Im Kampf gegen lästige Schuppenflechte - Teure Biologika sollen Betroffenen helfen

Hoffnung mit Risiko: Noch fehlen die Langzeit-Studien Trotzdem teuer: Gesunde Haut nach wie vor ein Luxus

Im Kampf gegen lästige Schuppenflechte - Teure Biologika sollen Betroffenen helfen

Ein Leben mit Schuppenflechte (Psoriasis) bedeutet drei Mal so viel Zeitaufwand für die Körperpflege, den Handstaubsauger für das Entfernen der abgestorbenen Hautzellen ständig griffbereit zu haben und folglich schwere soziale Belastung für Patienten. In Österreich sind etwa 250.000 Menschen davon betroffen. Neue Arzneimittel - so genannte Biologika - versprechen nun eine "Revolution" in der Therapie der nicht-ansteckenden, chronischen Hautentzündung, wie Dermatologen am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien betonten.

Vier solcher Substanzen seien in Österreich bereits zugelassen oder stünden unmittelbar davor. Von dieser neuen Medikamentengruppe erwarten die Mediziner entscheidende Verbesserung für Patienten: Die genetisch hergestellten Eiweißmoleküle können rot-schuppige Hautareale der Betroffenen oft völlig verschwinden lassen lassen, wirken schneller, intensiver und haben weniger Nebenwirkungen als herkömmliche Mittel - bisher wurde mit Cortison, Antirheumatika oder Bestrahlungen behandelt - und verbessern das Sozialleben der Betroffenen, erklärte Peter Fritsch, Dermatologe an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Risiko auf Rezept
Langzeitstudien mit Biologika fehlen allerdings. So sei etwa nicht klar, ob die Medikamente länger angewandt Krebs verursachen könnten, sagte der Mediziner. Einer kritische Betrachtung der neuen Arzneimittelgruppe, die laut den Fachärzten nicht für jeden Patienten geeignet ist, widmet sich am Wochenende ein Lehr-Symposium in Wien. Ärzte diskutieren bei der Veranstaltung "Biologika in der Dermatologie" das neue Behandlungskonzept gemeinsam mit Apothekern und Vertretern von Pharmakonzernen und Sozialversicherungen.

Gesunde Haut kostet!
Dabei soll auch die Finanzierung der teuren Biologika zur Sprache kommen. Die Kosten pro Jahr seien um bis zu 30 Mal höher als die der billigsten konventionellen Therapie, rechnete Fritsch vor. Auf bis zu 25.000 Dollar (18.365 Euro) belaufen sie sich pro Patient jährlich in den USA. Um Betroffene über die neue Behandlung aufzuklären, haben Dermatologen eine Broschüre verfasst, die ab sofort in Apotheken aufliegen und bei Ärzten erhältlich sein soll.

Psoriasis wird vererbt
Psoriasis setzt häufig um das 40. Lebensjahr ein - kann aber auch bereits im Säuglings- und Kindesalter auftreten, erklärte Klemens Rappersberger von der Dermatologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung. Bei milden Formen der vererblichen Erkrankung sind Kopf, Ellbogen und Knie betroffen - in schweren Verläufen kann sich die Schuppenflechte auf bis zu 90 Prozent der gesamten Körperoberfläche ausdehnen. Dazu kommen schmerzhafte Entzündungen an Finger- und Zehennägeln und bei bis zu einem Fünftel der Betroffenen Gelenksentzündungen. Viele Psoriatiker entwickeln zusätzlich Diabetes, Adipositas oder Tumore. (APA/red)