Im Reich der Pünktchen: Ausstellung zeigt Roy Lichtensteins Anfänge in der Pop-Art

"Black & White" in der Wiener Albertina bis 15. Mai Sujets aus Kommerz, Technik aus der Reproduktion

Die Wiener Albertina begibt sich ab morgen ins Reich der Pünktchen: "Black White" nennt sich die 60 Zeichnungen und 17 Gemälde umfassende Ausstellung zu Roy Lichtensteins Anfängen in der Pop-Art, die bis 15. Mai zu sehen ist. "Kein individueller Ausdruck, kein Pathos, kein Sinn", beschrieb Museumsdirektor Klaus-Albrecht Schröder die künstlerische Revolution, die Lichtenstein 1961 vollzog.

Sujets aus dem Kommerz, Technik aus der Reproduktion: Auch unter der Lupe finden sich nur noch mehr Punkte. Lichtenstein, dessen Witwe Dorothy für den Beginn der Schau in Wien zu Besuch ist, war kein junger Wilder. Er war fast vierzig, "als er den Lauf der Kunstgeschichte verändert hat", betonte Schröder. Die Befreiung vom abstrakten Expressionismus und die Hinwendung zu Werbung, Comics und Ikonen der Massenkultur verfolgt der Zyklus der schwarz-weiß Zeichnungen aus 1961 bis 1968 genau.

"Keine Vorentwürfe oder Skizzen"
"Die Reflexion der Zeichentechnik war zentral für den Anfang der Pop-Art", so Isabelle Dervaux, die die Ausstellung ursprünglich für die New Yorker Morgan Library zusammenstellte. "Sie sind keine Vorentwürfe oder Skizzen", unterstrich Schröder, "sondern autonome Kunstwerke". In den meisten Fällen handelt es sich um uralte Gattungen der Kunstgeschichte: Stillleben - vom Grillhähnchen bis zur Handfeuerwaffe - , Landschaften und Porträts.

Oberfläche und Oberflächlichkeit
Die Zeichnungen hat die Albertina für Wien um 17 Gemälde ergänzt, in denen Lichtensteins nüchterne Kommentare zu Oberfläche und Oberflächlichkeit in aller Konsequenz hervortreten: Sein "Magnifying Glass" aus 1963 schiebt sich über das Punkte-Feld und fördert größere Punkte zutage. Eine "Woman in Bath" aus dem selben Jahr lächelt mit knallroten Lippen aus dem Schaumbad. Die Streifen der "Peanut Butter Cup" gehen mit den Dots der Tischplatte neue Muster ein.

(apa/red)