Im Detail: Ungarns kompliziertes Wahlrecht - zwei Runden bei Parlamentswahl

Komplexe Melange aus Verhältnis- und Mehrheitswahl Diesmal: vier Parteien überwanden 5-Prozent-Hürde

Das ungarische Wahlsystem gehört zu den kompliziertesten Europas. Von den 386 Sitzen im Budapester Parlament werden 176 in Einzelwahlkreisen vergeben, 152 über die Territoriallisten und 58 über die Landeslisten in einem Reststimmenverfahren. Die Parlamentswahlen finden in zwei Wahlgängen statt. Im ersten Wahlgang hat jeder der rund 8,1 Millionen Wahlberechtigten zwei Stimmen. Eine Stimme gebührt einer der antretenden Parteien, die zweite einem Kandidaten im jeweiligen Wahlkreis. In der zweiten Wahlrunde erhält der Wähler nur einen Stimmzettel, mit dem er für den Kandidaten im Wahlkreis stimmen kann.

Im ersten Wahlgang ist jener Wahlkreiskandidat gewählt, der die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen kann. Außerdem muss die Wahlbeteiligung bei mehr als 50 Prozent liegen. Nur wenige Wahlkreiskandidaten werden schon im ersten Durchgang gewählt, sodass in der Regel die Stichwahl zwei Wochen später entscheidet. Hier bedarf es nur noch der relativen Mehrheit unter den drei bestplatzierten Kandidaten der ersten Runde. Vor der zweiten Runde kommt es häufig zum Rücktritt von Kandidaten zu Gunsten der Vertreter anderer Parteien.

Komplexes Verteilungsschema
Die restlichen Mandate werden nach einem Reststimmenverfahren ermittelt, wobei es darum geht, keine Stimme unter den Tisch fallen zu lassen. Ziel ist, auch die Prozentanteile der unterlegenen Kandidaten zu werten und proportional den Parteien zuzuteilen. In den Topf für die Landeslisten kommen Stimmen, die auf einen Kandidaten in einem Wahlkreis entfallen sind, der das Wahlkreismandat nicht erringen konnte, sowie jene Stimmen für die Territoriallisten einer Partei, die nach der Verteilung aller Listenplätze noch verblieben sind.

Fünf-Prozent-Hürde im ersten Wahlgang
Um den Einzug ins Parlament zu schaffen, müssen Parteien in der ersten Runde über die Territoriallisten die Fünf-Prozent-Marke übertreffen. Dies gelang den regierenden Sozialisten (MSZP), den regierenden Liberalen (SZDSZ), dem oppositionellen Fidesz-Ungarischer Bürgerverband sowie dem oppositionellen konservativen Demokratenforum (MDF). (APA/red)