Drogen von

Das nimmt Europa

Einmaliger Konsum häufiger als regelmäßiger Griff zu Suchtgiften – Heroin am Rückzug

Drogenkonsument nimmt Kokain. Stockbild. © Bild: Corbis

Drogen ja, Sucht nein? Wenn es um illegale Drogen geht, geben zwar viele Europäer an, schon einmal derartige Substanzen konsumiert zu haben, ein regelmäßiger Gebrauch wird jedoch zumeist verneint. Das geht aus den Daten des Europäischen Drogenberichtes 2012 hervor, der von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in Lissabon erstellt und am Donnerstag publiziert wurde. Gefürchtet wird um die Finanzierung von Präventions- und Überwachungsprogrammen in den europäischen Staaten.


Das "Drogenmilieu" - das sind in Europa nicht "die Anderen". Der Konsum von Suchtgiften abseits von Alkohol und Nikotin ist ein Faktor der Gesellschaft. Im vergangenen Monat haben schätzungsweise zwölf Millionen Europäer Cannabis konsumiert, 1,5 Millionen Menschen Kokain. 1,4 Millionen Menschen haben problematischen Opiatkonsum (zumeist Heroin), 700.000 sind in Substitutionstherapie. Das sind Hauptpunkte aus dem aktuellen Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in Lissabon, der heute, Donnerstag, in Lissabon präsentiert wurde.

Heroin und Kokain am Rückzug

Heroin ist eher auf dem Rückzug. "(...) Marktindikatoren lassen vermuten, dass Heroin in Europa seit einigen Jahren nicht mehr so leicht verfügbar ist. In einigen Ländern wurde es auch durch andere Substanzen verdrängt, so unter anderem durch synthetische Opioide wie Fentanyl und Buprenorphin (ehemals in Österreich als "erste Wahl" propagierte Substitutionsdroge, Anm.). (...) Indikatoren für den injizierenden Konsum legen nahe, dass auch diese besonders schädliche Konsumform seltener praktiziert wird", heißt es in dem Report. Es gebe "in Teilen Europas" Anzeichen, wonach weniger neue Heroinkonsumenten nachkämen. Statistisch 4,2 von 1.000 Menschen haben in Europa problematischen Drogenkonsum. Österreich ist hier in etwa am Durchschnitt.

Ähnlich wie bei Heroin ist es auch bei Kokain. Die EBDD: "Nachdem sie (die Droge, Anm.) sich ein Jahrzehnt lang wachsender Beliebtheit erfreute, deuten die jüngsten Daten nun auf einen Abwärtstrend hin. Auch die Wahrnehmung der Droge scheint im Wandel begriffen zu sein, denn einigen Studien zufolge verliert Kokain wohl sein Image als Statusdroge."

Drogenkonsum in Europa, Grafik.
© APA/Walter Longauer

Weniger Todesfälle durch Drogenkonsum

Positiv ist die Entwicklung bei den Todesfällen nach Gebrauch von illegalen Drogen. Die EBDD in ihrem aktuellen Report: "Die jüngsten Schätzungen geben für das Jahr 2010 rund 7.000 Überdosierungen oder drogeninduzierte Todesfälle in den EU-Mitgliedsstaaten und in Norwegen an, was im Vergleich zu den über 7.600 gemeldeten Fällen im Vorjahr auf eine Abnahme hinweist."


Die Abnahme der Todesfälle durch Suchtgiftkonsum könnte auch mit der besseren Betreuung speziell der Opioid-Abhängigen durch die Substitutionstherapie in Verbindung stehen. Die große Sorge der Drogenspezialisten: Die Finanzkrise in Europa bringt auch Finanzkrisen für die Prävention des Drogenkonsums, die Betreuung der Abhängigen und die Überwachung der Situation mit sich.

CANNABIS - Zumindest einmal in ihrem Leben haben bereits 80,5 Millionen (23,7 Prozent) der europäischen Erwachsenen Cannabis benutzt. Eine von drei Personen hat Cannabiserfahrung (je nach Staat zwischen 0,3 und 14,3 Prozent). Konsum während der vergangenen zwölf Monate hatten etwa 23 Millionen Menschen (6,8 Prozent der Erwachsenen). Die Zahl der Personen, die im vergangenen Monat die Droge konsumiert haben, beträgt dann in Europa nur noch zwölf Millionen Menschen oder 3,6 Prozent der Erwachsenen.

KOKAIN - Lebenszeitprävalenz: etwa 15,5 Millionen (4,6 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der vergangenen zwölf Monate hatten etwa vier Millionen Erwachsene (1,2 Prozent; je nach Land zwischen 0,1 und 2,7 Prozent) oder eine von vier Personen mit Kokainerfahrung insgesamt. Nur 0,5 Prozent (1,5 Millionen Menschen) benutzten Kokain innerhalb des vergangenen Monats.

ECSTASY - Etwa 11,5 Millionen Personen (3,4 Prozent der europäischen Erwachsenen) haben je die Partydroge Ecstasy geschluckt. Beim Konsum während der vergangenen zwölf Monate waren es nur noch zwei Millionen oder 0,6 Prozent der Erwachsenen zwischen 15 und 64 Jahren (je nach Land zwischen 0,1 Prozent bis 1,6 Prozent).

AMPHETAMINE - 3,8 Prozent der Erwachsenen in Europa haben schon einmal Amphetamine eingenommen (13 Millionen). Diese Aufputschmittel sind vor allem in West- und Nordeuropa häufiger. Konsum während des vergangenen Jahres hatten etwa zwei Millionen Menschen (0,6 Prozent) oder eine von sechs Personen mit Amphetaminerfahrung (je nach Land zwischen Null Prozent und 1,1 Prozent der Bevölkerung).

OPIOIDE - Problematische Opioidkonsumenten sind schätzungsweise 1,4 Millionen Europäer (österreich: zwischen 30.000 und 34.000 Menschen). Drogeninduzierte Todesfälle machen vier Prozent aller Todesfälle unter Europäern im Alter zwischen 15 und 39 Jahren aus, wobei in etwa drei Vierteln der Fälle Opioide nachgewiesen wurden. Etwa 710.000 Personen mit problematischem Opiatkonsum haben im Jahr 2010 eine Substitutionsbehandlung erhalten.

Kommentare

strizzi49 melden

Diese Zuordnung der Suchtgifte ist meiner Meinung nach scheinheilig und äußerst bedenklich! Wenn man in einem Atemzug zu Kokain, Ectasy und Amphetamine - Cannabis nennt, dann fehlen auf jeden Fall der Alkohol und das Nikotin !!!
Alkohol ist viel gefährlicher als Cannabis, weil man davon organische Schäden bekommen kann, ganauso das Nikotin!
Was bitte bekommt man von Cannabis ?

strizzi49 melden

Hier wird gefährlich mit zweierlei Maß gerechnet! Nur weil der Alkohol bei uns Traditionen hat ist er erlaubt, Cannabis nicht!
Schwachsinniger geht es kaum noch!

Ich persönlich befürworte eine eingeschränkte Freigabe von Cannabis - also zB ab 18 Jahren mit Beschränkungen im Verkehr sowie eine Anbaugrenze und Versteuerung.
Anstatt das Kraut immer nur zu verteufeln sollten stärker präventive Massnahmen erfolgen. Ich würde es gut finden wenn junge Leute zB in der Schule mit Süchtigen reden könnten, denn auch Cannabis kann psychisch abhängig machen, und die Schüler sollen mit eigenen Augen sehen wie jemand lebt dem es so geht.
Nicht immer nur "das ist ja so schlecht, bla bla bla..." von Leuten die sowas NIEMALS AUCH NUR PROBIERT HABEN!
Wie soll man denn da bitteschön darüber "lehren"?

Die Drogenpolitik in Österreich ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Alkohol wird erlaubt, obwohl mehr Menschen an Alkohol sterben als an illegalen Drogen. Es gibt keine Linie. Entweder werden alle schädlichen Drogen (und Alkohol ist eine Droge) verboten oder gar keine.

Hanna Anana
Hanna Anana melden

Alkohol und Nikotin sind noch immer die gefährlichsten Drogen für uns - da sollte mal präventiv was dagegen gemacht werden! Aber nein, ganz im Gegenteil: Stattdessen wird noch fröhlich Werbung dafür gemacht.

Rayleigh melden

Alkohol gehört aber schon seit Jahrhunderten zur Tradition unseres Kontinents , diese neuen Drogen die den Markt überschwemmen hingegen sind Neuerscheinungen welche meist künstlich erzeugt werden und deshalb muss man sie verbieten , beim Alkohol seh ich das nicht so da der Suchtfaktor bei Alkohol extrem hoch liegt , tausendmal höher als bei anderen Drogen , aber Zigartten gehören verboten ...

wintersun melden

Ich stimme hier Hanna zu, aber auch Rayleigh. Ich glaube es war nicht gemeint dass Alkohol verboten gehört, sondern präventive Massnahmen wie bessere Aufklärung.
Eine treffende Massnahme wäre meiner Meinung nach Alkoholkranke mit Schülern sprechen lassen.
Immer nur sagen wie schlecht es nicht ist und vielleicht sogar selber noch konsumieren bewirkt ja genau das Gegenteil, verbotene Früchte schmecken am Besten.
Alkoholwerbung finde ich auch absolut beschämend.

Und Nikotin finde ich sollte man zwar nicht verbieten aber bessere präventive Massnahmen wären wünschenswert.
Auch mit dieser Droge kann man vernünftig umgehen, die Dosis macht das Gift. Ist halt meine Meinung zu dem ganzen...

Hanna Anana
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Ja, ich meinte nicht ein Verbot von Alkohol, sondern Aufklärung. Dass legale Drogen zur Tradition gehören - darüber kann man sich streiten. In dem Ausmaß wie heutzutage getrunken wird, war das nämlich niemals Tradition.

Außerdem ist Alkohol um ein vielfaches gefährlicher für den Menschen, als bspw. Heroin (in seiner Reinform). Und das tückische an dieser Gefahr ist auch, dass man Akohol

Hanna Anana
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quasi überall bekommt und es von der Gesellschaft absolut toleriert wird - das steigert die Gefahr nochmal potentiell! Keine Droge hat eine so hohe Todesrate wie Alkohol oder Nikotin. Von keiner Droge sind mehr Menschen abhängig und keine Droge wird häufiger konsumiert. Und trotzdem muss ich durch die Stadt gehen und lesen, dass ich ein "Maybe" bin, solange ich keine Marlboro rauche oder im TV

Hanna Anana
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sehen, was für schöne Gefühle Bier wohl auslösen soll. Da stimmt doch etwas nicht?

lemoncake melden

Oh ja, wieder mal eine Gelegenheit auf die Raucher loszugehen. ABER was bitte ist mit den Übergewichtigen?? Diabetes, Rückenleiden, ..... wie hoch ist die Sterberate aufgrund eines Herzinfarktes wegen Übergewicht? Wieviel Geld kosten die "Dicken" der Krankenkasse. Alle paar Jahre auf Kur gehen und sich durchmassieren lassen, weil die Gelenke nicht mehr mitmachen. Aufklärung? Ein jeder sollte doch wissen, dass weder Rauchen, noch Alkohol, noch Übergewicht gesund ist. Und schließlich lebt man es ja den Kindern auch vor. Als Erwachsener kann man die Kinder in die "richtige" Richtung erziehen. Das kann kein Werbeverbot erreichen - nur die Eltern. Und die, die heute rauchen, dick sind und saufen, sind eh nicht mehr zu ändern.

Hanna Anana
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Wo gehe ich denn auf Raucher los? Das Problem sind nicht die Raucher ansich, sondern ihr Umfeld, das sie zum Rauchen bringt. Leider wissen viele Menschen nicht, was für Schäden sie langfristig von Alkohol und Nikotin davon tragen könnten bzw. unterschätzen sie. Besonders die heutige Jugend kann dieses Ausmaß doch noch überhaupt nicht einschätzen.

Hanna Anana
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Und natürlich, in der Lebensmittelindustrie haben wir auch große Probleme, aber darum ging's in dem Artikel halt grade nicht.

lemoncake melden

Sorry, war kein persönlicher Angriff - ich denke halt nur, dass Werbeverbote keinen Sinn machen. Eltern leben es den Kindern vor - Aufklärung zu Hause. Je mehr Verbote, desto interessanter werden die Dinge. Hat bei meinen Kindern super funktioniert. Sie rauchen, trinken nur bei besonderen Anlässen mal ein Glaserl und von Drogen hätte ich bisher nichts bemerkt. Und Übergewicht haben wir auch nicht mit einer zusätzlichen Turnstunde in der Schule ferngehalten, sondern im privaten Kreis "behandelt".

Hanna Anana
Hanna Anana melden

Natürlich, da gebe ich dir Recht, die Erziehung und Vorbildfunktion der Eltern sind auch sehr ausschlaggebend. Allerdings kann ich einfach kein Argument für Drogen-Werbung finden, außer Profit für die Firmen - und wenn Geld gemacht wird auf Kosten der Gesundheit, da überkommt mich sofort so ein Ekel... Es sterben jährlich hunderttausende Menschen an den Folgen des Konsums von Alkohol und Nikotin.

Hanna Anana
Hanna Anana melden

Das alleine sagt doch schon ganz klar aus, dass mit diesen Drogen komplett falsch umgegangen wird und wir unbedingt etwas ändern müssen.

Hanna Anana
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Wer süchtig ist, kann sich ja auch ohne Werbung weiterhin seine Zigaretten und sein Bier kaufen. Aber wozu noch weiter nicht-süchtige Menschen irgendwie dazu bringen wollen damit anzufangen? Ethisch finde ich das einfach nicht korrekt.

lemoncake melden

ups, ich meinte natürlich meine Kinder rauchen nicht. Was ein fehlendes Wort oft anrichten kann. Ich hoffe, dass die Menschheit mehr Eigenverantwortung in ZUkunft übernimmt und sich nicht mehr so leicht "lenken" lässt. Dann hat Werbung und Co keine, oder weniger Chancen. Und die Drogenbosse alle zusammen in die Luft fliegen beim zusammenbrauen der Chemikalien. Denn sehr schlimm fand ich, wenn die Schule ein Schreiben geschickt hat, dass schon wieder mal Drogen in der Schule verschenkt wurden (Volksschule). Lg und ein schönes Wochenende!

sepp16 melden

@lemoncake: 98 Prozent aller Herzinfaktpatineten sind RAUCHER.
@Hanna: Großflächige Zigarettenwerbung ist in Österreich schon längst verboten, die gibt es nur noch Deutschland.

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