"Ich bin wieder da!": Schumacher hofft nach
Indy-Sieg wieder zuversichtlich auf WM-Titel

"Prinz Poldi" schickte nach Sieg SMS-Glückwünsche 5. Sieg in Indianapolis verschaffte "Schumi" Applaus

So glücklich war Michael Schumacher nach einem Formel-1-Rennen schon lange nicht mehr, doch von einer Wende im Titel-Kampf mit Fernando Alonso wollte der Rekordweltmeister noch nichts wissen. "Aber es war schon ein ganz wichtiger Schritt, keine Frage", sagte er nach dem Ferrari-Doppelsieg beim US-Grand-Prix. Nun will der im WM-Kampf schon abgeschriebene Schumacher das scheinbar Unmögliche noch möglich machen.

"Es sind noch acht Rennen zu fahren, 80 Punkte zu vergeben. 19 Punkte Rückstand sind zwar viel, aber ich bin wieder dabei. Nun haben wir noch viel Arbeit vor uns." Das italienische Blatt "La Gazzetta dello Sport" machte klar: "Die Weltmeisterschaft ist wieder offen."

"Prinz Poldi" schickte Glückwünsche
Obwohl Nationalspieler Lukas Podolski seinem Freund eine SMS mit Glückwünschen schickte, wird der Hobby-Kicker den Fußball-Klassiker am Dienstag zwischen Deutschland und Italien im Dortmunder WM-Stadion nicht live verfolgen. "Ich gehe aber ganz sicher davon aus, dass die Jungs im Finale stehen werden. Da werde ich ganz sicher dabei sein, und vielleicht können wir sogar gemeinsam feiern", sagte er.

Bis dahin wird der siebenfache Weltmeister in Jerez vor allem Reifen testen. Chefstratege Ross Brawn: "Es wird von den Reifen abhängen, denn die Autos sind meiner Meinung nach ziemlich ähnlich." Die spanische Zeitung "El Pais" bemerkte: "Der Erfolg von Ferrari beweist, dass deren Wagen das Potenzial zu einem gewichtigen Teil zurückerobert haben."

Im Vorjahr war Schumacher nach dem Reifen-Skandal bei der Siegerehrung noch gnadenlos ausgepfiffen worden. Nachdem er als erster Rennfahrer fünf Mal in Indy gewonnen hatte, wurde der 37-Jährige von den weit über 100.000 Menschen begeistert gefeiert. Schon auf der Ehrenrunde riss er beide Arme in die Luft. Später fiel er seinem Bridgestone-Ingenieur um den Hals und ließ seinen Teamkollegen Felipe Massa aus Brasilien hochleben. "Er ist ein besonderer Teamkollege. Vor allem er war stark. Vielleicht kann er das ein paar Mal wiederholen."

Andächtig stand Schumacher beim Abspielen der deutschen Nationalhymne auf dem Podest, dachte an das Fußball-Märchen in der fernen Heimat und sein wundersames Comeback. Sein Teamchef Jean Todt hielt sich sogar die Hand ans Herz. "Das ist ein prima Auftakt in die zweite Saison-Hälfte", sagte der Franzose. Beschwingt dirigierte Schumacher dann die Ferraristi zu den Tönen der italienischen Nationalhymne und sprang wie ein kleiner Junge in die Luft. "Ich war mir all der Umstände bewusst, war entsprechend zufrieden und habe mich sehr gefreut."

Reifen hielten diesmal
Ausgerechnet an der Stätte der größten Formel-1-Blamage spielten die Reifen die entscheidende Rolle. "Es war eine gewisse Bridgestone-Dominanz festzustellen. Ich hoffe, dass wir die mitnehmen können nach Europa", sagte Schumacher. Im Vorjahr hatten die Michelin-Reifen auf dem berühmten Oval nicht gehalten, die von den Franzosen ausgestatteten Teams konnten nicht starten. Diesmal waren die Pneus nicht konkurrenzfähig. "Michelin hat absolut das Richtige getan und ist auf die sichere Seite gegangen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug trotzdem.

Nach seinem schlechtesten Saison-Resultat mit Platz fünf fiebert Alonso schon dem Michelin-Heimspiel in Magny-Cours am 16. Juli entgegen. "Im vergangenen Jahr habe ich null Punkte aus Nordamerika mitgenommen, dieses Jahr habe ich 14 geholt", sagte der Spanier. Der Renault-Pilot hatte in der "Woche der Wahrheit" den Kanada-Grand-Prix vor Schumacher gewonnen. "Ferrari und Bridgestone waren diesmal schneller als wir", sagte Alonso, "aber in den anderen neun Rennen hatten wir die besseren Reifen, deshalb mache ich mir keine Sorgen. Wir können den Vorsprung wieder ausbauen." Für das Blatt "As" steht jedoch fest: "Schumacher hat die Wirkung von Alonsos großem Vorsprung neutralisiert."

(apa/red)