Ilkka Kanerva über zotige SMS gestolpert: Finnischer Außenminister muss Hut nehmen

Konservativer Parteivorsitzender entzieht Vertrauen Schon zuvor wegen Nachtclub-SMS unter Beschuss

Ilkka Kanerva über zotige SMS gestolpert: Finnischer Außenminister muss Hut nehmen © Bild: Reuters/Arvai

Der finnische Außenminister Ilkka Kanerva muss wegen seiner zahlreichen SMS an eine "erotische Tänzerin" zurücktreten. Der Vorsitzender von Kanervas konservativen Sammlungspartei, Jyki Katainen, hatte erklärt, dass Kanerva nicht mehr das Vertrauen und den Respekt genieße, die für eine Fortsetzung seiner Arbeit als Minister nötig seien. Die Parteiführung machte Kanerva vor allem dessen mangelndes Urteilsvermögen in der sogenannten SMS-Affäre zum Vorwurf.

Neuer finnischer Außenminister wird der EU-Abgeordnete Alexander Stubb, der 40 Jahre alt wurde. Stubb verfügt über langjährige Erfahrung in der EU-Politik. Er hat u.a. in der finnischen EU-Vertretung in Brüssel gearbeitet und war Berater des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi. Bei der Wahl zum Europäischen Parlament 2004 erwies sich der redegewandte Stubb für die Konservativen als zugkräftiger Stimmenmagnet.

Laut Katainen hat Stubb Erfahrung in der Außenpolitik und insbesondere der Europapolitik. Er können auch auf den fahrenden Zug der derzeitigen Präsidentschaft Finnlands bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufspringen.

Verkauf der SMS
Die Entscheidung Kanerva das Vertrauen zu entziehen, sei ihm schwer gefallen, sagte Katainen. Kanerva sei sein "Freund und langjähriger Kollege". Er habe viel Gutes für das Land getan und im Laufe eines Jahres die finnischen Außenbeziehungen "musterhaft" aufgebaut.

Kanerva war unter Beschuss geraten, nachdem bekannt wurde, dass er der Stripperin Johanna Tukiainen (29) innerhalb weniger Wochen rund 200 zweideutige SMS geschickt hatte. Tukianen hatte die SMS an die Klatschzeitschrift "Hymy" verkauft und damit die Affäre vor vier Wochen ins Rollen gebracht. Eine Auswahl der Kurznachrichten wurde am Dienstag in "Hymy" veröffentlicht. Tukianen hatte bis zuletzt versucht, zunächst durch Rückkauf und dann gerichtlich, den Abdruck der SMS-Nachrichten zu verhindern.

Anfangs hatte Kanerva noch versucht, die Affäre auszusitzen, schon bald musste er aber zugeben, die SMS verschickt zu haben. Er habe aber lediglich einige Mitteilungen wegen eines von der Tänzerin erwogenen Auftritts bei einem Betriebsfest im Außenministerium geschickt. "Aus Spaß" habe er sich dabei auch nach ihrer bevorzugten Unterwäsche erkundigt. Als schließlich die Wellen immer höherschlugen, entschuldigte er sich bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die jüngste Tagung des EU-Gipfels in Brüssel.

Vergangene Affären
Kanerva hatte schon vor seiner Ernennung zum Minister im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht, als er zahlreiche SMS-Mitteilungen sexuellen Inhalts an weibliche Bekanntschaften aus einem Nachtclub in der estnischen Hauptstadt Tallinn geschickt hatte. Genau solch einen Skandal hatte Parteichef Katainen erneut gefürchtet und Kanerva vor seiner Ernennung zum Minister das Versprechen abgerungen, die Partei davor zu bewahren. "Dieses Versprechen hat er nicht gehalten", sagte Katainen.

(apa/red)