"Ich werde kein Alibi-Präsident sein": ÖFB-
Chef Ehrenberger tritt Amt ambitioniert an

Nächster Präsident dürfte hauptberuflich arbeiten In Bälde Vier-Augen-Gespräch mit Brückner geplant

 "Ich werde kein Alibi-Präsident sein": ÖFB-
Chef Ehrenberger tritt Amt ambitioniert an © Bild: APA/Manhart

Im Alter von 75 Jahren ist Kurt Ehrenberger an der Spitze des österreichischen Fußball-Funktionärswesen angekommen. Der Wiener übernimmt als längstdienender Vizepräsident den Vorsitz des ÖFB vom überraschend zurückgetretenen Friedrich Stickler, bis entweder am 18. Jänner oder 1. Februar 2009 ein neuer Verbandschef gewählt wird.

Für ihn selbst kommt nach eigenen Angaben eine Verlängerung seiner Amtszeit nicht infrage. "Das ist sicher die Krönung meiner Funktionärs-Laufbahn, aber ich habe kein Interesse daran, weiterzumachen", betonte Ehrenberger, der im Laufe des kommenden Jahres voraussichtlich auch sein Amt als Vorsitzender des Wiener Verbandes zur Verfügung stellen wird, im Gespräch mit der APA.

Bis dahin will er aber noch einige Aktivitäten setzen. "Ich werde kein Alibi-Präsident sein, sondern meine Sache ordentlich machen", versprach Ehrenberger, der einstimmig zum Interimschef gewählt wurde.

"Nie damit gerechnet"
Mit dem plötzlichen Karrieresprung hatte der Träger des "Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien" überhaupt nicht gerechnet. "Unmittelbar bevor wir zum heiklen Teil der Präsidiumssitzung gekommen sind, hat Stickler erklärt, dass er sein Amt zurücklegen wird. Ich habe zuvor zwar geglaubt, dass es für ihn eng werden könnte, aber nie damit gerechnet, dass er zurücktritt", erzählte Ehrenberger.

Als Interims-Nachfolger war laut Ehrenberger auch Oberösterreichs Verbandschef Leo Windtner kurz im Gespräch gewesen, dieser winkte aber mit Hinweis auf seine berufliche Auslastung ab. Das zeige - ebenso wie Sticklers Begründung für seinen Rücktritt -, dass der ÖFB künftig einen hauptamtlichen Präsidenten nötig habe. "Dafür gibt es im Präsidium eine Mehrheit", sagte Ehrenberger.

In seiner neuen Funktion hat der Verbandschef, der sich in den vergangenen Monaten und Jahren als harter Kritiker Sticklers präsentierte, nun sogar die Möglichkeit, Teamchef Karel Brückner abzulösen. "Alles ist möglich. Eine Garantie, dass Brückner bis zum Ende meiner Amtszeit Teamchef ist, kann ich nicht abgeben", betonte Ehrenberger.

Klärendes Gespräch mit Brückner anvisiert
Er wolle nun so schnell wie möglich ein Vier-Augen-Gespräch mit Brückner führen, in dem er dem Tschechen unter anderem erklären werde, dass sich der Coach deutlich öfter als bisher auf österreichischen Fußball-Plätzen aufzuhalten habe. "Es kann nicht sein, dass er so wie bisher nur ganz selten Spiele in Österreich sieht", erklärte Ehrenberger.

Der Wiener Kommerzialrat leitete von 1972 bis 1995 als selbstständiger Großhandelskaufmann einen Eisenwarengroßhandel. Von 1975 bis 2004 war er in der Wirtschaftskammer Österreich unter anderem als Bundesgremialvorsteher und Präsident des Fonds der Wiener Kaufmannschaft tätig. Die Funktionen im Wiener Verband (WFV) führten ihn seit 1964 vom Schriftführer über den Klassenobmann bis hin zum Vizepräsidenten. Seit 1990 ist der ehemalige Amateurkicker Präsident des WFV und seit 1999 auch ÖFB-Vizepräsident.

"Das war eine einstimmige Entscheidung"
Für Bundesliga-Präsident Martin Pucher war Ehrenberger der logische Stickler-Nachfolger. "Das war eine einstimmige Entscheidung, eine ganz klare Geschichte. Ehrenberger ist seit mehr als 40 Jahren Fußball-Funktionär, ein verdienter Mann, deshalb bin ich froh, dass er akzeptiert hat, die interimistische Nachfolge von Stickler anzunehmen", sagte Pucher, der hofft, dass in der Causa ÖFB-Präsident nun "rasch die bestmögliche Lösung gefunden wird".

Der Burgenländer hatte vor der Präsidiumssitzung mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem Rücktritt von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler. "Wir sind von dieser Entscheidung überrascht worden", erklärte Pucher im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Besonderen Wert legte der Mattersburg-Obmann auf die Tatsache, dass Stickler seine Entscheidung schon vor der Sitzung getroffen hatte. "Er hat von sich aus diese Mitteilung gemacht, und zwar noch vor der Diskussion über die Situation des Nationalteams, die dann anschließend in aller Offenheit und Deutlichkeit geführt wurde. Er hat berufliche Gründe für seinen Rücktritt angegeben, das muss man respektieren", betonte Pucher, der so wie Ehrenberger darauf hinwies, dass noch nicht über Kandidaten für den Job als langfristiger ÖFB-Chef diskutiert wurde.
(apa/red)