Im Schatten der Tibet-Krise: Olympisches Feuer für die Spiele in Peking eingetroffen

137.000 Kilometer langer Weg liegt bevor: BILDER! Plus: China intensiviert Attacken gegen Dalai Lama

Im Schatten der Tibet-Krise: Olympisches Feuer für die Spiele in Peking eingetroffen © Bild: AP/Bukaty

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao hat in Peking den Startschuss für den von der Tibetkrise überschatteten längsten Fackellauf in der olympischen Geschichte gegeben. Ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften hatte den Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum der chinesischen Hauptstadt für die Feier weiträumig abgeriegelt. Die chinesische Führung hat ihre Attacken gegen den Dalai Lama unterdessen intensiviert.

China hat das tibetische Exil-Oberhaupt neuerlich für die Unruhen in Tibet und den benachbarten Provinzen verantwortlich gemacht. Während weltweit ein globaler Aktionstag für Tibet begangen wurde, ließ Peking angebliche Beweise dafür veröffentlichen, dass der Friedensnobelpreisträger die Unruhen von langer Hand geplant hätte. Die staatliche Presse zitierte das Geständnis eines nicht näher genannten Verdächtigen.

Feuer kam aus Athen
Als erster Läufer nahm Chinas Olympiasieger und Weltrekordler über 110-Meter-Hürden, Liu Xiang, die Flamme von Hu Jintao entgegen. In einer Sondermaschine war das Feuer zuvor aus Athen eingetroffen. An der Begrüßungsfeier mit Zirkusakrobatik, Volkstänzen, Trommlern und Peking-Oper nahmen rund 5.000 ausgewählte Gäste und 220 Journalisten teil. Unter den Ehrengästen war auch das für Sicherheit zuständige Politbüromitglied Zhou Yongkang.

Sicherheitskräfte hatten den Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen), der 1989 Schauplatz der blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung war, streng abgeriegelt und den Fußgängerverkehr am Rande gestoppt. Der Verkehr auf der "Straße des Ewigen Friedens", der wichtigen Ost-West-Achse Pekings, wurde während der Zeremonie angehalten. Selbst die U-Bahn fuhr vorübergehend nicht. Aus Angst vor Protesten waren Details bis zuletzt geheim gehalten worden. Die Entfachung des Feuers im antiken Olympia in Griechenland und die Übergabe an die Pekinger Olympia-Organisatoren am Vortag in Athen war von Protesten durch Exiltibeter überschattet gewesen.

Rogge: "Fackel trägt Botschaft von Frieden"
In einer Grußbotschaft sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, die Fackel trage "die Botschaft von Frieden und olympischen Werten wie Spitzenleistung, Freundschaft und Respekt" um die Welt. Die Spiele in Peking seien eine Gelegenheit für die Menschen Chinas und der Welt, mehr von einander zu lernen, hieß es in der Erklärung, die der Chef der IOC-Koordinierungskommission, Hein Verbruggen, verlas.

Von Peking geht die Fackel auf ihre 137.000 Kilometer lange Reise durch 134 Städte auf fünf Kontinenten. Nächste Station nach Peking ist Almaty, die Hauptstadt von Kasachstan.

Unharmonische "Reise der Harmonie"
Die "Reise der Harmonie", wie der Fackellauf von den Olympia-Organisatoren genannt wurde, begann wegen der seit drei Wochen anhaltenden Unruhen in Tibet recht unharmonisch. Rund 150 tibetische Aktionsgruppen haben weltweit zu Protesten entlang des Weges aufgerufen. Andere China-Kritiker wollen auch gegen Menschenrechtsverletzungen, die Verfolgung von Bürgerrechtlern oder die mangelnde Presse- und Meinungsfreiheit in China demonstrieren. Aktionen sollen auch auf die umstrittene Rolle Chinas in der Flüchtlingstragödie im sudanesischen Darfur aufmerksam machen.

China hat wiederholt eine "Politisierung der Spiele" beklagt und die Staaten entlang des Fackellaufes aufgefordert, Vorbereitungen gegen Demonstrationen zu treffen. Auf seiner Reise kehrt das Olympische Feuer am 4. Mai nach China zurück und besucht in den folgenden drei Monaten mehr als 100 chinesische Städte. Allein in China nehmen 19.000 Läufer teil - im Rest der Welt 2.000. Zum Auftakt wurde das Feuer in Peking noch für das Vorhaben geteilt, mit der Flamme den Mount Everest zu besteigen.

(apa/red)