Im Darm entdeckt: Direkte Verdrahtung zwischen Gehirn und Immunsystem existiert

Forscher erhoffen sich Aufschluss über Infektionen Spekulation: Immunzellen nehmen Transmitter wahr

Im Darm entdeckt: Direkte Verdrahtung zwischen Gehirn und Immunsystem existiert

Gehirn und Immunsystem sind über einen direkten Draht miteinander verbunden. Zahlreiche Immunzellen im Gewebe rund um den Darm sind unmittelbar mit Nervenfasern und Nervenzellen verknüpft. Das haben Wissenschafter am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig zumindest an Mäusen nachgewiesen.

Die Experten vermuten aber, dass diese Verbindung auch beim Menschen nicht viel anders ist. Auch hier gehe man davon aus, dass Gehirn und Psyche direkt auf das Immunsystem einwirkten. "Für viele Infektions- und Autoimmunkrankheiten ist im klinischen Alltag ein Zusammenhang zwischen der Psyche und der Schwere der Krankheit bekannt", erklärt der Forscher Kurt Dittmar.

Rinderwahn gibt Aufschluss
Über Einzelheiten dieses Wechselspiels könne aber bisher nur spekuliert werden: "Wir wissen noch nicht, wie das Nervensystem die Immunabwehr steuert." Allerdings könnten schon in naher Zukunft die erforschten Zellkontakte Aufschluss über manche Infektionsprozesse geben. So gelangten Krankheitserreger wie etwa die Prionen, die den Rinderwahn auslösten, über den Darm in das Nervensystem.

Noch in Spekulations-Phase
"Vielleicht zeigt sich, dass sie den Weg über die Lymphknoten des Darms nehmen - und dabei die Nerven-Lymphgefäß-Verbindungen nutzen, die wir gefunden haben", sagt Dittmar. Dazu passe der Befund, dass in Lymphknoten rund um den Darm etliche Nervenfasern endeten. Schließlich fanden die Wissenschafter auch Hinweise, dass Immunzellen die Botenstoffe des Nervensystems - die so genannten Transmitter - wahrnehmen können. (APA/red)