Im falschen Körper am Arbeitsmarkt? Frauen arbeiten ab nächsten Sonntag unbezahlt

Gleiche Bezahlung endet laut Statistik am 27. 9. "Equal Pay Day" weist auf Einkommensschere hin

Am 27. September endet in Österreich statistisch gesehen die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Was Arbeitnehmerinnen von diesem Tag an bis Jahresende noch verdienen, haben ihre männlichen Kollegen bereits auf dem Konto. Mit dem "Equal Pay Day" soll ein Anstoß für die Verringerung dieser Differenz gegeben werden.

"Diese Einkommensunterschiede sind unerträglich und ungerecht", so die ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Brigitte Ruprecht. Nach EU-Berechnung betragen sie 25,5 Prozent, nach den Lohnsteuerzahlen der Statistik Austria sogar 26,2 Prozent. Nur Estland habe in der EU noch schlechtere Werte, erklärte sie. Rechne man die Differenz in Arbeitstage um, müssten Arbeitnehmerinnen in Österreich pro Jahr 96 Tage lang unbezahlt arbeiten.

Die ÖGB-Frauen erklären den kommenden Sonntag daher zum "Equal Pay Day". Vor zwei Jahren wurde er zum ersten Mal berechnet, und auch damals war es der 27. September. "Seither hat sich an der Situation der Fraueneinkommen leider nichts geändert", klagte Ruprecht. Verdient eine Frau durchschnittlich 1.300 Euro pro Monat, erhält ein Mann 1.761 Euro, rechnete sie vor. 14 mal ausbezahlt, beträgt das jährliche Minus damit 6.454 Euro.

Wienerinnen noch am besten dran
Frauensekretärin Sylvia Ledwinka verwies auf Unterschiede im Bundesländervergleich. Am größten ist die Einkommensdifferenz gemäß Lohnsteuerstatistik 2007 mit 33,4 Prozent in Vorarlberg, dann folgen Oberösterreich (30,4), Tirol (28,5) Salzburg (28,4) Niederösterreich (26,9), die Steiermark (26,4), das Burgenland (25,5), Kärnten (25,1) und Wien (23,9 Prozent). Zu tun hat das laut ÖGB mit der Wirtschaftsstruktur, dem Anteil des öffentlichen Sektors, aber auch mit kulturellen Faktoren und den Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Trotzdem gibt es aus ÖGB-Sicht auch Positives zu vermelden, etwa den Mindestlohn von 1.100 Euro bei 90 Prozent aller Kollektivverträge, den Mehrarbeitszuschlag für Teilzeitbeschäftigte oder das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld. Gefordert wird Einkommenstransparenz in den Betrieben, ein Lohn- und Gehaltsrechner zur Erhebung der branchenüblichen Bezahlung, neue Formen der Arbeitsbewertung und ein Mindestlohn von 1.300 Euro brutto.

(apa/red)