Im September wäre er Vater geworden:
Giro läuft nach Tod von Weylandt weiter

Rennarzt Tredici: "Es war nichts mehr zu machen" Giro-Chef überlässt Fahrern Gestaltung der Etappe

Der 94. Giro d'Italia trägt Trauer. Der belgische Radprofi Wouter Weylandt ist nach einem Sturz auf der 3. Etappe gestorben. Der Kollege des Tirolers Thomas Rohregger stürzte auf der Abfahrt vom Bocco-Pass im Hinterland von Genua rund 25 Kilometer vor dem Ziel mehr als 20 Meter über eine Böschung und verlor das Bewusstsein. Versuche, den 26-Jährigen wiederzubeleben, blieben erfolglos.

Weylandt streifte nach ersten Angaben mit einem Pedal eine Mauer, verlor bei hohem Tempo die Kontrolle und fiel über eine Böschung auf die weiter unten liegende Fahrbahn. Der Belgier hatte im Vorjahr eine Etappe des Giro und 2008 eine der Spanien-Rundfahrt gewonnen. Er fuhr seit heuer beim neuen Team der Brüder Fränk und Andy Schleck. "Wouter Weylandt war schon bewusstlos, als wir eintrafen. Wir haben 40 Minuten lang versucht, ihn zu reanimieren. Aber es war nichts mehr zu machen", hieß es in einem Statement von Rennarzt Giovanni Tredici nach dem vierten Todesfall in der Geschichte der Italien-Rundfahrt.

Der Giro wird trotz des tödlichen Sturzes des Sprint-Spezialisten, der seinen schweren Kopfverletzungen erlag, fortgesetzt. Giro-Chef Angelo Zomegnan unterstrich jedoch, er überlasse es den Fahrern, wie sie die vierte Etappe gestalten. Dabei werde er jede Entscheidung respektieren, sagte Zomegnan. Vor dem Start der 4. Etappe in Genua wird Weylandt gedacht werden, im Zielort Livorno wird es keine Feiern geben. Ebenso dürfte das Feld die 216 km im Gedenken an Weylandt geschlossen absolvieren und die Etappe nicht für das Gesamtklassement gewertet werden.

"Ein dunkler Tag für den Radsport"
Mit großer Trauer und Anteilnahme hatten Fahrer und Funktionäre unmittelbar nach dem tragischen Unfall auf Weylandts Tod reagiert. "Es ist eine schreckliche Geschichte und ein dunkler Tag für den Radsport", sagte etwa Topfavorit Alberto Contador. Im Giro-Aufgebot der Luxemburger Mannschaft steht mit Thomas Rohregger auch ein Österreicher. Sein nicht in Italien aktiver Teamkollege und Landsmann Stefan Denifl reagierte geschockt auf die traurige Nachricht. "Ich bin geschockt und traurig. Solche Dinge sollten nie passieren. Wouter, wir werden dich vermissen. Ruhe in Frieden", teilte der Tiroler via Twitter mit.

Giro d'Italia-Chef Angelo Zomegnan kündigte unterdessen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an. Unmittelbar nach dem Sturz des 26-Jährigen seien alle bereits existierenden Sicherheitsvorkehrungen noch einmal geprüft worden. Zudem werden "Teams von Spezialisten die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen verstärken", erklärte Zomegnan, ohne die Schritte zu konkretisieren. Bei keinem Rennen der Welt würde so viel Geld investiert, Sturzopfern "möglichst schnell zu helfen".

Staatsanwalt ermittelt
Der Staatsanwaltschaft des italienischen Ortes Chiavari leitete noch am Montagabend ein Ermittlungsverfahren zur Klärung des Unfallhergangs ein. Der stellvertretende Staatsanwalt Francesco Brancaccio ordnete eine Autopsie an.

Leopard-Team-Manager Brian Nygaard erklärte, die Mannschaft befinde sich in einem Zustand des Schocks und der Trauer. "Wir drücken der Familie und den Freunden von Wouter unser tiefes Mitgefühl aus", hieß es in einer Stellungnahme des Rennstalls. Weylandt wäre im September erstmals Vater geworden. Seine Frau Anne Sophie flog noch am Abend nach dem Unfall nach Italien.

(apa/red)