Illegale Baugeschäfte schädigen Wirtschaft:
Staat geht im Jahr eine Mrd. Euro verloren

FORMAT: Ständiger Preisdruck fördert Machenschaften Heimische Baumafia heuert billige Schwarzarbeiter an

Illegale Baugeschäfte schädigen Wirtschaft:
Staat geht im Jahr eine Mrd. Euro verloren © Bild: APA/DPA/Nietfeld

Die Vorgangsweise der heimischen Baumafia ist immer dieselbe: Dubiose Baufirmen übernehmen von Generalunternehmern lukrative Aufträge, die sie mit Schwarzarbeitern billig abwickeln, während überhöhte Löhne in Rechnung gestellt werden. Wobei nach Auftragserledigung die jeweilige Subfirma in Konkurs geschickt wird und der Geschäftsführer auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Auf der Strecke bleiben dabei neben etwaigen Lieferanten vor allem das Finanzamt und die Gebietskrankenkasse, die dadurch einen jährlichen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro beklagen.

Laut Herbert Erkenger vom Landeskriminalamt Steiermark, der mit seinem Kollegen Markus Stiendl bereits seit zwei Jahren in der Sache ermittelt, ist die heimische Baumafia bundesweit von drei Hintermännern in etwa fünfzig Scheinfirmen straff organisiert und agiert vor allem in der Steiermark und in Wien, wobei sich die Gruppen im Einzelnen auf das Eisenverlegegeschäft, den Innenausbau und den Fassadenputz spezialisiert haben.

Illegalität wird geduldet
Josef Muchitsch, SP-Nationalratsabgeordneter und stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz, dazu: "Nicht nur die großen Auftraggeber - sprich Generalunternehmer - aus der Privatwirtschaft dulden diese Machenschaften, auch bei Auftragsvergaben durch die öffentliche Hand werden diese illegalen Methoden gefördert und toleriert." Konkret, indem bei einer Auftragsvergabe eine Subvergabe nicht dezidiert ausgeschlossen wird und "die Subunternehmer durch ständigen Preisdruck seitens der Auftraggeber geradezu in die Hände dieser Betrüger getrieben werden, um Aufträge zu erhalten".

Eisenverleger
Selbst Franz Saringer, geschäftsführender Gesellschafter von Sako Stahl, des größten Eisenverlegerbetriebes Österreichs, fühlt sich dem betrügerischen System ausgeliefert. Saringer, der auch Präsident des Verbandes österreichischer Biege- und Verlegetechnik (VÖBV) ist, wörtlich: "Von unseren derzeit 350 auf Baustellen eingesetzten Eisenverlegern kommen 80 Prozent von solchen Subfirmen. Wir haben keine andere Wahl: Entweder wir bedienen uns dieser Firmen, oder wir müssen zusperren."

Baumafia unter Anklage
Dass die gesamte Baubranche Österreichs über die betrügerischen Machenschaften der einzelnen Subfirmen genau Bescheid wissen muss, steht auch für den Grazer Staatsanwalt Hansjörg Bacher außer Zweifel: "Wenn der übliche Marktpreis für die Verlegung einer Tonne Baustahl zwischen 300 und 350 Euro liegt und mir ein Subunternehmen diese Leistung für 150 Euro anbietet, kann das nicht mit rechten Dingen zugehen." Bacher ist daher auch fest entschlossen, den schwarzen Schafen der Branche das Handwerk zu legen. Zurzeit erhebt er gerade gegen fünf Hintermänner der Baumafia eine Anklage wegen des Verdachts auf schweren Betrug und des Verbrechens der kriminellen Organisation. Darunter befindet sich laut bisherigem Ermittlungsstand auch der angebliche Kopf der österreichischen Baumafia, ein Kosovo-Albaner, der in den Neunzigerjahren als Flüchtling nach Österreich kam und inzwischen etliche Wohnungen und Liegenschaften in Graz und Umgebung besitzt. Elf weitere Verdächtige will Bacher in einem Monat anklagen.

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