"Ich werde alles für die Austria geben": Polster geht mit viel Elan in neue Aufgabe

Kronsteiner und Söndergaard bleiben weiter im Amt PLUS: General-Manager Polster erhält Dreijahresvertrag

"So viel wie in den Zeitungen gestanden ist, hätte ich gar nicht angenommen". Mit diesen Worten hatte Toni Polster bei seiner Präsentation am Donnerstag auf die Frage reagiert, wie viel er als neuer General Manager des Fußball-Vizemeisters FK Austria Magna verdiene. Den Fans wird das Honorar ohnehin egal sein, sie werden den neuen starken Mann an seinen Taten, Entscheidungen und Erfolgen messen. Und in dieser Beziehung hat der Wiener in den nächsten Wochen und Monaten viel zu tun.

Die Austria, von der er vor 17 Jahren als junger Spieler ausgezogen war, um internationale Karriere zu machen, ist für ihn nicht irgendein Verein, sondern einer, der ihm am Herzen liegt, den er liebt und der etwas ganz Besonderes darstellt. Der Heimkehrer nimmt nun sowohl im wirtschaftlichem als auch im sportlichen Sektor die Fäden in die Hand und arbeitet am neuen Stadion-Projekt ("Austria ist eine Premiummarke, alte Partner haben ein Treuebonus") mit. Personell bleibt zumindest bis zum Sommer 2005 mit Manager Markus Kraetschmer, Sportdirektor Günter Kronsteiner und Trainer Lars Söndergaard alles beim alten.

Frenkie Schinkels, Peter Stöger und Manfred Kern werden national bzw. international Gegner beobachten und als Scouts fungieren. Bei seiner Vorstellung dachte Polster auch an die Anhänger. Er wird sich mit ihnen zusammensetzen, will "ihre Ängste und Sorgen" kennen zu lernen. "Sie gehören zum Fußball, sie muss man hegen und pflegen", sagte der graumelierte Ex-Torjäger, der voller Tatendrang und Ehrgeiz seinen neuen Job in Angriff nimmt. Dabei sind die Erkenntnisse von Otto Baric als Stronach-Visitator eine Überlegung wert. "Vielleicht werde ich mir den Bericht durchlesen", so der einstige "Golster".

"Würde auch 20 Stunden am Tag arbeiten"
Dass seine Familie fix erst im Sommer nach Wien übersiedelt wird, kommt dem Rekordtorschützen des Nationalteams und der Austria gar nicht so ungelegen. Denn es wartet viel Arbeit auf den zweifachen Vater, der im ersten Halbjahr auch zum Pendler zwischen Österreich und Weiden wird. "Ich werde alles für die Austria geben, wenn es notwendig ist, werde ich auch 20 Stunden am Tag arbeiten", kündigte die Galionsfigur der Violetten an. Gespräche wird er in allen Bereichen führen, um eine Bestandsaufnahme erstellen zu können. "Ich werde mir auch ein Bild während des Trainingslagers machen."

Er hat die Veilchen zuletzt drei Mal (gegen Brügge, Saragossa und Admira) gesehen. Die Mannschaft sei noch nicht an ihrem Zenit, entwicklungsfähig und habe "das Zeug, Meister zu werden", befand Austrias bester Torschütze aller Zeiten. Das punktuell verstärkt werden soll, ist ihm auch aufgefallen. "Für sinnvolle Verstärkungen hat Frank Stronach immer ein offenes Ohr, wir sind aber nicht die Melkkuh der Nation", so der 40-Jährige. Schnellschüsse würden auf dem Transfermarkt nicht vorgenommen, dafür werde er sich intensiv um die Hollabrunner Akademie kümmern.

"Am Liebsten hätte ich Österreicher"
"Am Liebsten hätte ich Österreicher, aber wir nehmen niemanden, nur weil er Österreicher ist. Wir wollen wieder mehr Prohaskas, Stögers, Saras, Daxbacher, etc.", so der General Manager, dem das Scouting von immenser Bedeutung ist. Unter dem Motto "gemeinsam sind wird stark" möchte Polster alle an ein Strick ziehen sehen. "Wir werden wie Pech und Schwefel zusammenhalten, ehrlich und respektvoll miteinander reden und mit einer Zunge sprechen. Aber Ja-Sager brauche ich nicht", sagte der Heimkehrer, der nicht auf der Trainer-Bank ("ich bin zu emotionell, riskiere dort eine Rote") Platz nehmen will.

Tacheles wird er freilich schon reden. Es sei schade für den Verein, dass zuletzt trotz der sportlichen Erfolge (Austria überwintert erstmals seit 20 Jahren im Europacup) von Schlangengrube und Intriganten-Stadl die Rede war. Das seien ab sofort verbotene Wörter, gesprochen werde nur mit einer Zunge. Dass er sich mit seinem neuen Job mit Druck rechnen müsse, ist ihm klar. "Ich habe keine Angst. Ich weiß, was ich kann und ich traue mir das zu." Die Rückeroberung Titels ist Polsters vorerst oberstes Ziel. "Einmal Meister in zwölf Jahren ist zu wenig, wir müssen zuerst eine nationale Größe werden und erst wenn wir wieder konstant Titel sammeln, nehmen wir internationale Ziel in Angriff." (apa/red)