IG Metall setzt Warnstreiks fort: Arbeits-
kampf wird aufs ganze Land ausgeweitet

Deutschland: Druck auf Arbeitgeber weiter erhöht Lehnt bisheriges Angebot als eine "Provokation" ab

IG Metall setzt Warnstreiks fort: Arbeits-
kampf wird aufs ganze Land ausgeweitet © Bild: APA/DPA/Steffen

Die Metaller in Deutschland haben im aktuellen Tarifkonflikt ihre Warnstreiks erstmals auf ganz Deutschland ausgeweitet. Rund 162.000 Beschäftigte zwischen Flensburg und München untermauerten mit der massiven Verschärfung die Forderung der Gewerkschaft nach 8 Prozent mehr Geld. Am Wochenende und am Montag hatten nach Angaben von IG-Metall-Sprecherin Ingrid Gier bereits zusammen 60.000 Metaller zeitweise ihre Arbeit niedergelegt.

Die Arbeitgeber haben in einem ersten Angebot 2,1 Prozent mehr Geld für 2009 und als Einmalzahlung 0,8 Prozent des Jahreseinkommens für die Monate November und Dezember 2008 angeboten. Sie verweisen aber auf die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Konjunktur. Die IG Metall spricht von einer "Provokation".

Arbeitnehmer wollen 8 Prozent mehr Geld
Trotz der zunehmenden Absatzkrise zum Beispiel in der Autobranche rückt die Gewerkschaft von ihrem Acht-Prozent-Ziel nicht ab: "Wir halten das nach wie vor für angemessen, die Beschäftigten fair zu beteiligen, sagte Gier. In Baden-Württemberg beteiligten sich etwa 50.000 Beschäftigte an den Warnstreiks, im Norden waren es 40.000 und in Nordrhein-Westfalen rund 30.000 Metaller.

IG Metall-Chef Berthold Huber sagte bei einer Kundgebung in Hamburg, es sei ein Gipfel der Unverschämtheit, dass nun die Beschäftigten die Folgen der Finanzkrise ausbaden sollen. Statt mit einer Reallohnsenkung die Binnenkonjunktur abzuwürgen, sei eine Stärkung der Binnennachfrage vonnöten. "Und mehr Nachfrage gibt es nur durch höhere Löhne."

Verhandlungsführer droht mit Streik
In Frankfurt bekräftigte der IG-Metall-Verhandlungsführer im Tarifgebiet Mitte, Armin Schild, die Bereitschaft zum Streik, wenn die andere Seite kein verbessertes Angebot vorliegt: "Wir können und wir werden ihn führen, wenn nicht ein weiteres Angebot vorgelegt wird". In Berlin äußerte SPD-Chef Franz Müntefering "Sympathie" für die Forderungen. Die Arbeitgeber dürften sich nicht mit dem Hinweis auf bevorstehende schwierigere Zeiten herausreden. Die Unternehmen, die zuletzt "stolze Gewinne" gemacht hätten, müssten die Beschäftigten jetzt daran teilhaben lassen, sagte Müntefering.

Die Metall- und Elektroindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mit dem Maschinenbau, der Automobilwirtschaft, der Elektroindustrie und anderen vereint sie wichtige, meist stark exportorientierte Branchen. Nach Angaben des Verbands Gesamtmetall erwirtschafteten die knapp 23.000 Betriebe mit rund 3,6 Mio. Beschäftigten voriges Jahr einen Umsatz von 947 Mrd. Euro - das sind knapp 40 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Nächster Verhandlungstag am 11. November
Die Gewerkschaft will noch bis Freitag mit Arbeitsniederlegungen den Druck auf die Arbeitgeber steigern, um ein besseres Angebot zu erreichen. Kommt es nach der Warnstreik-Welle zu keiner Einigung, drohen unbefristete Streiks. Der nächste Verhandlungstag soll laut Gewerkschaft am 11. November in Baden-Württemberg sein. Experten warnen, dass die hohe Lohnforderung Arbeitsplätze gefährden kann. "Sollte sich die IG Metall durchsetzen, dann ist es angesichts der schwierigen Situation in der Branche unwahrscheinlich, dass die derzeitige Zahl der Arbeitnehmer gehalten werden kann", sagt der Konjunkturexperte vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, Alkis Otto.

In fast allen Bundesländern stellten Metaller für einige Stunden die Arbeit ein. In Hamburg legten mit Beginn der Frühschicht um 6.00 Uhr unter anderem Beschäftigte der Traditionswerft Blohm & Voss die Arbeit nieder. Auch das Airbus-Werk war weitgehend menschenleer. In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beteiligten sich mehr als 30.000 Beschäftigte an den Warnstreik-Aktionen, in Bayern waren es laut Gewerkschaft 20.000.

Im Leipziger BMW-Werk traten 800 Menschen nicht zur Frühschicht an und in Baden-Württemberg befanden sich bei den Daimler-Werken 14.000 Arbeiter im Warnstreik. In Bremen zogen mehr als 4.000 Metaller von Daimler, Airbus und anderen Betrieben mit Transparenten und Trillerpfeifen durch die Innenstadt. Der Tenor: "Mit 2,1 Prozent lassen wir uns nicht abspeisen."

(apa/red)