an - und das auch im digitalen Bereich.

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Kommentare

Mit einseitiger Darstellung wird hier das Image der gesamten Branche deformiert - in seiner höchsten Vollendung! Das macht mich traurig.

Vielleicht unbewusst aber Sie sprühen Öl ins Feuer.
Möchten Sie das?

Elgar M. Zeisel

Hier sind zwei wesentliche Aspekte nicht erwähnt : Die "schwarzen Schafe" sind zumeist ohne Konzession und Ausbildung unterwegs, besonders die Branchengrößen bedienen sich gerne in einem Kurztraining geschulte Unwissender.
Die Provisionslast dem Vermieter aufzubürden, ist kein Problem, nur die Rechnung zahlt immer der Konsument - also der Mieter, wer sonst. Was Grüne und SPÖ gerne vergessen.

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