I.S.T. Austria: In Österreich entsteht eine Forschungseinrichtung auf höchstem Niveau

Standort in Maria Gugging sorgte für Diskussionen In zehn Jahren sollen 40 bis 50 Gruppen forschen

Das Institute of Science and Technology Austria (I.S.T. Austria) ist eine in Aufbau befindliche postgraduale Forschungseinrichtung in Maria Gugging bei Klosterneuburg (NÖ), die sich Grundlagenforschung auf höchstem Niveau widmen will. 2006 per Gesetz gegründet und von Bund und Land Niederösterreich finanziert, wird seit Sommer 2007 nach dem Leiter des Instituts sowie ersten Wissenschaftern gesucht.

Geistiger Vater des I.S.T. Austria ist der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger, der seit 2002 mit Nachdruck für eine "Flaggschifforganisation, eine Spitzenforschungeinrichtung" in Österreich geworben hat. Ein Expertenkomitee mit dem ehemaligen Präsidenten des renommierten israelischen Weizmann-Instituts, Haim Harari, an der Spitze erarbeitete ein grundlegendes Konzept für das Institut.

Harari ist auch Mitglied des von der Regierung nach dem Gesetzesbeschluss 2006 eingesetzten Kuratoriums ("Board of Trustees") des Instituts, dem prominente Wissenschafter und Führungskräfte angehören. Sechs Mitglieder dieses Gremiums bilden unter Leitung Hararis das Executive Committee, das den Instituts-Präsidenten finden sollte und bis zu dessen Bestellung seine Aufgaben wahrnimmt.

Diskussionen um Standort
Heftige Diskussionen begleiteten die Standortsuche, ehe sich das Gelände der ehemaligen Landesnervenklinik in Maria Gugging gegenüber einem Standort in Wien durchsetzte. Streitereien gab es auch um die Bezeichnung, schließlich verzichtete man auf eine Benennung nach einem großen österreichischen Wissenschafter und blieb beim Namen "Institute of Science and Technology Austria".

Die ersten Wissenschafter sucht ein wissenschaftlicher Beirat einerseits "offen", also rein nach "besten Köpfen" unabhängig vom Fach, andererseits konkret in den drei Themenfeldern Kognitionswissenschaften, Quantitative Biologie sowie Materialwissenschaften. Für das Amt des Präsidenten gab es rund 100 Bewerbungen, Nominierungen und Vorschläge. Für die Forscherjobs haben sich bisher mehr als 700 Personen beworben bzw. wurden nominiert.

Kosten für I.S.T.
Für die ersten zehn Jahre werden für das I.S.T. Austria Kosten von 571,5 Mio. Euro veranschlagt. Für den laufenden Betrieb des Instituts sind 455 Mio. Euro reserviert. Davon entfallen auf den Bund zunächst 195 Mio., auf das Land Niederösterreich 30 Mio. und auf Drittmittel 135 Mio. Euro. Darüber hinaus verdoppelt der Bund eingeworbenen Drittmittel bis zu einem Betrag von 95 Mio. Euro. Die einmaligen Errichtungskosten von 80 Mio. Euro für Gebäude und Infrastruktur werden von Niederösterreich getragen. Dazu kommen vom Land übernommene Grundstückskosten von 35 Mio. Euro und Kosten für eine Verkehrsanbindung von 1,5 Mio. Euro. An Spenden aus der Privatwirtschaft, für die eine Stiftung gegründet wurde, sind bis Anfang 2008 fünf Mio. Euro eingegangen.

Harari hofft, dass in zehn Jahren am I.S.T. Austria rund 40 bis 50 Wissenschafter-Gruppen forschen und insgesamt 600 Personen beschäftigt sind. Es sollen nur solche Forschungsgebiete begonnen werden, in denen das Institut eine weltweit führende Rolle einnehmen kann. Den Wissenschaftern werden erstklassige Infrastruktur, Instrumente und Geräte versprochen. In den Forschungsfeldern sollen Doktoratsstudien (PhD-Programme) angeboten werden, die dem internationalen Modell einer "Graduate School" folgen.

(apa)