"Ich fürchte, das wird ein holpriger Weg“
Alois Wögerbauer im trendINVEST-Interview

Geschäftsführer der Generali Investment zur Krise Wögerbauer: 'Einfache Finanzprodukte mit Zukunft'

"Ich fürchte, das wird ein holpriger Weg“
Alois Wögerbauer im trendINVEST-Interview © Bild: Heidi Michel-Debor

Das Einfache, Transparente sei jetzt wieder gefragt, meint Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment GmbH. Und er erklärt, wer uns die Finanzkrise eingebrockt hat, warum klare Börsensignale ignoriert wurden und was sich in der Branche alles ändern muss.

trendinvest: Wie konnte es so weit kommen, dass die Banken derart vorsichtig wurden, dass sie die Realwirtschaft nicht mehr ausreichend mit Geld versorgen wollen?

Wögerbauer: Die Hauptschuldigen waren meiner Meinung nach die internationalen Ratingagenturen, und es überrascht mich, dass man dieses Thema nicht härter diskutiert. Investoren haben nicht die Möglichkeit, alles selbst zu überprüfen. Sie vertrauen gewissen Grundregeln, sie vertrauen den Bilanzen, den Prüfern und natürlich auch den Ratingagenturen. Faktum ist, dass den Banken weltweit gewisse amerikanische Wertpapiere angeboten wurden, die mit AAA-Rating versehen waren und wesentlich höhere Erträge versprachen als vergleichbare Staatsanleihen. Kein einziger europäischer Investor hätte ein komplexes amerikanisches Kreditprodukt ohne ein tolles Rating gekauft.

trendinvest: Abwärtsspiralen hat es schon früher gegeben. Aber wieso ist es diesmal gar so dramatisch?

Wögerbauer: Die Finanzmärkte waren durch Kredite aufgebläht. Wer hätte gedacht, dass der Reichtum vieler russischer Oligarchen auf Kredit aufgebaut war? Den Namen Deripaska kennt man ja, der hat infolge seiner Kreditfinanzierung seine Magna-Beteiligung verloren – aber es gab offenbar viele kleine Deripaskas. Wir haben nicht gewusst, dass so viele Aktien auf Kredit gekauft wurden, wir haben dieses Problem unterschätzt.

trendinvest: Und welche Rolle haben die Hedgefonds in diesem Drama gespielt?

Wögerbauer: Die sind jedenfalls stark für die Verwerfungen mitverantwortlich. Die haben stets mit viel Kredit gearbeitet, und dann kamen die Banken und haben nicht mehr verlängert. Also mussten sie Positionen auflösen und verkaufen. Das aktuelle Thema ist das so genannte De-Leveraging – die Auflösung der Kreditfinanzierung. Und das Ausmaß ist nicht vorhersehbar.

trendinvest: Und was lernt man als Manager einer Fondsgesellschaft aus diesem Debakel?

Wögerbauer: Dass wieder einfache Finanzprodukte Zukunft haben. Es wird nicht mehr möglich sein, dass Anleger – vom Privatmann bis zum Vorstand einer großen Versicherung oder Pensionskasse – künftig weiter in Dinge veranlagen, die sie nicht oder nur bedingt verstehen, weil sie die Chancen und Risken gar nicht durchrechnen können. Ich nehme an, es werden wieder einfache Aktienfonds mit 30 Titeln im Portfolio nachgefragt werden. Und nicht mehr komplex strukturierte Produkte, zu deren Verständnis man Mathematiker sein müsste. Investments mit Wettcharakter, also die meisten Zertifikate, werden verschwinden, glaube ich.

trendinvest: Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter mit der Börse und mit der Konjunktur?

Wögerbauer: Ich glaube, an der Börse haben wir die Krise zu drei Viertel hinter uns, in der Realwirtschaft fängt sie erst an. 2009 wird von einem extrem schlechten News Flow aus der Realwirtschaft geprägt sein. An der Wiener Börse haben wir beim Kurs-Gewinn-Verhältnis einen historischen Durchschnittswert von zwölf, heute liegt das KGV – auf Basis der Gewinne 2008 – bei sechs. Das heißt, die Börse hat eine Halbierung der Unternehmensgewinne 2009 eingepreist. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir in der Konjunktur ein ordentliches Minus sehen werden, also wirklich eine Rezession. Dementsprechend sehe ich auch keine Jahresende-Rally. Wer soll sie denn auslösen? Die Banken haben genug eigene Probleme, die Versicherungen detto, den Pensionskassen fehlt das Risikobudget, die Fondsindustrie verzeichnet Rückflüsse, Privatanleger bevorzugen Sparbücher und Gold. Aber man sollte eines nicht übersehen: Im Jänner beginnt ein neues Spiel. Etliche Investoren haben wieder ein Risikobudget, die EZB wird die Zinsen massiv weiter senken, da werden wir einen Zweier vor dem Komma sehen. Und wenn der Euribor nicht mehr bei 4,6 Prozent, sondern zwischen zwei und drei liegt, wird eine Fondsrendite von sechs Prozent rasch wieder attraktiv.

trendinvest: Eine neue Hausse in Sicht?

Wögerbauer: Einen stabilen Aufwärtstrend sehe ich für die nächsten zwei, drei Jahre nicht. Ich fürchte, das wird ein holpriger Weg, weil es für die Wirtschaft und den Finanzsektor weniger Kredit geben wird und weil die Hedgefonds mit einem kleineren Hebel arbeiten müssen. Ich erwarte eine deutlich höhere Staatsverschuldung, weil nach den Banken auch andere Branchen Hilfe verlangen werden, und ich rechne mit steigender Inflation nach 2009. Deshalb werden Gold und Rohstoffe auf Sicht ein ordentliches Comeback feiern.

trendinvest: Und wie sollte man sich da als Privatanleger aufstellen?

Wögerbauer: Obwohl wir heuer im Oktober erlebt haben, wie die breiten Konzepte der Portfoliotheorie gescheitert sind, weil einfach alle Assetklassen gefallen sind, glaube ich grundsätzlich an Diversifikation: Zwei- bis fünfjährige Bundesanleihen, ein bisserl Aktien, ein bisserl Rohstoffe, ein bisserl Gold. Und man sollte bei der Zusammensetzung flexibel bleiben. Ich erwarte mir in nächster Zeit keinen klaren Trend, sondern Wellen, auf die man sich einstellen muss.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen trendINVEST 05/08!