Igel von

Mut zur Wildnis

Wer Igeln Gutes tun will, sollte der Natur freien Lauf und seinen Garten wuchern lassen

Igel - Mut zur Wildnis © Bild: News/Ian Ehm

Mehr als dreihundert Igel wurden im vergangenen Winter im Tierheim Parndorf abgegeben. Bei der Eulen-und Greifvogelstation Haringsee (EGS) in Niederösterreich waren es mehr als zweihundert. Die meisten davon konnten bereits in die Freiheit entlassen werden, erklärt Hans Frey von der EGS. Der warme Sommer im Vorjahr hatte die Fortpflanzung der Igel begünstigt - zahlreiche Paare fanden im Nachsommer antizyklisch noch einmal zueinander. Die spät geborenen Jungtiere aber hätten ohne menschliche Unterstützung den Winter nicht überlebt.

Von einer Igel-Überpopulation sei man in Österreich dennoch weit entfernt, meint Richard Zink von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Denn Igel haben mehr Feinde, als man zunächst vermuten würde. Speziell am westlichen Stadtrand Wiens, im Wienerwald, lauern die natürlichen Aggressoren, nämlich Dachs und Uhu.

Der schlimmste Feind aber ist der Mensch, vor allem der Autofahrer. Wie viele Igel täglich im Straßenverkehr umkommen, wird nicht mehr erhoben. Zudem schränken Neubauten und penibel gepflegte Gartenanlagen den Lebensraum der Insektenfresser stark ein. Feine Lebensbedingungen in Wien finden die stacheligen Gesellen vor allem in der Donaustadt und in Floridsdorf. Dort bietet sich ihnen in naturbelassenen Gärten ein reichhaltiges Menü an Insekten und Schnecken.

Wer will, dass diese Gratis-Bioschädlingsbekämpfer in seinem Garten heimisch werden, muss Mut zur Wildnis zeigen und sollte seinen Rasen weder auf Golfplatzniveau trimmen noch über Gebühr düngen. Auf giftigen Pflanzenschutz ist zu verzichten. Denn der ist für die Igel tödlich, warnt Richard Zink. Auch wenn sie das Gift nicht direkt aufnehmen, sondern nur die toten Insekten fressen.

Wuchernde Sträucher, Astund Laubhaufen sind ideale Ruhe-und Futterplätze. Gefährlich sind Swimmingpools oder offene Kellerschächte, dort drohen Igel leicht abzustürzen.

Wer die Übertragung von Krankheiten fürchtet, braucht bei Igeln nicht zu bangen. Sie sind zwar optimale Stationen für zahlreiche Arten von Parasiten, mit denen sie in einer Art Symbiose leben. Doch die begnügen sich mit dem Igel.

Für ein natürliches Gleichgewicht sind Igel unverzichtbar. Helfen Sie ihnen beim Überleben, zeigen Sie Mut zur Wildnis!

Mehr Information:

http://wien.stadtwildtiere.at www.eulen-greifvogelstation.at

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