"Ich bin auf Tuchfühlung": Ex-Pensionist Gottwald ist wieder in der Weltspitze zurück

Liegt bereits wieder an dritter Stelle im Weltcup Rückkehr zu den Kombinieren "ein extremer Genuss"

"Ich bin auf Tuchfühlung": Ex-Pensionist Gottwald ist wieder in der Weltspitze zurück © Bild: Reuters/Ebenbichler

Felix Gottwald ist spätestens mit seinen Auftritten in Oberhof in den Kreis der Sieganwärter der Nordischen Kombination zurückgekehrt. Der Doppel-Olympiasieger, der am Mittwoch 33 Jahre alt wird, hat nach seiner zweieinhalb Jahren dauernden "Sportpension" im Weltcup mehr als nur wieder Fuß gefasst. Trotz Krankheit zum Saisonauftakt rangiert der Salzburger nach drei zweiten und einem dritten Platz schon an dritter Stelle im Gesamt-Weltcup. In Predazzo im Fleimstal werden am Wochenende die Saisonrennen 10 und 11 absolviert.

"Ich habe versucht, im Vorfeld nicht Gedanken daran zu verschwenden, wo ich wann stehen werde. Fakt ist, den Neustart habe ich schon gemacht, weil ich das innere Gefühl gehabt habe, ganz vorne mitzumischen", meinte Gottwald im Gespräch mit der APA. "Ganz vorne ist sich eh noch nicht ausgegangen, aber ich bin auf Tuchfühlung." Besonders freut den Salzburger, dass es trotz des verpatzten Einstiegs als er in Kuusamo an Grippe erkrankt war und auch in Lillehammer noch nicht topfit war, schon wieder "ein extremer Genuss" geworden ist.

Schon in der Ramsau (Ränge 2 und 5-Anm.) habe es angefangen. "Ich habe über Weihnachten sehr gut gearbeitet, habe nicht viel hinterfragt. Aber ich habe jetzt die Vergleichswerte, wo ich weiß, dass ich jetzt in Schwung komme." Noch ist er nicht am Leistungszenit, doch der Fokus liegt beim 20-fachen Weltcupsieger nicht an den Weltcup-Schauplätzen. "Der Fokus liegt wie man unschwer erraten kann im Februar."

Springen muss besser werden
Steigern will sich der Gesamt-Weltcupsieger 2000/01 vor allem noch im Springen. "Ich weiß, dass ich viel besser springen kann." Darum hat Gottwald zuletzt auf einer kleinen Schanze in Saalfelden an seinem System gefeilt und sich ein gutes Gefühl aufgebaut. "Rein von meinem Gefühlszustand und vom Körperlichen her bin ich topfit, da gibt's nichts." Darum ist die Frage nach dem ersten Sieg nach seinem "Neustart" wie er den Beginn seiner zweiten Karriere immer wieder bezeichnet, für ihn ein "Spiel mit der Geduld".

Auch wenn er sich dagegen wehrt, wird man im Sport in Resultaten und Medaillen gemessen, doch es gibt für ihn auch viele Dinge, die auf keinen Ergebnislisten zu finden sind. "So wie Ramsau, wo du quasi den Sieg vor Augen hast und es halt doch noch mal anders kommt. Diese Empfindungen sind klasse, weil das macht den Sport aus." Oder auch der Kampf mit der "dritten Disziplin". "Du musst immer schauen, dass du nicht in die alten Spuren hineinkommst." Der Kombinierer-Zirkus sei ja gleich geblieben, doch er selbst hat sich einen neuen Zugang gesucht.

Mit dem neuen Reglement, Windfaktor und Faktor bei Anlaufveränderungen hat sich Gottwald gut angefreundet: "Im Skispringen wird gejammert, weil sie den Anlauf nicht im Griff haben, bei uns wird gejammert, weil sie ihn im Griff haben." In Oberhof wäre ohne diese Änderung der zweite Bewerb nicht durchgebracht worden. "Ich bin der Meinung, dass es über kurz oder lang auch die Spezialspringer kriegen werden." Wie auch immer, habe sich herausgestellt, dass wieder die Besten vorne sind.

Manninen denkt nur an Olympia
In Predazzo gibt es am Samstag und Sonntag zwei Bewerbe, übrigens wieder ohne Hannu Manninen. Der Finne hatte vor Oberhof fünf Bewerbe ausgesetzt und wird vor den Olympischen Spielen nicht mehr zurückkehren, weil er eine Pilotenausbildung macht. Gottwald kennt sein exaktes Programm bis zum Abflug nach Whistler am 4.2. noch nicht. Nach Predazzo will er weiterschauen. Der letzte Bewerb vor Olympia in Seefeld (30./31. Jänner) steht aber fix auf dem Programm. "Auch weil es mir gut reinpasst, zwei Wochen vor Olympia noch einen Bewerb zu machen."

(apa/red)