Immer mehr lungenkranke Österreicher:
Schon jetzt eine Million betroffene Raucher

Lungenerkrankungen steigen bis 2020 um ein Viertel Chronisches Leiden als Gefahr für Gesundheitswesen

Immer mehr lungenkranke Österreicher:
Schon jetzt eine Million betroffene Raucher

Da sind die Gesundheitspolitiker - und derzeit personell vor allem Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und SP-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser, beide Ärztinnen - anhaltend gefordert: Laut Berechnungen einer Salzburger Wissenschaftergruppe um den Pneumologen Michael Studnicka wird die Zahl der Patienten mit rauchbedingter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) in Österreich bis zum Jahr 2020 um rund ein Viertel steigen.

(Raucher-)Husten, Atemnot auch bei geringster Belastung, Lungenblähung, Invalidität und als letzte Konsequenz der Tod ist die Spirale, die im Verlauf der COPD abläuft. Rund 95 Prozent dieser Erkrankungen sind durch das Rauchen bedingt. Studnicka und sein Team haben in den vergangenen Jahren mit einer Reihenuntersuchung von Salzburgern per Lungenfunktionsprüfung im Rahmen einer weltweiten Studie für Aufsehen gesorgt. Jetzt aber hat Natalie Firlei von der Salzburger Universitätsklinik für Pneumologie die Daten über die Häufigkeit der COPD in Österreich mit einer demografischen Berechnung in eine Prognose bis zum Jahr 2020 umgewandelt.

Ergebnis der Studie
Fazit laut der Autorin in der wissenschaftlichen Arbeit, die in der neuesten Ausgabe der Wiener Klinischen Wochenschrift erschienen ist: "1,047.150 Österreicher über 40 Jahre waren (...) im Jahr 2005 von COPD im Stadium I bis IV (alle Stadien, Anm.) betroffen. 431.080 Personen über 40 Jahre waren von COPD im therapiebedürftigen Stadium II bis IV (leichte bis schwerste Symptome, Anm.)."

Schleichende Entwicklung
Freilich, das ist nur die Ausgangslage. Die Entwicklung der Zahl der Raucher und Raucherinnen sowie die Demografie der österreichischen Bevölkerung werden in den kommenden Jahren laut den Experten zu einer drastischen Verschärfung der Situation führen. Das liegt vor allem daran, dass sich die COPD bei Rauchern schleichend entwickelt, in Österreich eine Dunkelziffer von fast 90 Prozent vorliegt und einmal eingetretene chronische Schädigungen der Lunge nicht mehr "ausheilen", sondern deren Verschlechterung bestenfalls durch sofortigen Rauch-Stopp und Medikamente gebremst werden kann.

Lungen-Funktionsvolumen geht verloren
So sagte Studnicka vor kurzem: "Die COPD ist der durch das Rauchen bedingte beschleunigte Alterungs- und Funktionsverlust der Lunge." Während Nichtraucher etwa ab dem 35. Lebensjahr 35 Milliliter an Lungen-Funktionsvolumen pro Jahr verliere, schnelle das bei COPD-Patienten auf das Drei- bis Vierfache hinauf. Der Experte: "Bemerkt wird das aber erst, wenn die Restkapazität schon weniger als 50 Prozent beträgt."

Problem für Gesundheitswesen
Das bedeutet, dass zwischen 2005 und 2010 die Zahl der COPD-Kranken in Österreich um 7,8 Prozent, bis zum Jahr 2015 um 16,1 Prozent und bis 2020 um 24 Prozent zunehmen dürfte. Das wird wohl auch für das Gesundheitswesen teuer, da es sich bei den Betroffenen um chronisch Kranke handelt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass COPD vom derzeit vierten Platz in der Todesursachenstatistik bis zum Jahr 2020 auf den dritten vorrücken wird. (apa/red)