"Ihr Leben hing am seidenen Faden": Neue Erkenntnisse der Ermittler im Fall Kampusch

Wäre Priklopil gestorben, hätte sie das 'nicht überlebt'

Natascha Kampuschs "Leben hing an einem seidenen Faden, und der führte direkt zu Priklopil (Wolfgang, Anm.)." Das sagte Generalmajor Gerhard Lang, Leiter der Strategieabteilung im Bundeskriminalamt (BK) in einem Zeitungsinterview. Wäre dem Entführer der 18-Jährigen etwas passiert, "dann hätte Frau Kampusch das nicht überlebt", zeigte sich der Ermittler überzeugt.

Nach Überzeugung des Kriminalisten wäre Natascha Kampusch in ihrem Verlies im Hause Priklopils in Strasshof (Bezirk Gänserndorf) auch mit modernstem Suchgerät nicht gefunden worden. "Um in dieses Verlies zu kommen, musste man in eine Grube steigen, einen Wandverbau auf die Seite schieben, einen Tresor aufmachen, und zwar mit einem Code, links und rechts zwei Dübel und Schrauben entfernen, den Tresor rausnehmen, in ein Loch reinkriechen, eine Blende wegnehmen, erst dann kam man zur Tür, die in dieses Verlies führt", schilderte er gegenüber der Tageszeitung "Kurier" die Verhältnisse in Priklopils Haus.

Lang bestätigte auch, dass am Abend vor Natascha Kampuschs Auftauchen am 23. August im Wienerwald Grabungsarbeiten nach der Leiche des Entführungsopfers stattgefunden hatten. "Es hatte alles zusammengepasst. Zeugenaussagen, Ortsbeschreibung, es gab auch plausible Gründe anzunehmen, dass ihre Leiche dort begraben ist", sagte er.

Laut "Kurier" hat Kampusch mittlerweile eine etwa 120 Quadratmeter große Altbauwohnung am Wiener Spittelberg angemietet. Das Domizil steht aber laut dem Bericht vorläufig leer, da sich die 18-Jährige dort verloren vorkäme. Sie wird nach wie vor von Fachleuten des psychosozialen Dienstes betreut und wohnt wochentags in einer Ein- Zimmer-Wohnung in unmittelbarer nähe zum Allgemeinen Krankenhaus. Die Wochenenden verbringt sie demnach bei ihrer Familie. (apa)