Hypo-Debakel kostet ihn den Chefsessel:
BayernLB-Boss Kemmer räumt seinen Posten

Hinterlässt einen milliardenteuren Haufen Asche Stimmte Übernahme der Hypo als Finanzchef zu<br>52-Jähriger stand schon einmal kurz vor Rauswurf

Hypo-Debakel kostet ihn den Chefsessel:
BayernLB-Boss Kemmer räumt seinen Posten © Bild: APA/Neubauer

Nach dem Milliardendebakel der BayernLB bei der Kärntner Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) nimmt der Chef der BayernLB, Michael Kemmer, auf Druck der bayerischen Staatsregierung seinen Hut. Kemmer stellt sein Amt zur Verfügung, teilte die Staatskanzlei nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München mit. Kommissarischer BayernLB-Chef ist Ex-Bank Austria-Vorstand Stefan Ermisch, bisher schon Mitglied des Vorstands der Landesbank.

Kemmer zieht damit die Konsequenzen aus der Notverstaatlichung der BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria. Kemmer war auch Aufsichtsratschef der Hypo. Im Mai 2007 stimmte er dem Übernahme-Deal als Finanzvorstand zu. Auch wenn Österreich das schwer angeschlagene Institut in letzter Sekunde übernommen hat, kostet der Ausflug die BayernLB und damit den Freistaat Bayern beziehungsweise die Steuerzahler unter dem Strich 3,725 Milliarden Euro.

In seiner kurzen Zeit an der Spitze der BayernLB und des Hypo-Aufsichtsrates stand Kemmer schon einmal vor dem Rauswurf. Bayerns Ministerpräsident Seehofer war sauer auf ihn, weil er sich im Oktober 2008 über die Belastungen der Bank falsch informiert gefühlt hatte. Kemmers Rücktritt galt damals als besiegelte Sache. Doch die Mitarbeiter der BayernLB kämpften erfolgreich um ihren Chef.

"Natürlich hat Vorgang Konsequenzen"
"Natürlich hat ein solcher Vorgang mit 3,7 Milliarden Euro auch Konsequenzen", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu Kemmers Rückzug. "Diese personellen Veränderungen sind nicht verbunden mit irgendeiner Schuldzuweisung." Im Finanzministerium werde Amtschef Klaus Weigert auf eigenen Wunsch aus dem Verwaltungsrat der BayernLB ausscheiden, sagte Seehofer.

Der Regierungschef sicherte zu, die bayerische Staatsregierung werde "die Aufklärung der Vergangenheit sehr nachdrücklich unterstützen". Seehofer zeigte sich zuversichtlich, dass der Freistaat der BayernLB kein weiteres frisches Kapital zuschießen muss.

Er habe über diesen Schritt lange nachgedacht, sagte Kemmer laut Aussendung der BayernLB. Er sei sich im Klaren darüber, dass die Bank zwar die schwierigsten Zeiten überstanden habe, es aber zu früh sei, davon zu sprechen, dass die BayernLB vollständig "über dem Berg" sei. Voraussetzung, um eine derart umfassende Sanierung und Restrukturierung erfolgreich durchführen zu können, seien jedoch der volle Rückhalt aller Eigentümer. Er hoffe, dass dies zukünftig gegeben sei, um die Restrukturierung der Bank zu einem guten Abschluss zu bringen. Er habe Verständnis für die besonderen Regeln, wenn es sich um politische Eigentümer handle.

Nachfolger Ermisch
Ermisch (43) ist seit 1. Juli 2009 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BayernLB. Ermisch verfügt über langjährige internationale Erfahrung im Bankensektor. Zuletzt war er nach Stationen bei der WestLB und der HVB-Gruppe, Finanzvorstand der Bank Austria, Mitglied im des Executive Committee der Investment Banking Division der UniCredit, Mailand, und Vorstand der HVB in München. Er wechselte am 1. Juli 2008 zur Bayerischen Landesbank.

Ermisch wurde Berichten zufolge auch wegen seiner Erfahrung in Österreich und Osteuropa in die BayernLB geholt. Die Landesbank hatte damals noch ehrgeizige Wachstumsziele in der Region. Mit Ermisch holte sich Kemmer auch einen alten Bekannten ins Haus: Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei der Hypovereinsbank (HVB). Kemmer war dort vor seinem Wechsel zur BayernLB für das Risikomanagement verantwortlich. Ermisch hatte sich bei der HVB nach der Übernahme durch die UniCredit unter anderem um die Integration der Investmentbanking-Aktivitäten gekümmert.

(apa/red)